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Raumsonde „BepiColombo“ passiert Nachbarplaneten der Erde

Messtechnik aus Münster an der Venus

Münster

Die europäische Raumsonde „BepiColombo“ ist bei einem Vorbeiflug der Venus so nahe gekommen wie nie. Mit an Bord ist auch ein Analysegerät, das Planetologen der Uni Münster mitentwickelt haben.

Die Raumsonde „BepiColombo“ hat die Venus jetzt auf kurzer Distanz überflogen. Daten über den Nachbarplaneten sammelt dabei das Gerät „Mertis“, das von Planetologen der Uni Münster mitentwickelt wurde. Foto: Esa

In nur 550 Kilometern Höhe hat am Dienstag die europäisch-japanische Merkurmission „BepiColombo“ planmäßig die Oberfläche der Venus passiert. Mit an Bord der Sonde ist ein an der Westfälischen Wilhelms-Universität mitentwickeltes Analysegerät. Der Nahvorbeiflug ermöglicht so noch nie durchgeführte wissenschaftliche Untersuchungen der dichten Venusatmosphäre. Denn bereits während der Annäherung an den Schwesterplaneten der Erde wird das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) entwickelte und betriebene Spektrometer „Mertis“ (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer) auf die Venus gerichtet sein und Messungen durchführen.

Infrarot-Spektrometer

Mertis ist ein abbildendes Infrarot-Spektrometer und Radiometer mit zwei unterschiedlichen Sensoren, die für Wellenlängen zwischen sieben und 14 Mikrometern beziehungsweise sieben und 40 Mikrometern empfindlich sind. Das Gerät wurde für die globale Kartierung der mineralogischen Zusammensetzung und der Wärmeabstrahlung der atmosphärefreien Merkuroberfläche entwickelt, eignet sich aber auch ausgezeichnet für die Untersuchung der stofflichen Zusammensetzung und für Temperaturmessungen in der Atmosphäre der Venus, schreibt die WWU in einer Mitteilung.

Vorbereitung für Einsatz am Merkur

„Für das Mertis-Team ist das eine ganz hervorragende Möglichkeit, das Instrument vor seinem eigentlichen Einsatz am Merkur bei einer zusätzlichen, wissenschaftlich wichtigen Fragestellung einzusetzen. Außerdem können wir die Eichung und Funktionalität verfeinern“, freut sich Dr. Jörn Helbert vom DLR-Institut für Planetenforschung, der gemeinsam mit Prof. Dr. Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie der WWU für das Mertis-Instrument verantwortlich ist. Jetzt ist die Sonde der Venus ganz nahe gekommen. Dabei wurden uns aus weniger als tausend Kilometern über der Oberfläche Spektrometer-Messungen in einer besonders hohen Auflösung durchgeführt. „Sie werden helfen, wichtige, ungeklärte Fragen zur Zusammensetzung und Dynamik der Venusatmosphäre zu beantworten“, gibt sich Harald Hiesinger optimistisch.

Der Venusvorbeiflug ist auch für die Erforschung von extrasolaren Planeten von hohem Interesse. Denn neben der nur etwas größeren und massereicheren Erde gilt die Venus ein wenig als der „Exoplanet nebenan“. In letzter Konsequenz geht es darum, ob sich auch auf Planeten an anderen Sternen mit vergleichbaren stofflichen Voraussetzungen und ähnlichen astronomischen Parametern wie bei der Erde Leben entwickeln kann.

MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer), das von Planetologen der Uni Münster mitentwickelt wurde, ist ein abbildendes Spektrometer.  Foto: DLR
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