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Erster Ausländerrats-Vorsitzender der Stadt

Münsters größter Grieche: Spyros Marinos ist gestorben

Münster

Er war ein Grieche. Mit all seinem Temperament. Spyros Marinos, der jahrzehntelang die Ausländerpolitik in Münster geprägt hat, hinterlässt eine tolerante Stadt.

Günter Benning

Spyros Marinos in seiner Wohnung fast gegenüber dem Schiller-Gymnasium, in der er jahrzehntelang mit seiner Frau und seinen Söhnen lebte. Foto: Günter Benning

Am Ende fehlte ihm die Luft. Spyros Marinos, dieser immer laute, emotionale, mitreißende Grieche, der vier Jahrzehnte lang für die Rechte von Migranten in Münster und NRW gekämpft hat, wurde am Freitag, den 13. Januar, von einer tückischen Lungenkrankheit besiegt.

Als Arzt wusste er um die Gefahr, aber auch in jüngster Zeit besuchte er noch Diskussionen und Feste, sein Atemgerät im Schlepp. „Ich lebe noch“, sagte er oft verschmitzt.

Was für ein Leben! Marinos, am 29. Juni 1939 geboren, kam aus Piräus in Griechenland. Seine Mutter war dagegen, als er nach Deutschland ging. Der Vater war im Krieg beim Kampf um Kreta gegen die Deutschen gefallen.

Marinos hat in Deutschland als Bergmann gearbeitet, am Stahlofen, später als Sozialbetreuer. Dann hat er in Münster Medizin studiert, seine Traumdisziplin. Und hier lernte er seine Frau Hildegard kennen, mit der er drei Söhne hatte. Einer von ihnen hat als Zahnarzt in Griechenland gearbeitet. Jetzt er wieder zurück, wegen der griechischen Misere.

Gründer des Ausländerbeirats

Als Oberarzt war Marinos im Evangelischen Krankenhaus tätig. Aber die Probleme der Migration und der Migranten bewegten den Griechen immer, der nie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat.

1985 gründete er Münsters ersten Ausländerbeirat (heute Integrationsrat). Jahrzehntelang war er dessen Vorsitzender. Zehn Jahre war er überdies Vorsitzender des NRW-Ausländerbeirats.

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Interview mit Spyros Marinos

Sein prägendstes Erlebnis war der fremdenfeindliche Brandanschlag in Solingen 1993. Fünf Menschen starben. Marinos war mit Innenminister Herbert Schnoor bei den Trauernden in der Moschee.

Engagement in der Flüchtlingshilfe

Griechenland ist die Wiege der Demokratie. Das hat Spyros Marinos geprägt. Für ihn war der Austausch der Religionen und Kulturen normal. Kleingeist und Nationalismus stießen ihn ab.

Dabei war er weit entfernt vom generellen Gutmenschentum, das in allem nur die positiven Seiten sieht. Marinos war kritisch, besonders gegen jene monokulturellen Ausprägungen mancher Ausländerbeiräte, wie er sie in Ruhrgebietsstädten ausmachte.

Münsters Ausländervertretung und die Wahlliste, der er jahrzehntelang sein Mandat verdankte, war eine Mischung vieler Nationen und Kulturen. Das Klima der Toleranz und der Neugier gegenüber Migranten, das sich auch im Engagement in der Flüchtlingshilfe äußert, ist auch seiner Arbeit zu verdanken.

Der Problemlöser

Neben seiner politischen Arbeit, half Marinos vielen Menschen auf informelle Weise. Sein Telefon klingelte ständig, Zuhause stapelten sich Berge von Briefen und Hilfeanfragen. Der kleine Dienstweg, den er mit dem Ausländeramt pflegte, hat viele Probleme gelöst, die in einer durchadministrierten Welt nicht vorgesehen sind. Zuletzt wollte er eine Stiftung für die medizinische Flüchtlingshilfe gründen.

Marinos wird im Kreis der Familie bestattet. Geplant ist in Kürze eine Trauerandacht für die Öffentlichkeit.

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