Kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer

Münsteraner berichtet über Odyssee

Münster

Patrick Steller war mit seiner Familie in Südholland. Ein Nicht-Risikogebiet. Seit vergangenem Samstag sind auch Tests für Reiserückkehrer aus diesen Ländern kostenlos. Der 37 Jahre alte IT-Experte wollte einen kostenlosen Test für seine Familie ergattern und berichtet von erheblichen Anlaufproblemen. 

Stefan Biestmann

Die Kassenärztliche Vereinigung kritisiert, dass die Vorbereitungszeit auf kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer zu kurz war. Foto: dpa

Seit Samstag können sich auch alle Reiserückkehrer aus ausländischen Nicht-Risikogebieten kostenlos auf Corona testen lassen. Doch trotz der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums benötigte Patrick Steller aus Münster nach eigenen Angaben zehn Anrufe, um für seine Familie einen kostenlosen Test zu ergattern. „Das war eine Odyssee“, berichtet der 37 Jahre alte IT-Experte. „Ich hatte den Eindruck, dass das alles nicht gut vorbereitet war.“

Am Freitagnachmittag kam der Münsteraner gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Söhnen im Alter von zwei bis fünf Jahren aus dem Urlaub zurück. Eine Woche hatte die Familie in Südholland verbracht. In den Niederlanden ist das Maske-Tragen beim Einkaufen keine Pflicht. Aufgrund des Ansturms der Touristen konnte die Familie zudem im Urlaub auch nicht immer die empfohlenen Abstände einhalten. Also beschloss die Familie, sich nach der Rückkehr testen zu lassen. Doch als Pa­trick Steller am frühen Montagmorgen mit seinem Hausarzt sprach, wollte dieser keinen kostenlosen Test vornehmen. Der Grund: Ein offizielles Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zur Kostenübernahme und zur Abwicklung der Tests fehlte dem Mediziner noch.

Gesundheitsamt falscher Ansprechpartner

Steller fiel aus allen Wolken. Schließlich würde ein Corona-Test für seine Familie insgesamt 650 Euro kosten. Und kostenlos ist der Test laut Gesundheitsministerium nur dann, wenn er innerhalb von 72 Stunden nach der Rückreise erfolgt. Für Familie Steller waren da aber schon mehr als 60 Stunden vergangen. Steller versuchte es weiter, telefonierte mit dem Gesundheitsamt, dem NRW-Gesundheitsministerium, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst und seiner Krankenkasse – teilweise mehrmals.

Wie Steller riefen auch andere Reiserückkehrer in den Gesundheitsämtern an. So berichtet unter anderem der Kreis Borken von vermehrten Anfragen. Schließlich stand auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums am Montag noch, dass man sich auch an die Gesundheitsämter wenden könne. Dabei sei das Gesundheitsamt in diesem Fall der falsche Ansprechpartner, betont der Landkreistag Nordrhein-Westfalen. Auch das Landesgesundheitsministerium bittet jetzt Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten, sich für Tests nicht an das Gesundheitsamt, sondern an die niedergelassenen Ärzte zu wenden. Zugleich bedauert die Behörde, dass am Montagmorgen „an einigen Stellen noch kein reibungsloser Ablauf gewährleistet wurde“.

Ergebnisse sollen rechtzeitig vorliegen

Nach der Verordnung zu den kostenlosen Tests am Freitag, die bereits am Samstag in Kraft trat, seien viele Ärzte und Einreisende nicht mehr umfassend informiert worden. „Die Vorlaufzeit war für uns einfach zu kurz“, sagt auch KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo. „Das hat viele Ärzte unvorbereitet getroffen.“ Zwar sei rechtlich alles klar, aber es müssten noch letzte Fragen zur Abrechnung und Testdokumentation geklärt werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, betont Vanessa Pudlo. Sie bittet Reiserückkehrer um Geduld in der Anfangsphase.

Die Bezirksstelle Münster der KVWL gab am späten Montagvormittag den Ärzten eine Info zur Kostenübernahme der Tests. Es war die Nachricht, auf die auch Pa­trick Steller gewartet hat. So konnte seine Familie den kostenlosen Test doch noch rechtzeitig vornehmen. Spätestens am Donnerstag sollen die Ergebnisse vorliegen.

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