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Sharon Fehr ist begeisterter Motorsportler

Mit 128 PS in den Ruhestand

Münster

Sharon Fehr ist in dieser Woche 65 geworden. Der soeben wiedergewählte Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde denkt aber noch längst nicht daran, mit dem Motorsport aufzuhören.

wn

Sharon Fehr in der Synagoge an der Klosterstraße: Seit 1994 steht der 65-Jährige an der Spitze der Jüdischen Gemeinde. Foto: kal

Der Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Münster, Sharon Fehr, ist in dieser Woche nicht nur für weitere vier Jahre wiedergewählt worden. Er hat am Mittwoch auch seinen 65. Geburtstag gefeiert. Mit dem gebürtigen Augsburger sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Fehr, im September gehen Sie als Bewährungshelfer in den Ruhestand. Was werden Sie dann mit Ihrer Freizeit anfangen?

Fehr: Meine vielfältigen Interessen dürften dafür sorgen, dass es keinen Ruhestand geben wird. Zum einen werde ich mich mit großer Freude meinen ehrenamtlichen Aufgaben als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde widmen, die so stark gewachsen ist, dass das zuletzt fast zu einem Vollzeitjob wurde. Und ich werde mich meiner zweiten großen Leidenschaft widmen, dem Motorradsport. In der Zeit, die übrig bleibt, mache ich spontan andere schöne Sachen: lesen, reisen, Theater.

Seit wann sind Sie Motorsportler?

Fehr: Ich bin spät dazu gekommen, mit 53. Wenn ich gewusst hätte, wie sehr mich das begeistert, dann hätte ich früher angefangen.

Mit welchen Maschinen sind Sie unterwegs?

Fehr: Ich habe eine Yamaha R6 mit 128 PS für die Rennstrecke und eine weitere R6 mit 123 PS für die Straße. Bis vor Kurzem bin ich noch bei der Deutschen Seriensportmeisterschaft mitgefahren, aber jetzt fahre ich nur noch Renntrainings – allerdings unter denselben Bedingungen. Aber ich muss nun nicht mehr auf der letzten Rille fahren.

Solche Motorradrennen sind ja nicht gerade ungefährlich.

Fehr: Ich habe fast jedes Jahr einen schweren Unfall gehabt, mich aber immer wieder berappelt. Meine Kumpel sagen, dass das daran liegt, dass ich so durchtrainiert und diszipliniert bin.

Erinnern Sie sich an Ihre Höchstgeschwindigkeit?

Fehr: Auf der Autobahn bin ich einmal 275 Stundenkilometer gefahren, fühlte mich dabei allerdings sehr unwohl. Wenn etwas geschieht, hat man das Motorrad nicht mehr unter Kontrolle. Bei Rennen begeistert es mich, in Schräglage schnell in Kurven zu fahren und noch schneller wieder rauszukommen. Das ist wie Chanukka (Anm. d. Red.: ein jüdisches Fest).

Sie stehen seit 20 Jahren an der Spitze der Jüdischen Gemeinde, die in der Zwischenzeit auf 800 Mitglieder angewachsen ist.

Fehr: Das hatte ich eigentlich nie vor. Ich sah mich immer als betender Jude. Doch durch meine Verwaltungstätigkeit und meine Leidenschaft für Menschen bin ich dann in diese Position hinein gerutscht.

Was waren für Sie die Höhepunkte in dieser Zeit?

Fehr: Der Neubau des Gemeindezentrums – und dass es unter meiner Führung gelungen ist, den inneren Frieden in der Gemeinde zu bewahren.

Vor welchen Herausforderungen steht die Gemeinde?

Fehr: Kurzfristig wird die Gemeinde möglicherweise noch einmal wachsen, falls Juden aus der Ukraine nach Deutschland kommen. Daneben gilt es, das Erreichte zu verfeinern, Kultur-, Sport- und Jugendangebote weiter zu entwickeln. Und dann muss auch noch die Mikwe, unser Tauchbad, erneuert werden. Schließlich gilt es, den Generationswechsel vorzubereiten. Wir haben viele junge Leute mit großem Potenzial in unserer Gemeinde. Nach der vierjährigen Amtszeit möchte ich nämlich zwei Gänge zurückschalten.

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