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Anti-Plastik-Kampagne

Münster soll frei von Plastiktüten werden

Münster

71 Plastiktüten verbraucht jeder Deutsche im Jahr. In Münster sollen es künftig viel weniger sein - zumindest wenn eine entsprechende Greenpeace-Kampagne Erfolg hat.

Dirk Anger

In Münster soll es solch ein Bild bald nicht mehr geben, seit Kurzem läuft die Kampagne „Münster plastiktütenfrei!“. Foto: dpa

Sie wiegt nur ein paar Gramm und ist fast überall als schnelle Hilfe zur Hand: Die Plastiktüte scheint beim Einkauf immer noch ein kaum verzichtbares Utensil zu sein. Mit fatalen Folgen für die Umwelt, wie nicht allein Greenpeace Münster betont. Denn häufig landet die Tüte schon nach einmaligen Gebrauch auf dem Müll.

Interview

Münsters Greenpeace-Pressesprecher Lukas Reinhardt über die Nachteile der Plastiktüten: "Nur die Spitze des Eisbergs"

Die Aktivisten der Umweltschutzorganisation vor Ort haben deshalb in den vergangenen Tagen ihre monatelang vorbereitete Kampagne „Münster plastiktütenfrei!“ auf die Straße gebracht – um Verbraucher auf Rucksack, Korb oder Stoffbeutel zu verweisen und Geschäftsleute zum Tütenverzicht zu ermuntern.

„Wir haben schon 50 Geschäfte angesprochen“, berichtet der münsterische Greenpeace-Pressesprecher, Lukas Reinhardt. Die Reaktionen seien durchweg positiv, schildert der 19-Jährige, der sich wie seine Mitstreiter in der münsterischen Greenpeace-Gruppe ehrenamtlich engagiert, seine Erfahrungen.

„Die meisten Leute brauchen einen Schubs"

Greenpeace-Gruppe Münster

Greenpeace ist eine internationale Umweltorganisation, die immer wieder mit spektakulären Aktionen Aufmerksamkeit für ihre Ziele schafft – bisweilen sind die Aktionen wegen ihrer Art aber umstritten. Die 1971 gegründete Organisation ist eigenen Angaben zufolge heute in mehr als 40 Ländern vertreten. Der münsterischen Gruppe gehören rund 30 Mitglieder an, wie deren Pressesprecher Lukas Reinhardt sagt. Die Greenpeace-Gruppe trifft sich montags um 20 Uhr im Umwelthaus, Zumsandestraße. Es gebe auch eine Jugendgruppe und ein Team 50 plus.

„Die Leute sind hellhörig geworden und bereit, sich mit Alternativen auseinanderzusetzen.“ Der Wille, etwas zu ändern, sei da, meint der Student der Volkswirtschaft, der noch gar nicht auf der Welt war, als der Slogan „Jute statt Plastik“ in den Achtziger-Jahren eine Generation mitprägte.

Lukas Reinhardt, Greenpeace

Für ihren Kampf gegen Plastiktüten hat die nach eigenen Angaben rund 30-köpfige münsterische Greenpeace-Gruppe die Unterstützung von acht weiteren Umweltgruppen und Verbänden aus Münster. Das freut Aktivisten wie Lukas Reinhardt – auch wenn die Zusage des ersten Geschäftsinhabers, künftig keine Plastiktüten mehr auszugeben, noch aussteht.

Die Engagierten haben allerdings eine Kampagne „mit langfristigem Horizont“ geplant. „Die meisten Leute brauchen einen Schubs – und das wollen wir sein“, sieht sich Reinhardt mit seinen Mitstreitern als Anstoßgeber. „Die Zeit ist reif dafür.“ Was ihn an den Erfolg der Aktion glauben lässt: „Die Plastiktüten-Problematik ist relativ einfach in den Griff zu bekommen, denn es gibt keine großen Interessenkonflikte“, meint Reinhardt und stellt fest: „Die Alternativen sind da.“

Was im nicht weit entfernten Billerbeck möglich ist, soll auch in der Westfalenmetropole machbar sein: „Wenn Münster von sich behauptet, Klimahauptstadt zu sein, wäre es schade, wenn wir in dieser Frage hinterhinken“, meint Reinhardt.

71 Plastiktüten  verbraucht jeder Deutsche im Jahr: Das liegt zwar deutlich unter dem Schnitt in der Europäischen Union, ist aber trotzdem viel zu viel, findet die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Foto: dpa

Auch Papiertüten keine Lösung

Zum Thema

In Münster setzen sich mehrere Initiativen für eine plastiktütenfreie Stadt ein. Geschäfte, die bei der Greenpeace-Aktion mitmachen wollen, oder Fragen dazu haben, können sich bei plastik@muenster.greenpeace.de melden.

Kommentar zum Thema: Bewusst „Nein“ sagen!

Dabei gilt der Plastiktüten-Bann aber nicht als Lösung aller Probleme, wie der Greenpeace-Pressesprecher verdeutlicht: „Durch den Umstieg von Plastik- auf Papiertüten können zwar einige ökologische Probleme vermieden werden.“ Allerdings brauche es relativ viel Energie, um Papiertüten herzustellen. Deshalb rät Greenpeace grundsätzlich, von Einwegtaschen Abstand zu nehmen.

Geschäfte, die sich plastiktütenfrei machen, bekommen von Greenpeace einen eigens für die Aktion entworfenen Aufkleber und Info-Material für ihre Kunden. In den nächsten Wochen – vor allem in der Vorweihnachtszeit – plant Greenpeace einige öffentlichkeitswirksame Aktionen, um Aufmerksamkeit für das Ziel eines plastiktütenfreien Münsters zu wecken.

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