1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. NRW-Sozialminister Laumann sucht guten Rat

  6. >

Besuch beim Projekt „Wohnen 60plus York-Höfe“

NRW-Sozialminister Laumann sucht guten Rat

Münster

[Mit Video] Was machen wohnungslose Menschen, wenn sie älter werden, mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen haben und alleine nicht mehr klarkommen? Darüber hat sich Sozialminister Karl-Josef Laumann am Mittwoch in Münster informiert.

Dirk Anger

Sozialminister Karl-Josef Laumann (2.v.r.) informiert sich bei Kandasamy Sinnavan, der im Wohnprojekt für ältere obdachlose Menschen eine Unterkunft gefunden hat. Mit dabei: Oberbürgermeister Markus Lewe (l.) und Bernd Mülbrecht vom Förderverein Wohnhilfen. Foto: Matthias Ahlke

Mit freudigem Gesicht zeigt Kandasamy Sinnavan dem hohen Besuch aus Düsseldorf sein neues Reich. Vorher lebte der 67-Jährige im Haus der Wohnungslosenhilfe an der kleinen Bahnhofstraße, seit einiger Zeit wohnt er in einem eigenen Appartement an der Steinfurter Straße. Dieses gehört wie zehn weitere zum Projekt „Wohnen 60plus York-Höfe“.

Für dieses Vorhaben interessiert sich am Mittwoch NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann. „Ich bin gekommen, um zu lernen, wie Sie das hier gemacht haben“, sagt der CDU-Politiker an die Adresse von Bernd Mülbrecht, dem Vorsitzenden des Fördervereins für Wohnhilfen e.V.. Der Verein hat die elf Appartements, die jeweils über eigenes Bad und Kochzeile verfügen, in der Neubauanlage York-Höfe auf dem alten TÜV-Gelände von der Wohn- und Stadtbau angemietet.

Dank für Förderung

Dazu gibt es eine Betreuung. Ein ähnliches Wohnprojekt für ältere, obdachlose und gesundheitlich nicht mehr ganz fitte Menschen hat der Verein bereits in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche umsetzen können – mit Förderung des Landes. Und dafür wollen sich Mülbrecht und seine Mitstreiter an diesem Vormittag bedanken.

„In NRW ist ohne Frage das Problem, dass Wohnungslosigkeit zunimmt“, stellt Laumann fest und verweist auf Bedürftige, Kranke und Süchtige, für die es besonders schwierig ist, ein Dach über dem Kopf zu finden. Als Sozialminister könne er sich mit diesem Zustand nicht abfinden. „Wir müssen erheblich mehr tun, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden.“

Bedürftige nicht an den Rand drängen

Bis Ostern wird das Ministerium nach Laumanns Worten ein Konzept vorlegen. Dabei könne man Mittel für Wohnungslosen- und Suchthilfe zusammendenken. Außerdem müsse man vermeiden, dass Mietschulden entstünden. Bei Jobcentern mahnte Laumann ein „gewisses Verständnis“ dafür an, dass Bedürftige manchmal in einer etwas zu großen Wohnung lebten, weil es keine reale Chance auf eine kleinere Wohnung gebe. „Münsters Kommunalpolitik gibt sich viel Mühe, diese Probleme zu sehen“, resümiert Laumann später.

Oberbürgermeister Markus Lewe hebt die Vielfalt der Stadt hervor, die sich nach seiner Darstellung gerade in gut durchmischten Wohnquartieren widerspiegelt. Bedürftige dürften nicht an den Rand gedrängt werden. Um die soziale Balance zu halten, helfe das städtische Wohnbauunternehmen. Dessen Chef Dr. Christian Jaeger berichtet dem Minister auf dem Flur, wie wichtig es gewesen sei, dass die Stadt bei den York-Höfen das Grundstück zur Verfügung gestellt habe – „sonst wäre das hier nicht möglich gewesen“. Derweil macht Kandasamy Sinnavan Foto um Foto vom großen Auflauf vor seiner Tür – und wirkt dabei sehr zufrieden.

Elf Appartements für ältere und zuvor obdachlose Menschen

Im Neubauprojekt York-Höfe hat der Förderverein für Wohnhilfen zwei Etagen gemietet und dort elf Appartements für ältere, gesundheitlich eingeschränkte Menschen eingerichtet, die wohnungslos waren und einen zusätzlichen Betreuungsbedarf haben. Das Wohnprojekt verfügt über eine Gemeinschaftsfläche mit einer Küche.

Eine Hauswirtschafterin, eine Sozialarbeiterin und Studierende als Alltagsbegleiter kümmern sich um die Bewohner. Das Projekt wurde unter anderem durch die WN-Spendenaktion 2017 unterstützt. Das erste Projekt dieser Art wurde in der Dreifaltigkeitskirche realisiert. Fördervereinsvorsitzender Bernd Mülbrecht sagt: „Ich wünsche und erhoffe mir, dass wir neue Wohn- und Betreuungsangebote initiieren können.“ -da-

Startseite