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Missbrauchsfall Münster

So lief der Prozess gegen Adrian V.

Münster

Nach knapp acht Monaten und mehr als 50 Verhandlungstagen endet der Hauptprozess im Missbrauchsfall Münster. Am Dienstag (6. Juli) wurde das Urteil gegen den Haupttäter Adrian V. sowie die vier weiteren Angeklagten verkündet.

Von Anna Spliethoff

Ein Angeklagter wird am ersten Prozesstag in den Gerichtssaal des Landgerichts geführt. Der Prozess gegen den 27-Jährigen Hauptangeklagten, seine Mutter, sowie drei Männer aus Hannover, Staufenberg in Hessen und Schorfheide in Brandenburg geht Anfang Juli zu Ende. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Selbst gestandene Ermittler hatten an jenem sonnigen Samstag im Juni 2020 Tränen in den Augen, als sie die Öffentlichkeit über den schweren sexuellen Kindesmissbrauch informierten, zu dem es unter anderem in einer Gartenlaube in Münster-Kinderhaus gekommen ist. Noch immer laufen in dem Missbrauchsfall die Ermittlungen.

Fünf Monate nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle hat im November am Landgericht Münster der Prozess gegen den mutmaßlichen Haupttäter Adrian V. sowie vier weitere Angeklagte begonnen. An mehr als 50 Prozesstagen, die häufig unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, wurden Zeugen gehört und Beweise gesammelt. Fast acht Monate nach dem Prozessbeginn wurde nun das Urteil gegen den mittlerweile 28-jährigen Münsteraner, seine Mutter sowie drei Männer aus Hannover, Staufenberg in Hessen und Schorfheide in Brandenburg gesprochen werden.

Eine Chronologie zum Hauptprozess im Missbrauchsfall Münster:

  • Prozessauftakt am 12. November 2020
  • Kaum ein Ausdruck von Reue bei den Angeklagten
  • Erste Zeugen sagen vor Gericht aus
  • Ein erstes Geständnis
  • Polizeibeamter berichtet von den Ermittlungen
  • Marco S. äußert sich zu den Vorwürfen
  • Enrico L. sagt vor Gericht aus
  • Die Öffentlichkeit wird immer wieder ausgeschlossen
  • IT-Experten zum Smartphone von Adrian V.
  • Was wusste die Mutter von Adrian V.?
  • Die Rolle der Lebensgefährtin des Hauptangeklagten
  • So lief die Festnahme von Adrian V.
  • Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung
  • Das Ende des Prozesses naht
  • Das Urteil wird am 6. Juli öffentlich gesprochen
  • Lange Haftstrafen und Sicherungsverwahrung

Prozessauftakt am 12. November 2020

Unter großem medialen Interesse beginnt am Landgericht Münster am 12. November der Prozess gegen den mutmaßlichen Haupttäter im Missbrauchsfall sowie vier weitere Angeklagte. Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, Vergwaltigung und gefährliche Körperverletzung.

Die Angeklagten im Hauptprozess

Kaum ein Ausdruck von Reue

Die Gesichter sind verdeckt, als der Prozess im Landgericht beginnt. Erst als die Kameras verschwinden, fallen Aktenmappen und Ordner. Ein Ausdruck von Reue ist bei den fünf Angeklagten jedoch kaum auszumachen.

Erste Zeugen sagen im Prozess aus

Auf einer großen Leinwand werden im Gerichtssaal Fotos als Beweismaterial gezeigt. Auch die ersten Zeugen sagen im Missbrauchsfall aus.

Ein erstes Geständnis

Erstes Geständnis im Missbrauchsfall: Als erster der fünf Angeklagten äußert sich Anfang Dezember Enrico L. aus Schorfheide zu den Vorwürfen.

Polizeibeamter berichtet von den Ermittlungen

Im Mai 2020 sind die Ermittler auf der Suche nach dem Jungen, den Adrian V. und andere Männer schwer sexuell missbraucht haben sollen. Die Mutter des Jungen und Lebensgefährtin des Hauptangeklagten sei bei der Suche jedoch  keine Hilfe gewesen.

Marco S. äußert sich zu den Vorwürfen

Als zweiter Angeklagteräußert sich auch Marco S. zu den Vorwürfen gegen seine Person. Der Mann aus Hannover räumt ein, an einer Vergewaltigung in der Gartenlaube in Kinderhaus beteiligt gewesen zu sein. 

Enrico L. sagt vor Gericht aus

In einem Prozess sind sie selbst die Angeklagten, in einem anderen sollen sie als Zeugen aussagen: Von den fünf Angeklagten äußert sich jedoch nur Enrico L. als Zeuge in einem parallel laufenden Prozess gegen einen 30-Jährigen aus Hannover.

Die Öffentlichkeit wird immer wieder ausgeschlossen

Immer wieder finden die Verhandlungen im Missbrauchsprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - auch, als sich Adrian V. zu seiner Person äußert.

IT-Experten zum Smartphone von Adrian V.

Im Prozess zum Missbrauchsfall Münster spielen Datenträger eine entscheidende Rolle. Mehrere Terabyte an Daten müssen entschlüsselt werden, gefunden unter anderem auf den Smartphones des heute 28-Jährigen.

Was wusste die Mutter von Adrian V.?

Carina V., die Mutter des Hauptangeklagten, hat ihrem Sohn die Gartenlaube in Münster-Kinderhaus überlassen - und das womöglich in dem Wissen, dass dort Kinder missbraucht werden.

Die Rolle der Lebensgefährtin des Hauptangeklagten

Ein heute zehnjähriger Junge wurde von zahlreichen Männern wiederholt schwer sexuell missbraucht. Es handelt sich um den Ziehsohn von Adrian V. - doch was wusste die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten und leibliche Mutter des Jungen von den Taten?

So lief die Festnahme von Adrian V.

Der mittlerweile 28-Jährige gilt als Drahtzieher im Missbrauchsfall Münster. Im Mai 2020 wurde er in Münster festgenommen. Wie genau es dazu kam, hat ein Polizeibeamter im April vor Gericht geschildert.

Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung

Geht es nach der Staatsanwaltschaft, sollen die Angeklagten im Missbrauchsprozess hohe Haftstrafen erhalten - und auch danach nicht wieder auf freien Fuß kommen. Von einer Sicherungsverwahrung sieht die Verteidigung jedoch ab.

Das Ende des Prozesses naht

Mehr als 50 Verhandlungstage mit Zeugenaussagen, Beweisaufnahmen und Aussagen der Angeklagten sind vergangen. Das Ende des Mammutprozesses steht bevor.

Das Urteil wird am 6. Juli öffentlich  gesprochen

Nach fast acht Monaten soll der Prozess gegen die fünf Angeklagten enden. Das Landgericht Münster gibt schon vorab bekannt, dass die Urteilsverkündgung - anders als weite Teile der Verhandlung - öffentlich stattfinden soll.

Lange Haftstrafen und Sicherungsverwahrung

Gegen 9.30 Uhr wurde am Dienstag (6. Juli) das Urteil im Hauptprozess im Missbrauchsfall Münster gesprochen. Gegen Adrian V. und die drei anderen Männer wurden lange Haftstrafen verhängt. Auch die Mutter des Hauptangeklagten muss ins Gefängnis.

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