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Medi-Meisterschaften

Münstronauten im Anflug

Münster

Ganz schön aufwendig: Münsters Medizin-Studenten fahren am 7. Juni auf ein Festival. Doch dass das nicht irgendeine Party ist, zeigt die gigantische Vorbereitung. Da muss schon mal gebügelt werden, bis die Sicherung herausfliegt.

Pjer Biederstädt

Getreu dem Motto #nurLiebe: Zum Herz geformt ließ sich der Münsteraner Mediziner-Nachwuchs vor den Medi-Meisterschaften 2017 ablichten. Foto: Daniel Bemmerl

Bügelbretter im Flur, Bügelbretter im Wohnzimmer, Bügelbretter überall. Die Wohnung von Daniel Winzer erinnert zurzeit eher an eine Wäscherei als an eine Studenten-WG. Die Eisen stehen nicht still, hin und wieder fliegt sogar die Sicherung raus. Im Akkord bügelt der Medizin-Student mit einigen Kommilitonen bei 30 Grad ein Bügelbild nach dem anderen auf die Overalls. Schließlich müssen bis zu den Medi-Meisterschaften 650 Kostüme fertig sein.

Die Outfits sind nur ein Mosaikstein der Organisation für das Mediziner-Festival auf dem Flugplatz bei Magdeburg. Ab dem 7. Juni werden wieder über 20.000 Menschen, davon etwa 80 Prozent angehende Ärzte aus über 50 Unistädten, eine große Party feiern. Mit 700 Medizinstudenten stellt Münster eine der größeren Fraktionen auf dem Festival. Und die Identifikation mit der Sache ist riesig. Ein Indikator: Fast alle Teilnehmer aus Münster haben ein Space-Outfit vorbestellt.

Gut eine Woche vor dem Start der „Medis“ steht das Handy von Jan Rieß kaum mehr still. Bei dem Chef-Organisator der „Münstronauten“ - so ihr diesjähriges Space-Motto -  laufen die Fäden der einzelnen Ressorts zusammen. Finanzierung und Musik, Cheerleading und Bühnenbau, Fan-Fahrzeug und Outfit - das 60-köpfige Team rund um den 23-Jährigen ist in einzelne Aufgabenbereiche aufgeteilt.

Organisatoren unter sich: Jan Rieß (l.) und Daniel Winzer Foto: Pjer Biederstädt

„Zurzeit fährt ein Team beispielsweise jedes Wochenende nach Marburg. Mit denen haben wir in diesem Jahr erstmals eine Kooperation und bauen gemeinsam eine Bühne“, erzählt Jan Rieß. Als den Münsteranern 2006 die Musikanlage auf der Bühne verreckte, halfen die Marburger aus und nahmen die Münsteraner auf ihrer Bühne auf. Seitdem herrscht Freundschaft. Ganz im Sinne des Festival-Slogans #nurLiebe.

Per 40-Tonner nach Sachsen-Anhalt

Doch nur Liebe reicht nicht, um die 50-Quadratmeter-Bühne mit Space-Shuttle und Mars-Krater aufzubauen. Da braucht es auch Muskelkraft. Einige Tage vor dem Festival werden die Einzelteile mit einem 40-Tonner nach Sachsen-Anhalt gefahren, dort werden sie auf dem Zeltplatz zusammengeschraubt. Nicht der einzige Bereich, in dem die Medizin-Studenten immensen Aufwand betreiben.

Bestes Beispiel: das Musikvideo. Traditionell komponiert jede Uni vor dem Festival ein Lied und dreht ein Video dazu. Vor Ort wird dann der beste Clip prämiert. In Münsters Beitrag dreht sich alles ums Weltall. Da wird ein Coesfelder Steinbruch schon mal zur Mars-Landschaft und ein Hörsaal zum NASA-Hauptquartier. VHS-Filter drauf, fertig ist der Sixties-Look. „Wir haben uns stilistisch an der Berichterstattung zur Mondlandung 1969 orientiert“, erklärt Sänger, Texter und Kreativ-Kopf Daniel Winzer. Der 30-Jährige hat sich federführend um die Produktion gekümmert hat.

Kreativität ausleben

Und die wird von Jahr zu Jahr professioneller. Die Truppe, die den Drehort in Coesfeld inspiziert hat, habe sogar eine Sandprobe mitgebracht, um die Ähnlichkeit zur Beschaffenheit auf dem Mond überprüfen zu können, erzählt  Daniel Winzer. Dem Zufall hat die Film-Crew jedenfalls nichts überlassen. Diesmal wirkte sogar ein Fernseh-Fachmann mit, der Onkel einer Kommilitonin. Das Schöne sei, so Jan Rieß und Daniel Winzer, dass die Medizinstudenten in der Vorbereitung auch andere Fähigkeiten außer Büffeln am Schreibtisch ausleben könnten. Solche Softskills seien immer wichtiger für Mediziner, meint Jan Rieß.

„Ich hoffe, wir haben alles so gut vorbereitet, dass wir das Festival auch ein bisschen genießen können“, sagt Jan Rieß. Das Fußball-Team ist nach dem zweiten Platz im vergangenen Jahr heiß auf den Festival-Cup, das Musikvideo hat durchaus Titelambitionen - eigentlich ist alles angerichtet für eine rauschende Party. Nur Daniel Winzers Wohnung muss bis dahin noch jemand von den Bügelbrettern befreien. Sonst steht noch der WG-Frieden auf dem Spiel.

Was sind die Medis?

Die Medi-Meisterschaften, auch „Medis“ genannt, sind ein viertägiges Festival für Medizin-Studenten, das 2002 aus einem Fußballturnier zwischen verschiedenen Medizin-Fakultäten entstanden ist. 2017 kamen 22.000 Menschen auf den Flugplatz nach Obermehler, wo die „Medis“ in den vergangenen drei Jahren stattfanden. 2018 steigt das Mediziner-Festival erstmals auf dem Flughafen Cochstedt bei Mageburg. Das Motto der Veranstaltung ist jedes Jahr #nurLiebe und verweist auf den friedlichen, ökologisch nachhaltigen und vor allem kreativen Charakter. Die Medizin-Studenten aus dem ganzen Bundesgebiet sowie aus Ungarn, Österreich und der Schweiz schreiben jedes Jahr anlässlich der „Medis“ eigene Songs, drehen Videos und kostümieren sich zu verschiedenen Motti. Wesentlicher Bestandteil ist nach wie vor das Fußballturnier mit etwa 100 Teams. Veranstalter sind der Münsteraner Arzt Tobias Heising sowie sein Kollege Friedemann Egender.

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