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Rettung beginnt vor der eigenen Haustür

Ohne Bienen läuft nichts

Wie wäre es, wenn auf einmal keine Insekten mehr da wären? Keine Wespen, die im Getränk schwimmen? Keine Mücken, die durch Stiche Juckreiz verursachen? Die meisten, so unterstellen wir, würden sich vermutlich freuen.

Judy Haidar

Im Naturgarten des Gymnasiums Paulinum gibt es ein großes Insektenhotel. Das lässt sich in klein gut nachbauen, finden Louisa Heidel, Judy und Lulia Haidar, Theresa Jankord und Lea Giebel (von links). Die runden Fotos zeigen verschiedene Wildbienenarten. Foto: privat

Doch leider wäre es tatsächlich übel für uns Menschen, wenn alle Insekten aussterben würden. Insekten sind Bestäuber, also wichtig für die Fortpflanzung vieler Pflanzenarten. Ein Insekt, das am meisten dazu beiträgt, ist die Biene. Sie bestäubt Blüten und entzieht daraus ihre Nahrung, die Pollen.

Doch leider gehen die Zahlen von Bienen immer weiter zurück, das bestätigt auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

In einer Studie des Wissenschaftsjournals „Plos One“ ist ein Rückgang von über 75 Prozent an Biomasse(also an Insekten) festgestellt worden. Die Wissenschaftler haben an über 60 verschiedenen Orten in Deutschland gezählt. Überall fiel das Ergebnis gleich erschreckend aus.

Ohne Insekten, so sagen die Experten, werde unser Ökosystem einbrechen. Es würde keine ausgewogene Bestäubung mehr geben.

Ohne die Bestäubungsarbeit der Bienen müssten wir auf etwa ein Drittel unserer Nahrung verzichten, vor allem auf Obst und Gemüse. Besonders in dieser Nahrung stecken die meisten Vitamine, die der Mensch braucht. Vitamin A etwa unterstützt den Körper beim scharfen Sehen.

Insekten sind außerdem Bestandteil einer Nahrungskette von Lebewesen, an deren Ende letztendlich der Mensch steht und das, was auf unseren Tellern landet. Es muss sich also etwas ändern, um Insekten und Bienen zu retten.

Wie geht das? Das fängt vor der Haustür und im eigenen Garten an. Statt Steinwüste also lieber ein Beet mit bunten und bienenfreundlichen Blumen von der Akelei bis zur Schafgarbe anlegen. Im Herbst den Garten unaufgeräumt lassen – mit Laubhaufen. Die bieten Insekten einen Unterschlupf zum Überwintern.

Zum Insektensterben trägt nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Überdüngung bei. Die Düngung mit mineralischen Düngemitteln oder organischer Gülle trage dazu bei, dass Wildkräuter, die auf Feldern wachsen, verdrängt werden.

Aber nicht nur Dünger und Gülle sind für diese Überdüngung verantwortlich. Auch das Gas Ammoniak ist schädlich. Es verbreitet sich aus großen Tierställen in die Luft und regnet dann auf die Felder nieder.

Landwirte setzen außerdem auf eine frühe Aussaat. Die ist quasi vergleichbar mit dem aufgeräumten und wenig bienenfreundlichen Garten im Herbst. Anders als früher sähen Landwirte meist schon im Herbst die neue Frucht aus. Sie warten nicht erst den Winter ab. Brachliegende Flächen mit Stoppelfeldern werden immer seltener. Damit, so erklären Experten vom Max-Planck-Institut, fehlt Insekten der Lebensraum.

An manchen Feldern sieht man inzwischen wieder Blühstreifen. Die sind ein erster Schritt, um Insekten mehr Lebensräume zu verschaffen. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. Denn nicht alle Pflanzen sind gut für Insekten. Heimische Pflanzen, die viel Nektar anbieten und den Großteil des Jahres blühen, sind gut. Exotische Blumen oder Pflanzen ohne Nektar sind schlecht. Sie bieten Insekten keine Nahrung.

Unser Fazit: Das Insektensterben muss möglichst schnell gestoppt werden. Sonst drohen fatale Folgen auch für uns Menschen. Obst und Gemüse stehen auf dem Spiel. Auf lange Zeit vielleicht auch das Schnitzel.

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