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Europäisches Erhaltungszuchtprogramm wird in Münster geführt

Orang-Utans sind in guten Händen

Münster

Mit den Erhaltungszuchtprogrammen EEP koordinieren europäische Zoos die Zucht ihrer Tierarten und sorgen so für genetische Vielfalt. Allwetterzoo-Direktorin Simone Schehka ist seit Kurzem EEP-Koordinatorin für eine der prominentesten Tierarten überhaupt: Orang-Utans .

Von Lukas Speckmann

Der Allwetterzoo hat seit 2000 ein Händchen für Orang-Utans, jetzt wird hier auch das Zuchtprogramm EEP koordiniert: Clemens Becker (Karlsruhe) hat sein Amt als EEP-Koordinator an seine bisherige Stellvertreterin Simone Schehka übergeben Foto: Oliver Werner

Im Allwetterzoo gibt es Orang-Utans. Aber das ist nicht der Grund, weshalb das europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Orang-Utans nun in Münster koordiniert wird. Der Grund ist: Dr. Clemens Becker wollte unbedingt, dass Dr. Simone Schehka seine Nachfolgerin wird. Nach kurzem Bedenken hat sie zugestimmt. Also ist Münsters Zoodirektorin seit dem 1. September als EEP-Koordinatorin die oberste Chefin aller 348 europäischen Orang-Utans. Im Zoo gab es am Mittwoch eine feierliche Übergabezeremonie.

Und wer ist Clemens Becker? Genauso gut könnte man im Fußballstadion fragen, wer Lionel Messi ist. Clemens Becker ist stellvertretender Direktor des Karlsruher Zoos, aber vor allem gilt er weltweit als „Mister Orang-Utan“: 1977 begann er im Frankfurter Zoo, Orang-Utans zu studieren. Er widmete ihrem Verhalten Diplom- und Doktorarbeit, und er begann 1982 auf eigene Faust ein Zuchtbuch. Damals war an europäische Zusammenarbeit noch nicht zu denken; Beckers Zuchtbuch wurde jedoch Ausgangspunkt eines der ältesten EEP überhaupt. Und Becker blieb der Koordinator. Bis jetzt.

Als Abschiedsgeschenk erhielt Clemens Becker von seiner Nachfolgerin Simone Schehka dieses Porträt eines Orang-Utans aus Aalborg/Dänemark Übrigens: Keine Fotografie! Sondern ein Gemälde von Gerd Bannuscher . . . Foto: Oliver Werner

Die Sensiblen unter den Menschenaffen

Dass sich nun ausgerechnet Münster um die Orang-Utans kümmern darf, ist eine Mischung aus Ritterschlag, olympischem Gold und Nobelpreisverleihung. Im Allwetterzoo werden sonst nur die Zuchtprogramme für Lippenbären und Anoa-Rinder (die es beide nicht in Münster gibt) sowie für zwei Schildkrötenarten im Artenschutzzentrum IZS geführt.

Da sind die imposanten Menschenaffen ein anderes Kaliber. Simone Schehka sagt es so: „Mir geht das Herz auf, wenn ich in ihre Augen blicke.“ Orang-Utans sind hochintelligent und sehr sozial. Ihr früheres Image als im Vergleich zu Schimpansen oder Gorillas eher langweilige Baum-Phlegmatiker haben sie längst verloren – auch dank der Erforschung durch Primatologen wie Clemens Becker.

Der Lebensraum schrumpft

Was bedeutet das Orang-Utan-Zuchtbuch für den Allwetterzoo? „Viel Verantwortung und viel Arbeit“, sagt Simone Schehka. Europas Orang-Utan-Population sei sehr stabil und genetisch gesund, was auch an der engen internationalen Zusammenarbeit in Fragen von Haltung, Transfers und Forschung liege.

Das größte Problem bei der Haltung von Orang-Utans im Zoo ist der oft zu geringe Platz, wobei Münsters 2000 eröffnete „Orangerie“ als vorbildlich gilt. In freier Wildbahn hätten es die Tiere noch schwerer, meint Simone Schehka. Denn: „Die freie Wildbahn gibt es nicht mehr.“

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