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Neue Ausstellung

Der Wald kommt ins Naturkundemuseum

Münster

Der Wald gibt Holz und nimmt CO2 – der Wald ist Landschaftsform, Wirtschaftsraum, Erholungsort für die Menschen. „Alleskönner Wald“ heißt folgerichtig die neue Sonderausstellung, die das Naturkundemuseum ab Freitag zeigt. Jetzt gab es erste Einblicke.

Von Gunnar A. Pier

Kuratorin Lisa Klepfer vor einem präparierten Rückepferd in der Ausstellung "Alleskönner Wald" im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Die Sonderausstellung wird vom 25. Juni 2021 bis zum 25. September 2022 gezeigt. Foto: Gunnar A. Pier

Als Lisa Klepfer vor vier Jahren ans münsterische Naturkundemuseum kam, stand der Wald als Gegenstand einer Sonderausstellung schon fest. Dass Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme das Thema so schnell so aktuell machen würden, war da noch gar nicht klar, erinnert sich die Kuratorin. Aber jetzt passt die neue Sonderausstellung gut in die Zeit. Am Freitag öffnet sie offiziell ihre Tür.

Wer in den Ausstellungsbereich kommt, sieht zunächst den Wald vor lauter Bäumen nicht. 3,5 Meter hohe Stämme stehen dort. „Die Arbeiter haben ganz schön geschwitzt“, erinnert sich Kuratorin Lisa Klepfer. Aber auch sonst steckt viel Schweiß in der neuen Schau. Zwei Jahre haben die Experten daran gearbeitet. Erst am Konzept, dann wurden die Exponate ausgesucht, Texte geschrieben, die Raumaufteilung geplant. Im letzten halben Jahr wurde aufgebaut, zusammengeschraubt und gestaltet.

Viel Spaß an der Umsetzung

Dabei, sagt die studierte Biologin, war die Wald-Ausstellung einfacher umzusetzen als manch anderes Projekt. „Wir konnten viele Exponate aus der eigenen Sammlung nehmen.“ Auch Kooperationspartner sind leichter zu finden, wenn das Thema in der Region spielt und nicht etwa am Südpol.

Dass das Team besonderen Spaß an der Umsetzung hatte, betonte Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs, als er am Dienstag die Ausstellung vorstellte. „Das ist halt ein klassisches naturwissenschaftliches Thema.“

Viel Liebe zum Detail

Besonders hat den Chef im Haus das Engagement der vier Präparatoren beeindruckt, die „Zeit und Raum vergessen haben“, als sie das Rücke­pferd aufbereiteten, das zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört. Rücke­pferde helfen, Holzstämme aus dem Wald zu ziehen. Den ausgestellten Kaltblüter bekam das Museum direkt von einem Abdecker. Die Spezialisten des Museums präparierten es mit viel Liebe zum Detail – und machten es zehn Jahre jünger, wie Kriegs verriet. Die Ausstellung verschweigt auch nicht, dass heute eher große Maschinen Bäume ernten und oft größere Schäden anrichten, weil sie etwa den Boden so verdichten, dass lange nichts mehr wächst.

In weiteren Bereichen der 560 Quadratmeter lernen Besucher Baumarten kennen, sie sehen Tiere, die auf aller Welt im Wald leben, ebenso wie Bewohner der Waldböden in einer eigens gestalteten Bodenkammer.

Erklärt wird der Wald als „grüne Lunge“, die für frische Luft sorgt. Aber auch die wirtschaftliche Nutzung des Waldes wird problematisiert. Selbst der Bogen zur Steinkohle wurde geschlagen. „Das muss man sich mal vorstellen“, erklärt Kriegs: „Jahrmillionen lang haben Wälder CO2 gebunden – in der Steinkohle. Und innerhalb von Jahrzehnten wurde viel davon wieder freigesetzt.“

Eröffnung am Freitag

Wenn die Ausstellung am Freitag für die Öffentlichkeit freigegeben wird, ist Lisa Klepfer gedanklich schon viel weiter. Im nächsten Jahr folgt die nächste Sonderausstellung, die Vorbereitungen laufen bereits seit einem Jahr. Die Macher sind stets auf zwei Baustellen. „Aber es ist immer ein tolles Erlebnis, die Besucher zu beobachten“, gesteht sie. Manchmal steht Lisa Klepfer auf einer Empore und schaut, ob die Menschen die Ausstellung so entdecken, wie sie es sich vorher gedacht hat.

Sonderausstellung „Alleskönner Wald“, LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Straße 285, 48161 Münster. Der Eintritt (Dauerausstellung und Sonderschau) kostet 7,50 Euro, für unter 18-Jährige ist der Eintritt kostenlos.

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