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VCD-Diskussion zur Verkehrswende

Mit dem „Booster für Busse“ gegen die Blechlawinen

Münster

Münster soll bis 2030 klimaneutral sein. Dazu braucht es eine Verkehrswende. Wie Autofahrer zum Umstieg bewegt werden können, diskutierten Experten auf Einladung des Verkehrsclubs Deutschland.

Von Pjer Biederstädt

Die im Verkehrsversuch erprobte Busspur von Ludgerikreisel bis zum Landeshaus könnte ein Baustein sein, um den Busverkehr in der Stadt zu beschleunigen. Foto: Oliver Werner

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Gronau-Epe nach Münster zum Coesfelder Kreuz fahren will, braucht bestenfalls 80 Minuten und muss zwei Mal umsteigen. Wer mit dem Auto fährt, benötigt ohne Stau etwa 40 Minuten.

Kein Wunder also, dass Autofahrer den – angesichts der angestrebten Klimaneutralität bis 2030 dringend nötigen – Umstieg auf Bus und Bahn scheuen. Wie sie in Zukunft überzeugt werden könnten, wurde am Samstag auf einem Fachpodium des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Region Münster, in Kooperation mit der Volkshochschule diskutiert.

Am Ende geht‘s ums Geld

Unter den fünf Referenten Frank Gäfgen (Stadtwerke-Chef), Michael Milde (Mobilitätsplaner Stadt Münster), Markus Rühmke (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe), Gregor Speer (Zweckverband Mobilität Münsterland) und Verkehrsplaner Reinhard Schulte waren die Ziele unstrittig: Die derzeit 300 000 Pkw-Fahrten am Tag in Münster – viele davon Pendler aus dem Umland – müssen reduziert werden. 80 zu 20 betrage derzeit das Verhältnis von motorisiertem Individualverkehr zu ÖPNV, Fußgänger- und Radverkehr in der Stadt-Umland-Mobilität Münsters. Ziel sei die Umkehr dieser Verhältnisse, erklärte Milde.

Miteinander verzahnte Verkehrsmittel aus Bahn, Bus, On-Demand-Angeboten wie etwa „Loop“, Car-Sharing und Leihrädern zu attraktiven Preisen soll den Verzicht aufs Auto selbstverständlich machen. „Wir schalten aber abends nicht das Licht aus und morgens fahren alle Bus“, sagte Milde. Der Transformationsprozess erfordere Absprachen unter den vielen Akteuren und brauche Zeit.

Entlastung von der Schiene braucht Zeit

Apropos Zeit: Bis die wichtigen Eckpfeiler WLE-Strecke (ab 2025) und die Münsterland-S-Bahn (ab 2035) wirklich für Entlastung der Pendler-Ströme sorgen können, soll ein „Booster für den Busverkehr“ – so der Titel der Veranstaltung – das Ziel näherbringen. Engere Taktung der Buslinien im Umland und freie Fahrt auf Busspuren im Oberzentrum Münster sollen den Busverkehr schneller und verlässlicher machen, so Speer.

Mehr Busse und Bahnen, die öfter fahren, kosten viel Geld. Die aktuelle Zwei-Säulen-Finanzierung von Staat und Kunden müsse eine dritte Säule erhalten, nämlich die Autofahrer. Nur durch eine City-Maut sei besserer ÖPNV finanzierbar, erläuterte Schulte.

Ob das an Überzeugungskraft reicht? Thomas Lins, VCD-Vorsitzender, mahnte zudem neue Wege der Kommunikation an. Man müsse den Menschen nahebringen, dass ihnen durch die Verkehrswende nicht das Auto weggenommen, sondern Lebensqualität gegeben werde.

Thomas Lins, Vorsitzender VCD Münsterland Foto: Pjer Biederstädt
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