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Corona-Lockerungen

Mit Schnelltestzentren und Luca-App zur Modellregion

Münster

Schnelltestzentren in der Innenstadt und die Luca-App: Münster möchte eine der Modellregionen in NRW werden, die Öffnungen coronabedingter Einschränkungen erprobt. Im Gespräch fordert Oberbürgermeister Markus Lewe Perspektiven.

Dirk Anger

Oberbürgermeister Markus Lewe checkt bei Einzelhändler Andreas Weitkamp per Luca-App ein. Foto: Oliver Werner

Am Mittwochvormittag hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Landtag in Düsseldorf Modellprojekte angekündigt, um Lockerungen in der Corona-Krise zu erproben.  Wenig später ging dafür eine offizielle Bewerbung aus Münster in der Staatskanzlei ein. Darin bekundete Oberbürgermeister Markus Lewe das Interesse, zu den Modellregionen gehören zu wollen, die nach Ostern neue Wege in NRW beschreiten sollen.

Kern des vorgeschlagenen Projekts aus Münster: Der praktische Nachweis von Infektionsfreiheit soll mithilfe von Schnelltestzentren zunächst in der Innenstadt erbracht werden. „Denn dann könnten wir Kultur, Einzelhandel und Gastronomie wieder öffnen“, erklärte Lewe unter Verweis auf damit zeitgleich einhergehende Hygieneregeln und Personenzahl-Begrenzungen.

"Lernen, mit dem Virus zu leben"

Weitere Voraussetzung für die Öffnung sei eine digitalen Kontakterfassung. Letztere soll in Münster über die Luca-App geschehen, die den Datenaustausch zwischen Gesundheitsamt und Geschäften sicherstellt. Für Lewe ist klar: „Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben. Auch für mögliche zukünftige Pandemien.“

In der Bewerbung verweist Lewe auf seinen engen Austausch mit den Spitzen von Tübingen und Rostock, die schon innovative Konzepte erprobten. Die Oberbürgermeister der drei Städte hatten bereits Anfang März an Bund und Länder appelliert, den Kommunen mehr Spielraum bei der Pandemiebekämpfung zu geben. Schließlich habe man das Know-how vor Ort, so Lewe. „Es ist dringend erforderlich, dass wir Perspektiven haben, die vom Lockdown-Rhythmus wegführen.“

Lewe fordert Perspektiven

Das Modell, das Münster vorschwebt und das von Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer in dieser Woche vorgestellt wurde, orientiert sich am Tübinger Vorbild. Beim dortigen Landesmodellversuch „Öffnen mit Sicherheit“ werden an Corona-Teststationen nach einem negativen Ergebnis Tagestickets ausgestellt, die den Zutritt zu Geschäften und Einrichtungen ermöglichen.

Wie tief der Frust nach den  Beschlüssen von Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin sitzt, hat Lewe nach eigenem Bekunden tags darauf in dem von ihm geführten Krisenstab Wirtschaft erlebt: „Die Stimmung war so schlecht wie nie.“ Das Schlimmste sei die Perspektivlosigkeit.

Oberbürgermeister Markus Lewe

Lewe sieht angesichts der  Krise und der Reaktion aus der Politik noch ein  anderes Problem: „Durch die fehlende Perspektive droht das Vertrauen in das Krisenmanagement verloren zu gehen.“ Der Staat verliere an Ansehen in der Bevölkerung. Die gesamte Bürokratie sei nicht auf Krise eingestellt. Und „intelligente Lösungen“ seien in den jüngsten Corona-Beschlüssen mit keiner Silbe erwähnt worden, beklagt der Vizepräsident des Deutschen Städtetags. Er begrüßte zugleich den Rückzieher der Kanzlerin bei den Ruhetagen – „aber Schutzmaßnahmen müssen bleiben“.

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