Erholungssuchende schädigen Natur

Müll und aufgescheuchte Wildtiere am Gut Kinderhaus

Münster-Kinderhaus

In Coronazeiten erholen sich immer mehr Menschen in der Natur, gehen spazieren und streifen durch die Wälder. Die Kehrseite sind vermehrt Müll und aufgescheuchte Wildtiere. Besonders Mountainbiker und Hundehalten zeigen sich oft uneinsichtig.

Iris Sauer-Waltermann

Wald und Wiesen um Gut Kinderhaus sind ein beliebtes Naherholungsziel. Illegal in der Natur entsorgter Müll schädigt jedoch das Grundwasser. Foto: LWL

Sobald die Sonne herauskommt, zeigt sich im und am Wald rund um Gut Kinderhaus ein fröhliches Bild: Junge Paare, ältere Fußgänger, Familien mit Kindern sind zu Fuß und mit Rädern unterwegs. Jogger, Reiter und Mountainbiker teilen sich Feld- und Waldwege. Seitdem in Corona-Zeiten Fitnessstudios und Sportgruppen geschlossen und Urlaube kaum möglich sind, „boomt“ das Freizeitvergnügen um die Ecke.

Aber die neue Lust an der Natur hat auch eine Kehrseite: Müll wird achtlos entsorgt, Wildtiere aufgescheucht. Nun appelliert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer vieler Waldgebiete an die Erholungssuchenden, sich rücksichtsvoll zu verhalten. Und auch von anderer Seite kommt die Bitte zu mehr Rücksichtnahme. „Vor allem sollte man Hunde nicht einfach frei durch die Felder laufen zu lassen“, sagt Andreas Beyerlin, Fachleiter auf Gut Kinderhaus.

"Wildes Campen und Grillen"

„In der letzten Zeit haben wildes Campen und Grillen stark zugenommen“, erklärt Matthias Gundler, Leiter des zuständigen LWL-Bau- und Liegenschaftsbetriebs (LWL-BLB). Ihren Verpackungsmüll ließen viele Menschen einfach liegen. „Abgesehen von der Umweltverschmutzung ist das Grillen in unmittelbarer Waldnähe verboten, denn nachlässig gelöschte Feuer können verheerende Folgen haben“, so Gundler.

Auch illegal in der Natur abgeladener Müll werde zunehmend zum Problem. Achtlos entsorgter Bauschutt etwa enthalte Schadstoffe, die das Grundwasser schädigten, teilt der LWL mit.

Andreas Beyerlin ist Fachleiter für Obst und Vermarktung auf Gut Kinderhaus, wo Menschen mit Behinderung leben und arbeiten. Rund um den Hof werden Getreide, Obst und Gemüse angebaut. Beyerlin ärgert sich oft über Hundekot auf den Wiesen und Feldern. Foto: isa

Ein weiteres Ärgernis: Viele Menschen verlassen die Wege und laufen oder fahren querfeldein durch den Wald. Dabei zerstören sie unter anderem viele der um Gut Kinderhaus gepflanzten Bäumchen. Diese waren gesetzt worden, da einige Flächen dem Sturm Friederike zum Opfer gefallen waren. Gerade Mountainbiker scheuchten auch häufig Wildtiere in ihren Ruhezonen auf, beklagt der LWL.

Uneinsichtig zeigten sich auch viele Hundebesitzer und -besitzerinnen: Frei im Wald herumlaufende Hunde scheuchten immer wieder Wildtiere auf. Aufgeschreckte Brutvögel würden ihr Nest verlassen, die Jungen würden auskühlen – häufig mit tödlichen Folgen. Auch Junghasen und Rehkitze würden aufgescheucht und gerieten in Todesangst. Gerade im Frühling sei die Setzzeit für viele Tierarten, so der LWL.

Andreas Beyerlin

Andere Wildtiere laufen in ihrer Panik auf Straßen, werden überfahren und können Unfälle verursachen. So hat Andreas Beyerlin von Gut Kinderhaus beobachtet, wie ein frei laufender Münsterländer drei Rehe über ein Feld jagte. „Der Hundehalter hat gerufen und gepfiffen – alles umsonst“, berichtet er. Der Jagdtrieb war stärker, die Rehe wurden bis in einen Zaun hineingetrieben.

Menschen reagieren aggressiv

Würde man Menschen auf ihr Fehlverhalten hinweisen, bliebe dies oft folgenlos. „Immer mehr Leute reagieren sogar aggressiv“, erklärt eine LWL-Sprecherin. Man könne verstehen, dass die vielen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie die Menschen mürbe machten und sie inzwischen allergisch auf Verbote reagierten. Aber dies dürfe nicht auf Kosten der Natur gehen.

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