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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Nur einer will als Zeuge reden

Münster

Die Angeklagten im münsterischen Mammutverfahren um schweren sexuellen Kindesmissbrauch sollten am Donnerstag in einem Parallelverfahren als Zeugen aussagen. Doch nur Enrico L. packte aus.

Dirk Anger

Zwei Wagen mit Akten stehen an jedem Verhandlungstag im großen Missbrauchsprozess gegen Adrian V. im Gerichtssaal. Foto: Dirk Anger

Im Mammutprozess um schweren sexuellen Missbrauch an Kindern gegen Adrian V. aus Münster und vier weitere Angeklagte wollen jetzt vier Beteiligte des Verfahrens Angaben zu ihrer Biografie machen. Das kündigten deren Rechtsanwälte zu Beginn des 16. Verhandlungstages vor dem Landgericht Münster an.

Am Donnerstag berichteten Enrico L. aus Schorfheide, der bereits Einzelheiten der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft eingeräumt hatte, und der zweifache Vater Tobias S. aus Staufenberg von ihrer Kindheit und ihrem weiteren Werdegang. Auch der Hauptbeschuldigte im sogenannten Missbrauchskomplex Münster, Adrian V., will sich zu seiner Person einlassen, ließ sein Anwalt wissen. Der 27-Jährige gilt als Schlüsselfigur in dem Pädophilien-Netzwerk und ist bereits zweimal einschlägig vorbestraft. Dessen Mutter, die wie der Hauptbeschuldigte bis zur Verhaftung in Kinderhaus wohnte, stellte ebenfalls Angaben zu ihrer Person in Aussicht.

Enrico L. will sich äußern

Eigentlich wollte Enrico L., der seinen eigenen, damals siebenjährigen Sohn sowie den Ziehsohn von Adrian V. schwer missbraucht haben soll, seine vorbereitete Stellungnahme am Morgen verlesen und sich danach den Fragen des Gerichts stellen. Doch wiederholtes Nachhaken des Vorsitzenden zu den verwandtschaftlichen Verhältnissen brachten den 42-Jährigen gleich zu Anfang sichtlich aus dem Konzept.

Um zu vermeiden, dass daher schon in diesem Zusammenhang Details aus dem Intimleben des Angeklagten öffentlich werden, beantragte sein Verteidiger daraufhin den Ausschluss der Öffentlichkeit. Diesem gab die Kammer in ihrer bekannt rigiden Auslegung nach kurzer Beratung statt.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.

Angeklagte sollen als Zeugen aussagen

Im weiteren Verlauf des Tages sollten alle fünf Angeklagten im Parallelverfahren wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs gegen den 30-jährigen Matthias A. aus Hannover als Zeugen aussagen. Einzig Enrico L. äußerte sich aber dort, alle anderen beriefen sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht.

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