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Karl-Wagenfeld-Schule rollt Diskussion wieder auf

Neue Namenssuche nach den Ferien

Münster

Prof. Hermann Landois ist als neuer Namensgeber für die Karl-Wagenfeld-Realschule abgelehnt worden, nachdem der Vorwurf des Rassismus gegen den Gründer des münsterischen Zoos aufgetaucht war. Die Schule beginnt nach den Sommerferien erneut mit der Suche nach einem Namen.

wn

Sabine Leifhelm  Foto:

In der vergangenen Woche hatte die Schulkonferenz der Karl-Wagenfeld-Schule mehrheitlich entschieden, sich doch nicht nach dem Zoogründer und Naturforscher Hermann Landois zu nennen. Letzterer war wegen der von ihm im Zoo veranstalteten Völkerschauen in die Diskussion geraten. WN-Redakteurin Karin Völker sprach mit Schulleiterin Sabine Leifhelm darüber, wie es nun mit der Suche nach einem neuen Schul-Namen weitergeht.

Wird die Schule jetzt überhaupt noch nach einem neuen Namen suchen?

Leifhelm: Davon gehe ich fest aus. Dass wir den Namen Karl-Wagenfeld-Schule ablegen wollen, ist ja unstrittig. In diesem Schuljahr passiert natürlich nichts mehr in dieser Frage. Nach den Ferien wird eine neue Schulkonferenz zusammentreten und dann werden wir das Thema wieder angehen.

Schüler, Lehrer und Eltern, hatten in einem langen Diskussionsprozess verschiedene Namen vorgeschlagen, abgewogen und sich schließlich für Landois entschieden. Wird dieser Prozess jetzt noch einmal von vorne begonnen?

Leifhelm: Ich denke ja, denn über den Schulnamen kann und sollte ja nicht die Schulleitung von oben herab entscheiden. Ob jetzt wieder die Personen ins Spiel kommen, über die wir diskutiert haben, oder ganz andere Vorschläge kommen, vermag ich nicht zu sagen.

Welche Personen waren denn in der Auswahl?

Leifhelm: Da war etwa die jüdische Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin Erna de Vries, die unseren Schülern regelmäßig Rede und Antwort gestanden hat. Oder der Polarforscher Alfred Wegener, der gut zu unserem Profil als mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch orientierte Schule passte.

Gibt es nach der Debatte über Landois denn jetzt noch eine Neigung, die Schule überhaupt nach einer Person zu benennen?

Leifhelm: Im Augenblick kann ich mir das wirklich schwer vorstellen. Die Debatte hat viele aus der Schulgemeinschaft sehr genervt – und nach dieser Erfahrung muss ich sagen, dass es extrem riskant ist, eine Person auszuwählen. Es gibt wohl keinen, in dessen Biografie nicht irgendwann etwas Negatives ausgegraben werden könnte. Die Entscheidung für Landois hatten wir ja schon vor über einem halben Jahr getroffen, sie war bekannt. So lange war es ruhig. Bis plötzlich kurz vor der Entscheidung im Rat der Aufsatz über die Völkerschauen auftauchte.

Was ist Ihre persönliche Meinung, wären Sie bei Landois geblieben?

Leifhelm: Ich bin nur stimmberechtigt wenn es in der Schulkonferenz zu einer Pattsituation kommt. Die war nicht gegeben, es gab neun Stimmen gegen Landois fünf dafür und zwei Enthaltungen. Ich kann mir vorstellen, die Debatte um die Völkerschauen wäre schnell wieder aus dem Blickfeld gewichen, wenn wir bei unserem Entschluss geblieben wären. In meinen Augen hat viel für Landois gesprochen.

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