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Bürgerdialog zur „Wolbecker Straße der Zukunft“

Nicht jeder Radler fährt darauf ab

Münster

Gegensätzliche Interessen prallen bereits am ersten Tag des Reallabors Wolbecker Straße aufeinander. Bis zum 26. September ist jetzt die Ideenschmiede geöffnet.

Von Helmut P. Etzkorn

Das „Reallabor Wolbecker Straße“ ist seit dem Wochenende geöffnet und Radfahrer sollen nun auf der Hauptverkehrsachse den Verkehrsraum gemeinsam mit den Autos nutzen. Foto: hpe

Die Zukunftsvisionen für die Wolbecker Straße, angeheftet auf kleinen Zetteln an einer großen Pinnwand, sind so facettenreich, wie die zahlreichen Kommentare der Passanten zum „Reallabor“ an der Hauptverkehrsachse. Seit Samstag und bis zum 26. September sollen dort Ideen geschmiedet und Veränderungen diskutiert werden.

Radler müssen jetzt eigentlich auf der Fahrbahn fahren, doch viele trauen sich diese neue Freiheit noch nicht zu. „Ist mir trotz Tempo 20 einfach zu gefährlich“, meint Helen Schnieders, die mit ihren beiden kleinen Töchtern weiterhin lieber den engen Radweg benutzt. Ganz unrecht hat sie mit dieser Einschätzung nicht, denn trotz Tempolimit quasi auf Basis einer etwas erhöhten Schrittgeschwindigkeit rauschen manche Autofahrer hautnah an den Straßenradlern vorbei.

Vielen sind Gehwege zu schmal

Fritz Schmücker vom Stadtmarketing Münster gehört zum „Laborteam“ und will einfach nur „Ideen aufschnappen und ins Gespräch kommen“. Für ihn ist klar, eine Veränderung müsse es definitiv geben, dafür sei dieser frühzeitige Dialog im Alltagsraum als Grundlage für die Planungen wichtig.

Hinter Schmückers Marktstand auf dem Rewe-Parkplatz, Basislager der „Laboranten“, füllt sich derweil die Pinnwand. Geschrieben wird dort „vom Traum einer autofreien Wolbecker mit neuen Flaniermöglichkeiten“ und „Freiflächen für Bürgerevents und Lebensqualität statt parkender Autos“. Vielen sind die Gehwege zu schmal. „Komm ich aus dem Supermarkt, werde ich vom Lastenrad erwischt“, schreibt einer. Besonders Ältere vermissen die Barrierefreiheit, fühlen sich auf schmalen Wegen hochgradig unwohl.

Weil der Verkehrsraum, wie auch immer er umgestaltet werden würde, auf den Platz zwischen den Häuserzeilen beschränkt bleibt, setzen manche „auf Toleranz und Rücksichtnahme als einzige Chance in einer grundsätzlich zu eng gebauten Straße“.

Gerechte Aufteilung wird schwierig

Franz Steinkühler könnte sich mit einer Einbahnstraßen-Regelung anfreunden, Anwohner Peter Smitt trauert um die sparsam verbliebenen Parkplätze. Und Maria Mensing meint: „Wie soll man eine gerechte Aufteilung hinkriegen, wenn jeder nur an seine eigenen Interessen denkt?“ Während einige Zettel schreiben, flucht ein Paketbote: „Wo soll ich denn jetzt überhaupt noch halten? Für Anlieferer ist das katastrophal.“

Andreas Bentler vom Tiefbauamt will beim Straßen-Experiment „von den Leuten wissen, wo die Reise hingehen soll“. Erst danach sei die Planung am Schreibtisch angesagt. Noch eine Woche lang kann jeder teilhaben – am Laborversuch in der City.

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