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Idee aus Münster

„HopOn“ soll die Zustellung von Paketen revolutionieren

Münster

Idee, Entwicklung, Fertigung – alles aus Münster: Das elektrisch betriebene „HopOn“ könnte die Lösung zur Paketzustellung werden. Das Fahrzeug könnte aber auch für andere Einsatzzwecke eingeplant werden.

Von Björn Meyer

Der Fahrerstand des „HopOn“ lässt sich umklappen und das Fahrzeug so leichter transportieren. Zudem gibt es verschiedene Varianten, der Hintergrund: Ohne Helm sind 20 Stundenkilometer zulässig, bei der Version bis 30 Stundenkilometer muss mit Helm gefahren werden.

Die eine Patentlösung, um Innenstädte autofrei zu bekommen, gibt es nicht. Vielleicht aber gibt es Lösungen durch Patente. So wie durch das des Münsteraners Günter Grodde. Als er vor vier Jahren das Lastenrad eines Postzustellers sah, da störte ihn vor allem eins: „Das Missverhältnis zwischen dem Platz für den Fahrer und der Ladung. Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt Grodde rückblickend.

Vier Jahre später hat die münsterische Firma Carit Automotive am Dienstag nach Groddes Idee das Zustellfahrzeug „HopOn“ vorgestellt. Mit Elektromotor, kleinem Wendekreis, 250 Kilogramm möglicher Zuladung und zusammenklappbarem Fahrerstand soll das Gefährt die Paketzustellung im urbanen Raum auf der sogenannten „letzten Meile“ revolutionieren.

Zustellung ist Knochenarbeit

Es wirkt wie ein gebuchtes Showprogramm, als zwei Postboten am Dienstagvormittag am Domplatz mit vollem Körpereinsatz in die Pedale treten, um ihre schweren Zustell-Fahrräder zu bewegen. Diejenigen, die gekommen sind, um das „HopOn­“ zu präsentieren – der Name stammt tatsächlich von der Idee, dass der Zusteller einfach aufhüpfen kann –, bräuchten eigentlich gar nicht mehr viel sagen, ein Fingerzeig würde schon genügen.

Und doch folgt noch eine Erklärung: „Bei uns brauchen die Fahrer keine Muskelkraft“, sagt Grodde. Und das sei nicht zu unterschätzen, denn bei der Entwicklung, die auch in Zusammenarbeit mit dem Zustelldienst UPS vorgenommen wurde, habe sich gezeigt, dass 20 bis 30 Kilometer Wegstrecke mit dem Gefährt keine Seltenheit an einem Arbeitstag seien.

Ein großer Fortschritt des Produkts, das sich auch per Fernbedienung fahren lässt, seien zudem die verwendeten Teile. Die kämen nämlich, anders als bei Lastenrädern, alle aus dem Automotive-Bereich und seien so für die geforderten Lasten deutlich besser geeignet als Fahrradteile, so Andreas Knapp­heide, Geschäftsführer der Carit Automotive GmbH & Co. KG.

Einsatzmöglichkeiten im Handwerk

Zudem könne das rund 15.000 Euro teure Gefährt – samt mehrer Container für seine Ladefläche – in einem gewöhnlichen Transporter verladen werden, innerstädtische Zwischenlager, die derzeit bei Paketzustellern gesucht seien, würden damit obsolet, glaubt Knappheide.

Die Ladefläche des nur 84 Zentimeter breiten Vehikels sei in der einfachen Version derweil so konstruiert, dass genau eine Euro-Palette darauf Platz finde. Eine größere Version des „HopOn“ soll mit einer Ladefläche von der Größe von zwei Europaletten gebaut werden.

Auch wenn noch kein Paket-Dienst die Vehikel in Münster nutzt, bei der Firma Tier ist das „HopOn“ schon bei der Wartung der E-Scooter im Einsatz. Doch dabei soll es nicht bleiben: Neben Paketdiensten sieht die Carit Automotive auch im Handwerk Einsatzmöglichkeiten, etwa beim Transport von Werkzeug.

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