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Ein Jahr Corona: Klanginstallation in der Überwasserkirche

Mozart kennt keine Distanz

Münster

Es ist zwar kein Livekonzert, aber ein bewegendes Klangerlebnis: In der Überwasserkirche erklang zum Jahrestag des ersten Corona-Lockdowns das Mozart-Requiem d-Moll – jede Stimme einzeln aus aus 64 Lautsprecherboxen. Am Samstag kann die Klanginstallation wieder besucht werden.

Karin Völker

In der Überwasserkirche verbindet sich die Musik aus 64 Lautsprechern zu einem mächtigen Klanggemälde. Foto: Matthias Ahlke

Jahrestag des Lockdowns am 16. März: Ein Jahr ohne große Live-Konzerte, auch nicht in Kirchen. Da ist das Mozart-Requiem ein sehr passender Soundtrack. Gespielt und gesungen von insgesamt 120 ambitionierten Sängern und Instrumentalisten, die sonst in dieser Besetzung nie zusammen musizieren.

In der Überwasserkirche standen am Dienstag zum Lockdown-Jahrestag 64 Lautsprecher auf entsprechend vielen Pappkartons, aus den Boxen tönen die einzelnen Stimmen und Instrumente. „Klanginstallation“, wie Marion Wood, Leiterin des Konzertchores Münster, das Werk nennt, beschreibt nur unzureichend, was die Musik bei den Besuchern, die die Kirche nach Voranmeldung betreten dürfen, auslöst. „Mozart – the Sound of Distant Presence“ bringt nach einem Jahr Musik- und Kunstfasten in den Herzen der Zuhörer sichtbar mehr in Bewegung, als früher so manches Livekonzert.

Chor aus Frankreich und Streicher aus Korea

Mit Unterstützung des Kulturbüros und des International Office der Universität fand Marion Wood für ihr Projekt begeisterte Mitmacher. Es meldeten sich nicht nur Musikerinnen und Musiker der hiesigen Musikhochschule, sondern nach Aufruf Interessenten aus vielen Ecken der Welt. So singt ein ganzer Chor aus Frankreich mit, Streicher aus Korea spielen, auch ein neun Jahre alter Junge aus Orléans. Jede und jeder Einzelne nahm die eigne Stimme mithilfe eines durch ein auf dem PC geladenes Programm auf. Jerome Rose arrangierte die Einspielungen auf 64 Tonspuren.

Marion Wood (l.) und Aline Klieber, die Initiatorinnen der Klanginstallation Foto: Matthias Ahlke

Das Resultat ist ein einmaliges Klangerlebnis, denn nie, weder beim Konzert noch bei einer Stereoaufnahme, ist es möglich, mit dem Ohr ganz nah an einzelne Stimmen heranzurücken. In der Apsis spielt ein Kontra­bass, „der beste Platz für dieses Instrument“, sagt Marion Wood, die die Stimmen im Kirchenraum der Überwasserkirche platziert hat. Etwas weiter tönt die Posaune vom Pappkarton – „klingt großartig“, sagt Aline Klieber, die selbst mitgesungen hat. Die Klanginstallation kann noch am Samstag (20. März) gebucht und besucht werden. Auch für Freitag (19. März) kann die Klanginstallation zwischen 18 und 22 Uhr besucht werden, ebenfalls nach Voranmeldung. Es werde zudem überlegt, die Installation auch in anderen Kirchen aufzubauen, wenn die Corona-Lage es erlaube.

UpdateDie Klanginstallation läuft auch zusätzlich am Montag (22. 3.) von 8 bis 19 Uhr und am Dienstag (23.3.) von 10 bis 15 Uhr.

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