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Mal ohne Internet und TV

Ohne Netz!

Münster

Totalausfall von TV und Internet bei Unitymedia-Kunden. Was Jung und Alt dazu sagen.

Annika Müller, ­Barbara Candal­

Kein Internet, kein Telefon, kein TV und das stunden- oder gar tagelang. Für Millionen Unitymedia-Kunden deutschlandweit war das diese Woche Realität. „Oh mein Gott, kein Internet und kein Fernsehen. Wir werden alle sterben“, spöttelt Jo Mayer auf der Facebook-Seite unserer Zeitung.

„Halb so wild“, sagt die 16-jährige Madeleine Psotta, die von den Störungen bei Unitymedia betroffen ist. Seit Dienstagabend muss sie aufs Fernsehen verzichten. „Auf TV kann ich recht gut verzichten, nicht aber auf das Internet. Mit dem ist ja alles möglich. Wenn das mal nicht funktioniert, könnte ich mich nicht einmal mit Freunden verabreden.“ Deren Nummern kennt sie nicht – und ein Festnetztelefon besitzt sie auch nicht.

Auch Lisa Meier (31) war vom Totalausfall betroffen. Sie hatte knapp drei Tage lang weder Internet noch Fernseher. Ihr kam der Ausfall recht gelegen, so die junge Frau: „Ich habe die ganze Zeit damit verbracht, aufzuräumen und auszumisten. Das war auch mal wieder dringend nötig.“

Eine medienfreie Zeit würde sich auch Magda Hunger einmal wünschen: „Ich stelle mir das wirklich schwer vor, auf das Internet zu verzichten. Ich fände es allerdings mal gut, einen Tag ohne Internet auskommen zu müssen. Dann würde ich mehr Sport treiben, Freunde treffen und irgendetwas Abgefahrenes tun“, sagt die 25-Jährige.

„Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall“, sagen da die alten Westfalen. Magda Hunger ist keine Unitymedia-Kundin und war deshalb von dem Ausfall gar nicht betroffen.

Für junge Leute ist das Internet ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags. Aufgewachsen mit dem Netz, verzichten sie lieber aufs Fernsehen als auf einen Internetzugang. Das Internet als Universalmedium bietet schließlich alle Anwendungen, die ein TV-Gerät auch bietet – und noch viele mehr.

Die ältere Generation sieht die Medien mit anderen Augen: „Ich habe mich nicht sonderlich eingeschränkt gefühlt“, sagt ein älterer Passant. „Nur musste ich beim Frühstück darauf verzichten, Radio zu hören.“ Wenn er die Wahl hätte zwischen dem Verzicht auf Internet oder TV, würde er eher auf Internet verzichten. Auch die Oma von Tizian Schmedes schaut lieber fern, als ins Netz zu gehen. Als Betroffene der Störungen griff sie mal wieder zu einem Buch.

Unitymedia-„Opfer“ Ingomar Otter (46) fand dagegen eine andere Lösung. Über einen entfernten Nachbarn, der zu Münsters Freifunkern gehört, baute er eine drahtlose Verbindung ins Internet auf: „Der Verkehr wird einfach umgeleitet.“

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