Radio sendet Diskussion über verkaufsoffene Sonntage
„Nachkarten“ in der Kathedrale des Konsums
Münster
Sollen in Münster sonntags die Geschäfte geschlossen bleiben? Münsteraner konnten darüber am Donnerstagabend beim „Stadtgespräch“ von WDR 5, live diskutieren. Die Sendung wurde mitten aus einer „Kathedrale des Konsums“ ausgestrahlt – dem Lichthof der Münster-Arkaden.
Die Bürger Münsters hätten nun entschieden, war mehrfach zu hören, das sei zu akzeptieren. Konter: Man müsse die Attraktivität Münsters gegenüber Online-Shops und für Auswärtige heben.
Auf „150 Busse auf dem Schlossplatz“ an verkaufsoffenen Tagen wurde verwiesen. Nicht immer wurde klar, ob es speziell um Adventssonntage ging. Dann zog ein Geschäftsmann den Nutzen in Zweifel: Fast nichts hätten bisherige verkaufsoffene Sonntage seinem Laden gebracht.
Weniges blieb unbezweifelt im Wortgefecht zwischen Bernd Bajohr, Verdi-Geschäftsführer Münsterland, Martin Mustroph, evangelischer Pfarrer, und auf der anderen Seite Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen Westfalen-Münsterland. Das Wirtschaftsministerium des Landes NRW vertrat Abteilungsleiter Karl-Uwe Bütof.
Wie es weitergehen könne, darum ging es wenig in dieser Debatte – es wurde nachgekartet zur einstweiligen Anordnung: Etwa wurde gefragt, wie man denn so kurzfristig den Klageweg habe beschreiten können.
Die „Anlassbezogenheit“ für verkaufsoffene Sonntage sei nicht mal so eben abzuschaffen, verdeutlichten Bütof und die Radio-Moderatorin Judith Schulte-Loh – die stehe in einem Bundesgesetz, und das wiederum habe seine Begründung in Artikel 139 des Grundgesetzes. Wenige Stühle im Lichthof waren noch frei, es mangelte Publikums-Moderator Holger Beller nicht an Gesprächspartnern aus Bürgerschaft und Handel.
Mustroph stellt klar, es gehe ihm um ein „Menschenbild“; er wolle die gemeinsame Freizeit bewahren, für Familie, Freunde, Vereine. „Salamitaktik“ wird unterstellt, man könne nicht mehr sicher sein, wohin die Wirtschaft denn noch wolle, so ein Mann mittleren Alters. Die Allianz von Gewerkschaft und Kirche sei „seltsam“, moniert Peter Hemecker von den „Piraten“: „Die Kirche-Gewerkschaft-Allianz spricht, als ob es die Sieben-Tage-Woche für Verkäufer bedeuten würde.“ Es müsse ja keiner an so einem Tag arbeiten, heißt es dazu von anderer Seite.
