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Klasse!-Projekt plus Kinderuni

Neutrinos, Pinguine und „Big Red“

Münster

Klasse! kooperiert mit der Kinderuni der WWU Münster. Das bedeutet: Viertklässler und Wissenschaftler treffen sich beim Zeitungsprojekt. Zum Beispiel hat Physikerin Raffaela Busse die Pleisterschüler mit an den Südpol genommen.

Von Doerthe Rayen

Foto: Bertling

Ein bisschen war es wie eine willkommene Abkühlung. Draußen herrschten sommerliche Temperaturen. Und drinnen beschäftigten sich die Mädchen und Jungen mit eisiger Kälte. Raffaela Busse, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kernphysik der Uni Münster, hat ein Jahr lang dort gelebt, wo es bitterkalt ist: am Südpol. Da mussten schon mal zwei Paar lange Unterhosen her, dicke Socken, Überschuhe, warme Handschuhe und ein dicker Parka, den die Wissenschaftler „Big Red“ nennen, also „Großen Roten“, um nicht zu frieren.

Raffaela Busse, Institut für Kernphysik der WWU, hat im Rahmen von Klasse! eine Kinderuni-Vorlesung über den Südpol gehalten. Foto: privat

Eisige Temperaturen von bis zu minus 75 Grad Celsius

Für die Viertklässler der Pleisterschule in Mauritz eine außergewöhnliche Vorstellung, so viel anzuziehen, um sich vor Kälte bis zu minus 75 Grad Celsius zu schützen. Die Mädchen und Jungen haben mit ihrer Klassenlehrerin Silvia Bertling Unterricht mit der Zeitung gemacht. Und als Klasse!-Klasse hatten sie die Kinderuni-Vorlesung mit Raffaela Busse gewonnen. Bedingt durch Corona war die Physikerin nicht real zu Gast bei den Pleisterschülern. Sie wurde genauso wie die fürs Klasse!-Projekt verantwortliche WN-Redakteurin Doerthe Rayen virtuell nach Mauritz geschaltet.

Südpol, Antarktis und Antarktika

Es dauerte keine fünf Minuten, da waren die Grundschüler schon am Südpol angekommen – und hatten gelernt, was die Experten unter Antarktika und Antarktis verstehen. Der Südpol, so erzählte Raffaela Busse, sei nur ein winziger geografischer Punkt. Der Kontinent Antarktika dagegen 1,5 Mal so groß wie Europa.

Die WWU-Mitarbeiterin hat ein Jahr lang auf der Forschungsstation Amundsen-Scott gelebt und gearbeitet. Dort hat sie im Ice-Cube mit anderen Wissenschaftlern Jagd auf Geisterteilchen, die sogenannten Neutrinos, gemacht. Das sind winzig kleine Elementarteilchen, die man weder spüren, noch sehen kann. „Sie können durch Wände gehen, deshalb heißen sie Geisterteilchen“, erzählte Raffaela Busse. In der Antarktis steht ein komplizierter Detektor, mit dem Wissenschaftler Neutrinos sichtbar machen können.

Südpol, Antarktis und Antarktika: Drei Bezeichnungen, die auch unterschiedliche Bedeutungen haben. Foto: Raffaela Busse

Physikerin Raffaela Busse

Die Mädchen und Jungen waren fasziniert. Sie lauschten mit großer Begeisterung und stellten der Physikerin nach ihrer Vorlesung viele, viele Fragen – zu den Pinguinen, die am Rand der Antarktis leben; zu den Polarlichtern; zu Schlittenhunden; zur Versorgung auf der Forschungsstation; zu den Geisterteilchen und ihrer Lebenserwartung. Antworten hatte Raffaela Busse immer. Auch auf die banalen Dinge des Lebens am Südpol. „Gibt es dort Toiletten?“ Auf jeden Fall. Forscher müssen auch mal . . .

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