Neugestaltung Bahnhofs-Ostseite

Online-Diskussion als virtuelles Richtfest für das Hansator

Münster

Es gibt Stimmen, die halten das neu entstehende Hansator auf der Bahnhofs-Ostseite gelungener als das Bahnhofsgebäude selbst. Bei einer Online-Diskussion, die statt eines Richtfestes organisiert wurde, wurde das ganzheitliche Konzept betont.

Lukas Speckmann

Das Hansator nimmt Gestalt an: Ende des Monats soll das Verbindungsdach über dem Erdgeschoss aufgebaut werden. Foto: Matthias Ahlke

Die ersten Gerüste werden abgebaut, der Rohbau steht, das Hansator ist erkennbar. Jetzt wäre ein Richtfest angebracht – aber Corona lässt es nicht zu. Für die Öffentlichkeit gab es stattdessen eine Online-Podiumsdiskussion mit dem Titel „Innenstadtentwicklung und Mobilität“ samt einem ersten Fazit. Oberbürgermeister Markus Lewe brachte es auf den Punkt: Er sprach von einem „Befreiungsschlag der Bahnhofsarchitektur.“

Projektleiter Christian Hehemann (Landmarken AG) fasste den Stand der Dinge zusammen: Ein gutes Jahr lang werde an der Bahnhofs-Ostseite noch gebaut, dann könne mit der Vermietung begonnen werden. Die Umgestaltung des Bremer Platzes soll bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Dann sei das „Quartier im Quartier“ fertig – mit einem Hotel, 300 Apartments, 100 Tiefgaragenplätzen, einer Radstation mit über 2000 Stellplätzen sowie 2000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche.

Sorge vor Gentrifizierung

Bis zu 120 Teilnehmer verfolgten die Diskussion am Bildschirm. Moderator Martin Kalitschke brachte die Sorge vor Gentrifizierung ins Gespräch: „Wir arbeiten daran, dass es nicht passiert“, betonte Jens Kreiterling (Vorstand Landmarken AG). Schließlich entstehe hier kein reines Wohnquartier, sondern ein bislang einzigartiges Angebot: „Da gibt es keine Konkurrenz.“

Architekt Gerhard Wittfeld hob stattdessen den positiven Einfluss des Hansators auf das Umfeld hervor: Das entscheidende Element der Architektur – ein weitgespanntes Dach über dem Erdgeschoss – werde erst Ende des Monats errichtet. Damit werde der Bahnhof sichtbar nicht nur ein „Ort des Ankommens“, sondern lade auch zum Verweilen ein. Der Hamburger Tunnel werde wieder als freier Durchgang eingerichtet.

Lewe: „Die Menschen immer mitbedenken“

Oberbürgermeister Lewe unterstrich, dass bei der Planung des Großstadtbahnhofs als „Ort von Freud und Leid“ die Menschen aus dem Bahnhofsumfeld immer mitbedacht worden seien. Eine Erhaltungssatzung für das Hansaviertel soll Schutz vor drastischer Veränderung bieten. Vor allem aber werde die „zweite Vorderseite“ des Hauptbahnhofs den Stadtraum in Richtung Hansaviertel und Hafen öffnen und zugleich Zentrum eines neuen Verkehrskonzepts sein: Mit Blick auf die autoarme Innenstadt komme der attraktiven Verbindung von Münsterland-S-Bahn, Bussen und Fahrrad-Infrastruktur eine herausragende Bedeutung zu.

Für die Bahn ist mit dem absehbaren Finale am Hansator das leidige Projekt Hauptbahnhof Münster nach Jahrzehnten erst einmal abgeschlossen – sofern ein Bahnhof überhaupt abgeschlossen werden könne, wie Oliver Hasenkamp (Deutsche Bahn) sagte. Markus Lewe brachte die Idee eines weiteren Bahnhofs im Süden Münsters – Haltepunkt Geist – ins Gespräch.

Startseite