Münsters Stadtviertel im Porträt

Mecklenbeck: Citynah und im Grünen wohnen

Münster-Mecklenbeck

Mitten im Grünen und doch nah am Zentrum: Das beschreibt den Stadtteil Mecklenbeck in Münsters Westen ziemlich treffend. Es gibt viele Traditionen, die bis heute gepflegt werden. Aber auch Neues ist wichtig: Kaum ein Stadtteil wächst so stark wie Mecklenbeck.

Thomas Schubert

Die im Jahre 1972 nach den Plänen des münsterischen Architekten Harald Deilmann errichtete St.-Anna-Kirche ist das prägende Bauwerk im Herzen Mecklenbecks. Foto: sch

In Zeiten, in denen Wohneigentum in der münsterischen City für viele Interessenten immer schwerer zu finanzieren ist, und auch die Mieten beständig neue Höchstmarken erreichen, ist Mecklenbeck für so manchen zu einem interessanten Pflaster geworden. Viele hat es in den vergangenen Jahren in den münsterischen Stadtteil gezogen.

Und viele werden noch kommen, schließlich werden unter anderem im großen Baugebiet zwischen Weseler Straße, Meckmannweg und Schwarzem Kamp mehr als 300 Mietwohnungen und etliche Reihenhäuser geschaffen, die zum Teil bereits bezogen sind. Darüber hinaus soll bis zum Jahr 2023 das Baugebiet „Südlich verlegter Heroldstraße“ baureif sein. Dort sollen in Ein- und Mehrfamilienhäusern 160 neue Wohnungen entstehen.

Wohnquartiere werden zerschnitten

Ein großer Vorteil ist, dass der münsterische Ortsteil immer noch recht nah dran ist an der Innenstadt und über eine annehmbare Infrastruktur sowie viel Grün drumherum verfügt. Auch der westliche Teil des Naherholungsraums Aasee zählt zu Mecklenbeck. Allerdings werden die Wohnquartiere des Orts durch vielbefahrene Verkehrsachsen und die Bahntrasse zerschnitten.

Entlang der Weseler Straße ist ebenso wie in den Gewerbegebieten an der Hansalinie und der Harkortstraße eine Vielzahl von Firmen, darunter Brillux und die RWE, beheimatet. Auch das Handwerkskammer-Bildungszentrum und die dazugehörige Gestaltungsakademie sind neben der Fiducia GAD fester Bestandteil des münsterischen Stadtteils, der viele Arbeitsplätze zu bieten hat.

Wer Einkäufe des täglichen Bedarfs und darüber hinaus zu erledigen hat, kann dies im zentralen Stadtteilzentrum nahe der St.-Anna-Kirche machen oder auch das Stadtbereichszentrum an der Weseler Straße aufsuchen.

Viel Verkehr auf dem Dingbängerweg

Ein großes Plus ist zudem, dass Mecklenbeck Ende 2018 nach 27-jähriger Pause wieder einen eigenen Bahnhaltepunkt bekam, was insbesondere Berufspendler zu schätzen wissen.

In schulischer Hinsicht sieht es ebenfalls nicht schlecht aus: Mecklenbecker Kinder können die Peter-Wust-Grundschule und die Loevelingloh-Grundschule besuchen. Außerdem ist mit der bischöflichen Friedensschule eine Gesamtschule im münsterischen Stadtteil angesiedelt. Andere Schulformen in der City können schnell erreicht werden.

Noch nicht zufriedenstellend gelungen ist die Entlastung des vielbefahrenen Dingbängerwegs vom Verkehr, obwohl die vor gut sechs Jahren eröffnete Fritz-Stricker-Straße in Teilen dazu beiträgt.

Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

"Stadtteil, er stark wächst"

Frank Bürgel lebt seit 1999 mit seiner Familie in Mecklenbeck. Er ist Vize-Vorsitzender des dortigen Bürgervereins und schätzt Mecklenbecks gute Anbindung an die City sowie den schnellen Weg ins umliegende Grün.

Was ist typisch für Mecklenbeck?

Frank Bürgel: Obwohl Mecklenbeck ein sehr alter Ort ist, gibt es keinen historischen Ortskern. Trotzdem gibt es ein umfangreiches und ausgeprägtes Vereinsleben. Dass Mecklenbeck lebt und sich weiterentwickelt, liegt nicht zuletzt auch daran, dass der Stadtteil stark wächst und dadurch stets neue Impulse erhält. Auch wenn sich das Ortsbild verändert, wird Traditionelles gepflegt. Zudem bietet Mecklenbeck alles, was man sich für seinen Lebensraum wünschen kann.

Sehen Sie Probleme in Ihrem Stadtteil?

Frank Bürgel: Die Verkehrssituation ist nicht ganz unproblematisch. Um nur einige Aspekte zu nennen, meine ich damit die stark befahrene Bahnlinie, die nahe Autobahn und insbesondere auch die Weseler Straße. Neben der Lärmbelästigung führt dies auch immer wieder zu unfallträchtigen Situationen. Auch der Dingbängerweg mit Grundschule und Kindergarten ist stark befahren und wird weiter als Verbindung von und nach Roxel genutzt. Die Einführung vom „Tempo 30“ hat dort nur bedingt Abhilfe geschaffen.

Welche Entwicklung wünschen Sie sich?

Frank Bürgel: Bei aller Notwendigkeit Wohnraum zu schaffen, sollte der Erhalt von Grünflächen als Ausgleich berücksichtigt werden. Auch eine behutsame, ökologische Entwicklung der Verkehrssituation wäre wünschenswert. Außerdem halte ich das kulturelle und gastronomische Angebot in Mecklenbeck für ausbaufähig.

Frank Bürgel Foto: privat

"Wir haben fast alles vor Ort"

Britta Ladner lebt seit 20 Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Mecklenbeck. Seit drei Jahren engagiert sie sich als Exkursionsleiterin für die Natur. Ihr besonderes Interesse gilt den Pflanzen.

Was ist lebenswert in Mecklenbeck?

Britta Ladner: Mir gefällt die tolle Kombination: Wir haben hier fast alles vor Ort, wohnen dabei aber sehr grün und beinahe ländlich und sind trotzdem schnell in der Innenstadt. Außerdem mag ich das bunte Miteinander von Jung und Alt. Auch dass hier Traditionen wie Osterfeuer, Schützenfest und Maibaum-Aufstellen bewahrt werden, und dass wir mit dem Hof Hesselmann so ein schönes Bürgerzentrum haben, finde ich gut.

Woran hakt es im Ort?

Britta Ladner: Manchmal hakt es an der gegenseitigen Rücksichtnahme. Mecklenbeck wächst, und auf den vielen kombinierten Fuß- und Radwegen wird es voller. Manche Radfahrer, vor allem E-Bike- und Pedelec-Fahrer, sind auf diesen Wegen zu schnell unterwegs. Außerdem ärgert es mich, dass immer wieder Glasflaschen mutwillig kaputtgeworfen werden. Die Scherben sind eine Gefahr für Radfahrer, Kinder und Tiere.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Britta Ladner: Ich wünsche mir, dass Mecklenbeck ein grüner Stadtteil in einer grünen Umgebung bleibt und nicht weiter zugebaut wird. Außerdem fände ich es toll, wenn es hier wieder einen Wochenmarkt gäbe, vielleicht gezielt mit regional-saisonal-biologischer Ausrichtung. Und eine gemütliche Kneipe wäre schön, in der man sich auch im Winter mit Freunden auf ein Glas Bier oder Wein und einen kleinen Snack treffen kann.

Britta Ladner Foto: privat

Hof Hesselmann: Zentrales Forum für Mecklenbeck

Seit nunmehr rund 30 Jahren gibt es den „Bürgerverein für Mecklenbeck“ als Betreiber des Bürgerzentrums Hof Hesselmann. Aber wie ist er entstanden? Und was sind seine Ziele? Um das zu beantworten, muss man sich ein wenig mit dem Stadtteil Mecklenbeck befassen.

Im Gegensatz zu anderen „Vororten“ Münsters hat Mecklenbeck trotz des Dingbängerwegs keinen wirklichen Ortskern. Der Stadtteil besteht aus mehreren Wohnquartieren, die teils durch Durchfahrtsstraßen, Bahnlinien oder Autobahnen voneinander getrennt sind.

Ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Begegnungs- und Veranstaltungsforum für ganz Mecklenbeck: das Bürgerzentrum Hof Hesselmann. Foto: Thomas Schubert

Bürgerzentrum in zentraler Lage

Mitte der 1980er-Jahre nahm sich die Stadt Münster der Entwicklung des Stadtteils an. Im Rahmen diverser Bürgeranhörungen meldete sich dabei der seit 1978 bestehende Mecklenbecker „Geschichts- und Heimatkreis“ zu Wort. Wichtig für die weitere Entwicklung war sicherlich auch das 1100-jährige Bestehen von Haus Kump im Jahr 1989, bei dem die Idee entstand, mit dem Hof Hesselmann ein Bürgerzentrum in zentraler Lage zu schaffen. Dies stand im Gegensatz zu den Vorstellungen der städtischen Planer, die das „neue Zentrum“ Meck­lenbecks an der Weseler Straße vorgesehen hatten.

Schon im Jahr zuvor hatte sich unter der Leitung von Karlheinz Pötter ein Koordinationsteam engagierter Mecklenbecker gebildet, das am 30. März 1992 den „Bürgerverein für Mecklenbeck“ gründete. Dessen Leitung wurde von Pötter übernommen. Im Jahr 2014 übergab er den Vorsitz an seinen damaligen Stellvertreter Rembert Egbringhoff, der diese Funktion bis heute inne hat.

Mietvertrag wurde 1994 unterschrieben

Der Verein nahm sich vor, möglichst viele Mecklenbecker an der Schaffung eines Ortszentrums zu beteiligen. Deshalb wurden alle Mecklenbecker Vereine und Gruppen aufgenommen. Um die Gemeinschaft im Stadtteil zu fördern, machte es sich der Bürgerverein zur Aufgabe, ein Begegnungsforum für alle Mecklenbecker zu schaffen. Als Symbol der alten Bauerschaft bot sich dafür der im Eigentum der Stadt Münster befindliche Hof Hesselmann an. Er wurde im Jahr 1992 frei, bedurfte aber erheblicher Baumaßnahmen, um als Bürgerzentrum genutzt zu werden.

Nach der Unterzeichnung des Mietvertrags zwischen der Stadt und dem Bürgerverein am 21. August 1994 begann die aufwendige Restaurierung und Sanierung des Gebäudes. Unter der Leitung von Rembert Egbringhoff, Erich Dikow und Reinhard Klose leisteten Ehrenamtliche des Bürgervereins ganze Arbeit. Außerordentliche Eigenleistungen und finanzielle Förderung durch die Stadt ließen das Bürgerzentrum Wirklichkeit werden: Im Rahmen des dritten Mecklenbecker Stadtteilfests wurde es 1998 im Beisein der damaligen Oberbürgermeisterin Marion Tüns und des Oberstadtdirektors Dr. Tilman Pünder eingeweiht.

Als Vorsitzender des Mecklenbecker Bürgervereins unterzeichnete Karlheinz Pötter (l.) am 21. August 1994 den Mietvertrag für das Bürgerzentrum Hof Hesselmann. Foto: privat

Dankbar für jede Unterstützung

Damit war der wichtigste Schritt für den Bürgerverein getan, doch die tatsächliche Arbeit fing erst richtig an: Es galt, für die Bürger Mecklenbecks ein interessantes Programm zur erstellen, um den Hof als Begegnungsforum mit Leben zu füllen. Dies war und ist neben der Bewirtschaftung und Instandhaltung des Hauses die wesentliche Aufgabe des Bürgervereins. Das heutige Programm umfasst Angebote und Veranstaltungen für Jung und Alt. Und natürlich sind auch die Mitgliedsvereine mit ihren Traditionsveranstaltungen – angefangen vom Schützenfest bis zur Altweiberfastnacht – immer wieder gerne zu Gast.

Für die Verantwortlichen gibt es keinen Zweifel daran, dass es sinnvoll war, den Bürgerverein ins Leben zu rufen. Sie sind dankbar für jeden, der sie unterstützen und sich im Verein engagieren will. Wichtig ist es ihnen, die Neu-Mecklenbecker und die jüngere Generation anzusprechen und in den Betrieb des Bürgerzentrums einzubinden. Schließlich ist Mecklenbeck einer der am schnellsten wachsenden Stadtteile Münsters.

Schmuckes Fachwerkhäuschen: Läuft alles nach Plan, dann wird der Bürgerverein nach den Sommerferien das am Hof Hesselmann neu erstellte Häuschen als Givebox eröffnen. Foto: Thomas Schubert
Startseite