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Installation in der Dominikanerkirche

Münsterischer Theologe kritisiert Künstler Gerhard Richter

Münster

Der münsterische Theologe Prof. Dr. Klaus Müller kritisiert den Künstler Gerhard Richter in einer Erklärung scharf. Anlass sind dessen Aussagen auf einer Pressekonferenz, bei der sein Kunstwerk für die Dominikanerkirche vorgestellt wurde. Müller bewertet vor allem eine Aussage von Richter als „platt“. 

Martin Kalitschke

Werden vom münsterischen Theologen Prof. Dr. Klaus Müller kritisiert: OB Lewe (l.) und Künstler Gerhard Richter Foto: Matthias Ahlke

Gerhard Richter, der wohl bedeutendste lebende Künstler, schenkt Münster ein Kunstwerk: In der Dominikanerkirche soll ein Foucault‘sches Pendel aufgehängt werden. Viele sind begeistert, doch der münsterische Theologe Prof. Dr. Klaus Müller hat jetzt eine scharfe Erklärung veröffentlicht.

Nicht gegen das Kunstwerk an sich – sondern gegen einige Aussagen, die Richter und Oberbürgermeister Lewe in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz gemacht haben.

Richter hatte unter anderem gesagt, dass es ihn freue, dass sein Pendel in einer Kirche realisiert werde. Dies symbolisiere einen kleinen Sieg der Naturwissenschaft über die Kirche. „Platter geht es wohl kaum“, so Müller, der an der Katholisch-Theologischen Fakultät lehrt und als „Rector Ecclesiae“ fast 20 Jahre für die jetzt profanierte Dominikanerkirche verantwortlich war. Richter habe offenbar vergessen, wem das abendländische Denken seine Orientierung auf Forschung und Intellektualität verdanke.

Kritik übt Müller auch am OB. Lewe hatte gesagt, dass die Dominikanerkirche mit dem Pendel zu einem Ort werde, wo ungeklärte Fragen der Menschheit diskutiert und Menschen zur Besinnung finden könnten. „Aber was geschah dann an diesem Ort seit seiner ersten Weihe vor knapp 290 Jahren?“, fragt Müller. „Keine Besinnung, keine Auseinandersetzung mit den ungeklärten Fragen der Menschheit?“

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Als „Ironie der Geschichte“ bezeichnet es Müller, dass in Münster der weltweit größten Katholisch-Theologischen Fakultät mit der Profanierung „der Stuhl vor die Tür“ gesetzt wurde, während in Leipzig fast zeitgleich eine wiederaufgebaute evangelische Universitätskirche eingeweiht wurde. „Verkehrte Welt“, resümiert Müller.

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