CDU-Mitglieder wählen neuen Vorstand

Neues Team blickt auf die Kommunalwahl

Münster

Für die Kommunalwahl hat sich der neue CDU-Vorstand viel vorgenommen. Und nach einem großen Christdemokraten soll in Münster eine Straße benannt werden. Das fordert die CDU-Basis.

Dirk Anger

Der neue Kreisvorstand der CDU Münster mit seinem Vorsitzenden Hendrik Grau (vorne 2. v. l ) Foto: Oliver Werner

Am Ende der vierstündigen CDU-Kreismitgliederversammlung ergriff der frisch gewählte Vorsitzende Hendrik Grau die Initiative. Zum Dank für ihre Arbeit überreichte er seiner Vorgängerin einen Blumenstrauß. 2017 hatte die CDU-Bundestagsabgeordnete Sybille Benning die Nachfolge von Josef Rickfelder übernommen.

Am Dienstagabend gab sie in der Mensa der Gesamtschule Mitte den Staffelstab weiter – und wirkte förmlich befreit, als sie vor der Versammlung in grünem Blazer und schwarzer Hose durch die Reihen ging. „Es geht mir auch gut, wir haben viel geschafft“, entgegnete Benning auf Nachfrage. Sie freue sich, „dass wir nun ein neues Team auf die Beine stellen“, sagte sie mit Blick auf die anstehende Vorstandswahl.

CDU in schwierigen Zeiten

Benning selbst will und kann sich nun voll und ganz auf ihr Bundestagsmandat konzentrieren. „Es geht um eine starke Vertretung unserer Stadt in Berlin“, hob sie hervor. Als Volkspartei befinde sich die CDU in schwierigen Zeiten. Die scheidende Vorsitzende nutzte deshalb die Gelegenheit für einen Appell: „Die großen Fragen dieser Zeit lösen wir nicht durch innerparteiliche Kämpfe.“

In dem über weite Teile eher geschäftsmäßig wirkenden Parteitagsklima gab es aber auch stehende Ovationen: Als der JU-Vorsitzende Dietrich Aden unerwartet eine Fragerunde zu einem Loblied auf Benning nutzte, erhob sich die Basis mit Beifall. Die scheidende Vorsitzende habe parteiintern und politisch Mut bewiesen, lobte der Chef des münsterischen CDU-Nachwuchses. Sie sei der Jungen Union auf Augenhöhe und mit Respekt begegnet, so Aden.

Engagement für einen Wahlsieg

Der in Münster doch deutlich konservativ positionierte Partei-Nachwuchs durfte sich spät am Abend nochmals freuen: Nachdem auch die Beisitzer-Wahlen ausgezählt waren, stand fest, dass die Junge Union mit sechs ihrer Mitglieder im neuen Vorstand unter dem diplomierten Wirtschaftsingenieur und Wirtschaftsjuristen Hendrik Grau vertreten ist.

Letzterer gab sich überzeugt, dass die CDU erfolgreich sein werde, „wenn wir gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten“. Wahlergebnis-Ziele oder Versprechungen für den Tag der Kommunalwahl am 13. September 2020 werde man von ihm nicht hören, erklärte der Unternehmer. Dafür aber werde er sich mit Leib und Seele und großem Engagement für einen Wahlsieg einsetzen, versprach Grau.

Schärfung des Parteiprofils

Die bisherige und wiedergewählte Mitgliederbeauftragte, Petra Hensel-Stolz, warb für die Schärfung des Parteiprofils und die Schaffung neuer Beteiligungsmöglichkeiten. Aktuell habe man 2049 Mitglieder in Münster und sei damit „im Rahmen der allgemeinen Entwicklung noch stabil“. Vor zwei Jahren waren es demnach noch gut 100 Mitglieder mehr. Das entspricht in etwa der Zahl der in diesem Zeitraum Verstorbenen.

Volle Zustimmung erhielt der mit dem besten Ergebnis zum Beisitzer gewählte Ratsherr Stefan Leschniok für seinen Vorschlag, an prominenter Stelle in Münster eine Straße nach dem verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl zu benennen. Damit soll dessen Einsatz als „Wegbereiter der Wiedervereinigung“ gewürdigt werden. „Leider ist in den letzten zwei Jahren noch nichts passiert“, beklagte Leschniok, nachdem ein solches Ansinnen schon einmal von der CDU geäußert worden war. Bis zum 3. Oktober 2020, dem 30. Jahrestag der Wiedervereinigung, soll der Vorschlag nun umgesetzt werden.

Kommentar: Leicht wird es nicht

Eine vergnügungssteuerpflichtige Aufgabe haben sich der neue CDU-Vorsitzende Hendrik Grau und seine Mitstreiter wohl kaum ausgesucht. In Zeiten, in denen die Volksparteien um ihren Status ringen, gehört schon eine Portion Mut und Überzeugung dazu, das Ruder zu übernehmen. Da ist auch Münster längst kein Selbstläufer mehr für die CDU. Umso mehr muss es dem neuen Parteichef schnell gelingen, wieder klar erkennbare politische Positionen für Münsters CDU zu platzieren, ohne dabei den Ausgleich von Interessen der Innenstadt mit den Belangen der Stadtteile aus den Augen zu verlieren.

Das hat die CDU früher stark gemacht. Und diese Stärke ist bei den Kommunalwahlen 2020 gefragt. Es wird schwer für den 46-jährigen Unternehmer, einer zu großen Teilen älteren Mitgliederschaft zu bedeuten, dass es statt der Rezepte von damals neue Wege braucht. Dazu gehört auch der faire Umgang mit Menschen in einer bunteren Gesellschaft, die sich im Vorstand nicht widerspiegelt. Viel Schonfrist hat Grau nicht, aber eine ehrliche Chance verdient. Dirk Anger

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