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Sperrung

Kran-Besetzung: Gesprächsangebote bislang ohne Ergebnis

Münster

Seit mehr als zwei Wochen besetzt der in Münster stadtbekannte Müllsammler einen Kran an der Hermannstraße. Gesprächsangebote blieben bislang ergebnislos. Damit ist weiter offen, wann die Besetzung endet.

Von Dirk Anger, Helmut P. Etzkorn, Anna Spliethoff, Karin Völker, Pjer Biederstädt und Simon Beckmann

Ein Sicherheitsdienst bewacht den Kran an der Hermannstraße. Der in Münster stadtbekannte Müllsammler besetzt den Kran seit mehr als zwei Wochen. Foto: Matthias Ahlke

Der Kran an der Hermannstraße ist auch am Donnerstag weiterhin besetzt. Das hat ein Sprecher der Stadt am Vormittag bestätigt. Der in Münster stadtbekannte Müllsammler sitzt seit mehr als zwei Wochen auf dem Baukran im Südviertel.

Am 25. Juli hatte der Mann den Kran besetzt, vermutlich aus Protest gegen das Entfernen des von ihm gesammelten Mülls. Am Montag (8. August) hatte der 58-jährige Besetzer angekündigt, noch eine weitere Woche auf dem Kran bleiben zu wollen

Ende der Kran-Besetzung ist noch offen

Der 58-jährige Kran-Besetzer ist nach Angaben des Stadt-Sprechers regelmäßig auf dem Kran unterwegs – und bewegt sich dabei auch immer mal in Richtung Boden. Sobald sich der Sicherheitsdienst nähert, klettere der Mann allerdings jedes Mal zügig wieder den Kran hinauf, wie der Sprecher sagt. In den vergangenen Tagen habe es zudem Gesprächsangebote gegeben, einige wurden nach Angaben der Stadt zunächst von dem Mann akzeptiert oder gefordert, dann aber wieder schnell ergebnislos abgebrochen.

Unklar ist, wie sich der Mann oben auf dem Kran mit Nahrung und Wasser versorgt. Das Gerücht, er werde von der Stadt versorgt, dementierte ein Sprecher. Es habe keinerlei Versorgung gegeben. Als es vor einigen Tagen regnete, soll der Kran-Kletterer Regenwasser aufgefangen haben, wie Augenzeugen berichteten.

Kurzer Abstieg am Freitag

Am Freitagvormittag (5. August) hatte sich kurz angedeutet, dass die Kranbesetzung endet. Der Mann hat sich nach Angaben von Augenzeugen sowie von Ordnungskräften vor Ort am Vormittag aus luftiger Höhe hinab in Richtung Erdboden bewegt. Ganz verlassen hat der 58-Jährige den Kran nicht. Nach wenigen Minuten machte er sich lautstark schimpfend wieder auf den Weg nach oben. 

Auch die Polizei war am Freitagvormittag wieder an der Hermanstraße im Einsatz. Foto: Oliver Werner

Auch die Polizei war am Freitagmittag kurz vor Ort. Doch selbst wenn der Müllsammler den Kran verlässt, festgenommen wird er nicht. Das hat die Polizei bereits zu Beginn der Aktion bestätigt. Der Mann wird sich jedoch wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verantworten müssen.

Medizinische Hilfe auch auf dem Baukran

Ordnungskräfte der Stadt und ein Sicherheitsdienst beobachten den Mann seit Tagen – und sind angesichts der Dauer der Besetzung in der Hitze sensibilisiert zu reagieren, wenn der Mann auf dem Kran einen Schwächeanfall erleiden sollte. „Wir würden handeln, wie in jedem anderen Notfall auch“, heißt es bei der Stadt.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr der Stadt Münster seien allesamt hinreichend ausgebildet, eine Versorgung in großen Höhen vorzunehmen. „Sollte der Mann ohnmächtig werden, würden unsere Einsatzkräfte den Kran erklimmen und dort eine individualmedizinische Versorgung leisten, auch eine entsprechende Sicherung vornehmen können“, heißt es weiter.

Eine Rettung vom Ausleger zum Boden sei den hiesigen Kräften allein aber nicht möglich. Dafür stünden etwa in Dortmund speziell ausgebildete und erprobte Experten bereit, die in solch einem Fall informiert würden, heißt es.

Vom Kran aus macht sich der Mann ab und an lautstark bemerkbar: Er fordert, mit Vertretern der Stadtverwaltung zu sprechen und protestiert dagegen, dass ihm seine Wertgegenstände zum Kran gebracht werden sollten. Er meint damit offenbar seine gesammelten Abfälle, die am Montag von Reinigungskräften am Bispinghof entsorgt worden waren.

Ordnungsamt ist zuständig

Nachdem am Montagabend (25. Juli)  zunächst die Polizei angerückt war, hatte das städtische Ordnungsamt am Dienstagnachmittag  (26. Juli) die Überwachung an der Hermannstraße übernommen.

Bei der vorangegangenen, siebentägigen Kranbesetzung des Kinderhausers im Frühjahr war die Polizei hingegen bis zum Ende vor Ort. Warum diesmal nicht? Damals, so erklärt eine Polizeisprecherin, sei von einer strafrechtlichen Relevanz ausgegangen worden, weshalb der Mann danach vorläufig festgenommen wurde. Die Staatsanwaltschaft sah damals jedoch keinen Grund dafür, einen Haftbefehl zu beantragen. Mit diesem Wissen sei die Lage nun als Gefahrenstelle bewertet worden – und dafür sei das Ordnungsamt zuständig, so die Polizeisprecherin.

Privater Sicherheitsdienst nachts im Einsatz

Während die Mitarbeitenden des Ordnungsamtes das Geschehen tagsüber beobachten, ist nachts ein privater Sicherheitsdienst im Einsatz, teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit. Mittlerweile erwägt zudem die betroffene Baufirma, deren Baustelle nun ein zweites Mal still steht, rechtliche Schritte gegen den Kranbesetzer einzuleiten.

Von dem Müllsammler war am Montagabend (25. Juli) nur ein lautes Schimpfen auf Verwaltung der Stadtwerke zu vernehmen, berichteten Augenzeugen. Der Mann ­ärgere sich über das Weg­räumen seines Mülls. Zudem forderte der Kinderhauser lauthals ein Gespräch mit Oberbürgermeister Markus Lewe ein. Auf Gesprächsangebote mit den Polizeibeamten vor Ort habe sich der Mann an dem Abend jedoch nicht einlassen wollen, wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte.

Müllsammler erstattete zuvor Anzeige bei der Polizei

Kurz bevor der Mann den Baukran bestieg, hatte er bei der Polizei Anzeige wegen „Diebstahls“ seiner am Bispinghof deponierten Müllsäcke erstattet. Zudem scheint der Kinderhauser dieses Mal länger auf dem Kran ausharren zu wollen.

Kranbesetzung sorgte für Verkehrsbeeinträchtigungen

Verkehrstechnisch kam es nach Angaben eines Polizeisprechers im Feierabendverkehr am Montag zu größeren Beeinträchtigungen, denn der Ableger des Baukrans ragt etwas über die Hammer Straße hinaus. „Das ist leider ungünstiger als letztes Mal“, sagte ein Feuerwehrsprecher. In der Folge musste die Polizei die Hammer Straße in diesem Bereich für einige Stunden sperren.

Am späten Montagabend war die Hammer Straße jedoch wieder freigegeben worden und die Verkehrslage entspannte sich. Die Polizei sperrte jedoch weiterhin einen Abschnitt der Hermannstraße. Anwohner können aber ungehindert in ihre Häuser und diese wieder verlassen. Gesperrt ist jedoch auch wieder die Freifläche des Eckcafés, das an die Baustelle grenzt.

Mann besetzt Baukran bereits zum zweiten Mal

Bereits Anfang Mai war der Mann schon auf diesen Kran geklettert und harrte dort – zum Leidwesen von Polizei, Rettungsdienst, Anwohnern und Baufirma – tagelang aus. Nach dem Abstieg vom Kran hatte sich der Mann damals selbst in psychiatrische Behandlung begeben.

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