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Prozess wegen versuchten Totschlags

Opfer lehnt 5000 Euro Schadensersatz ab

Münster

Ein 42-jähriger Bochumer wurde im vergangenen Jahr Opfer eines Angriffs. Im Prozess wegen versuchten Totschlags beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung haben am Freitag die Opfer ausgesagt. Sie schilderten detailliert und eindrücklich den Tathergang.

Klaus Möllers

Foto: dpa

Offenbar aus Arroganz heraus soll ein 21-Jähriger im Hafen mit zwei Männern aus Ibbenbüren und Bochum einen Streit angefangen haben, der für den Bochumer mit schweren Verletzungen endete. Im Landgerichtsverfahren wegen versuchten Totschlags beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung sagten am Freitag die Opfer aus, wie sie den Vorfall in der Nacht vom 5. auf den 6. September erlebten.

Sein Cousin aus Ibbenbüren (42) und er hätten auf dem Gehweg „Platz machen“ sollen für den 21-Jährigen, als der sich auf der Bernhard-Ernst-Straße gemeinsam mit zwei jungen Frauen von hinten näherte, schilderte der Bochumer.

Arabisch oder Kurdisch?

Der 21-Jährige habe wohl erwartet, so der Cousin – „als sei es das Selbstverständlichste der Welt“ –, dass man für ihn Platz mache. Der Bochumer will ihm erwidert haben: „Senk’ Deinen Blutdruck und geh’ weiter.“

Der Provokateur habe daraufhin angekündigt: „Das klären wir jetzt“ – und per Handy „auf arabischer Sprache“, so sagte es der Bochumer, telefoniert. Die Sprache spielt deshalb eine Rolle, weil einer der beiden Mitangeklagten (beide auch 21 Jahre alt) am Freitag durch seinen Anwalt erklären ließ, dass er kein Arabisch, sondern Kurdisch spreche. Die möglichen Tatbeteiligungen werden für das Urteil relevant sein.

Mit Messer durchs Gesicht geschnitten

Der 21-Jährige und eine der Frauen hätten den Bochumer schließlich mit Schlägen angegriffen, der Mann ihm mit einem Messer durch das Gesicht geschnitten, schilderte der Bochumer. Dann seien die Mitangeklagten hinzu gekommen. Im Gerichtssaal will er alle drei Männer wiedererkannt haben. So auch der Cousin.

Der blutige Angriff um kurz nach zwei Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag endete am Hafenplatz. Der Provokateur habe letztlich auf dem am Boden liegenden Mann gesessen und ein weiterer Mann hinter seinem Kopf gekniet und ihn geschlagen. Dann habe er einen Messerstich in den Bauch bekommen, erklärte der Bochumer. „Das waren Killer, die da bei uns waren“, sagte er. Und weiter: „Ich dachte, dass mein Leben zu Ende geht.“

Not-OP im Uniklinikum

Der mutmaßliche Haupttäter bot dem Bochumer im Gerichtssaal über seine Anwältin als Täter-Opfer-Ausgleich Schadensersatz in Höhe von 5000 Euro an. Das Opfer lehnte ab, ebenso eine Entschuldigung.

In der Tatnacht musste der Mann im Uniklinikum notoperiert werden. Er trägt jetzt Narben auf dem Kopf und im Gesicht. Auch wegen der seelischen Folgen der Tat sei er monatelang arbeitsunfähig gewesen, sagte er.

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