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Krieg und Krisen

Münsters Einzelhandel ist nicht im Krisenmodus

Münster

Corona und Ukraine-Krieg haben vieles infrage gestellt, auch im Einzelhandel. Im Gespräch mit unserer Redaktion lotet der Einzelhandelsexperte Guido Müller vom münsterischen Beratungsunternehmen SQM aus, wo Münster steht.

Der Einzelhandel in Münster steht aus Sicht eines Experten gut dar. Foto: Oliver Werner (Archivbild)

Die Zeiten der Expansion, der Neubauprojekte und der steigenden Mieten ist vorbei – aber speziell der Einzelhandelsstandort Münster befindet sich aktuell nicht im Krisenmodus.

Diese These vertritt Guido Müller, geschäftsführender Gesellschafter des münsterischen Beratungsunternehmens SQM und ausgewiesener Experte für Handels- und Gewerbeimmobilien.

Einzelhandelsketten konzentrieren sich auf Bestand

Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er davon, dass große Einzelhandelsketten, die überregional ständig auf der Suche nach neuen Standorten seien, diese Suche aktuell unterbrochen hätten, um sich auf den Bestand zu konzentrieren.

Zugleich gebe es vielerorts intensive Verhandlungen mit dem Ziel, die Miete zu senken, um finanzielle Spielräume für die steigenden Energiekosten zu bekommen. „Teilweise beteiligen sich die Eigentümer an den Nebenkosten“, so Müller. Alle Beteiligten im Einzelhandel seien bestrebt, Mieter zu halten.

Debatte über Öffnungszeiten

Absehbar sei angesichts der hohen Preise für Heizung und Strom auch eine „genaue Analyse“ der Öffnungszeiten. In der münsterischen Innenstadt erwartet Müller aber keine grundlegenden Änderungen, zumal die Kernöffnungszeiten von 10 bis 19 Uhr im Städtevergleich „eher unterdurchschnittlich“ seien. Dass einzelne Unternehmen vorübergehend bereits um 18 Uhr schließen, hält er nicht für ausgeschlossen.

Münster steht nach Ansicht Guido Müller relativ gut da. Foto: kb

Ungewöhnlich ist laut Müller, dass es noch immer Einzelhandelsunternehmen gibt, die auf der Suche nach einem Ladenlokal in Münster sind, es aber noch nicht gefunden haben. Dies spreche für die Qualität des Einzelhandels in der Stadt.

Verkaufsfläche wird nicht mehr steigen

Gleichwohl geht er davon aus, dass die Verkaufsfläche nach jahrelanger Steigerung ein Level erreicht hat, das nicht mehr überschritten wird. Das hänge auch damit zusammen, dass nicht geklärt sei, wie es perspektivisch mit Galeria Karstadt Kaufhof weitergehe. Beide Geschäfte zusammen verfügen über eine große Verkaufsfläche.

Generell registriert der Handelsexperte einen Trend, den er mit dem Begriff „Heimattreue“ umschreibt und der als Reaktion auf die Unsicherheiten zu verstehen sei, die Corona und der Ukraine-Krieg ausgelöst hätten. Das Bedürfnis, Einkäufe in der Nähe des eigenen Wohnortes zu tätigen, sei gestiegen. Münster als eine auf die Region ausgerichtete Einkaufsstadt werde darunter aber kaum leiden, meint Müller, weil Münster für Münsterländer ein Teil dieser „Heimat“ sei.

Münster profitiert vom Trend zur Städtereise

Guido Müller glaubt sogar, dass Münster vom aktuellen Trend profitieren kann, weil – ebenfalls als Folge der Krisen – Fernreisen an Bedeutung verlieren und Städtereisen innerhalb Deutschlands an Bedeutung gewinnen. Solange Münster ein interessantes touristisches Ziel bleibe, werde auch der Einzelhandel davon profitieren.

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