1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Offenheit gegen die Sucht

  6. >

Die Tilman-Holze-Stiftung warnt im Schlaun-Gymnasium vor Drogenkonsum

Offenheit gegen die Sucht

Münster

Drogenabhängigkeit beginnt meist in der Jugend. Das weiß die Familie Holze nur zu gut, die einen ihrer Söhne durch die verhängnisvolle Sucht verlor. Der Vater warnt jetzt Jugendliche. Am Dienstag hörten Neuntklässler des Schlaun-Gymnasiums zu.

Von Laura Scheffelmaier

Drogenprävention, die in Erinnerung bleibt: In der Sporthalle des Schlaun-Gymnasiums war es mucksmäuschenstill, während Dr. Erhard Holze über seinen verstorbenen Sohn Tilman sprach und dessen Drogenabhängigkeit anschaulich skizzierte. Foto: Laura Scheffelmaier

Den Fakt, dass Drogentote meist jünger als 40 Jahre alt sind, mussten Dr. Erhard Holze und seine Familie schmerzlich an ihrem eigenem Leib erfahren. Bei der Verarbeitung des Verlustes ihres Sohnes hilft ihnen nicht nur ihr Glaube, sondern auch, über ihre Geschichte zu sprechen.

Auseinandersetzung mit der Drogenprävention

Am Dienstag waren die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen des Schlaun-Gymnasiums an der Reihe, sich an ihrem Präventionstag mit dem Thema Drogen auseinander zu setzen. In den ersten beiden Schulstunden wurde pharmakologische Theorie gepaukt, danach gab es „biografische Prävention“. Diese Prävention der besonderen Art ist der Tilman-Holze-Stiftung zu verdanken, die im vergangenen Jahr gegründet wurde. Der Namensgeber der Stiftung ist der älteste von drei Söhnen von Dr. Erhard Holze und seiner Frau Christiane. Tilman ist vor viereinhalb Jahren, im Alter von 24 Jahren an einer Überdosis Fentanyl – „dem stärksten Schmerzmittel auf dem Pharmamarkt“ – gestorben, nach einem achtjährigen Kampf gegen die Abhängigkeit. Sein Vater und sein jüngster Bruder Titus (23) machten ein Gesprächsangebot, welches auch weiterhin über Social Media genutzt werden kann, und erzählten über Tilman.

Mit 16 zeigten sich Veränderungen

Bis zum Alter von 16 Jahren war Tilman als aufgeschlossener und beliebter Junge bekannt, danach zeigten sich erste Veränderungen. „Der Freundeskreis hat natürlich eine wichtige Rolle gespielt, aber eine Schuldzuweisung könnte ich daraus nicht ableiten,“ so der Vater. Zuerst war es Schulunlust, welche in diesem Alter aber nicht unüblich ist. „Der Prozess fängt immer still und leise an... Erst mit größerem Abstand fiel etwas auf,“ erzählt Holze die Entwicklung nach, anschaulich anhand von verschiedenen Beispielen. Tilmans Stimmung sei in den letzten acht Jahren durch eine gewisse Lethargie geprägt gewesen, durchbrochen von Phasen in denen er für ein paar Monate aufblühte: „Die Schere seines Lebens klaffte mit der Zeit immer weiter auseinander. Am Wochenende wurden alle möglichen Drogen konsumiert und unter der Woche wurde gearbeitet.“

Viele der Neuntklässler zeigten sich bei der anschließenden Diskussion bewegt.

Startseite
ANZEIGE