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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Palliativ-Pflegerin: "Die Arbeit geht ans Gemüt"

Münster

Seit zehn Jahren arbeitet Ann-Christin Friemel, Gesundheits- und Krankenpflegerin, auf einer Palliativstation. Obwohl die Arbeit ans Gemüt gehe, kann sie sich keinen anderen Job vorstellen. Doch sie übt auch Kritik am System. 

Ann-Christin Friemel arbeitet seit zehn Jahren auf der Palliativstation der Raphaelsklinik Foto: Alexianer/Raphaelsklinik

Seit Gründung der Abteilung vor zehn Jahren arbeitet die Gesundheits- und Krankenpflegerin Ann-Christin Friemel auf der Palliativstation der Raphaelsklinik. Unmittelbar nach ihrer Ausbildung hat die heute 33-Jährige laut einer Pressemitteilung der Raphaelskinik angefangen in einem Bereich zu arbeiten, in dem es nicht um Heilung sondern vielmehr um Zuwendung und Unterstützung geht, wie sie sagt.

"Viele Menschen wissen gar nicht, was Palliativpflege und Palliativmedizin können. Es geht bei uns darum, Symptome zu lindern und dafür zu sorgen, dass die Menschen am Ende ihrer Lebenszeit möglichst keine Schmerzen haben. Wir führen sehr viele Gespräche, nicht nur mit den Patienten sondern auch mit den Angehörigen. Beides gehört für uns sehr eng zusammen", sagt Friemel.

Tod des Vaters in einem hektischen Uniklinikum erlebt

Als Jugendliche hat Ann-Christin Friemel miterlebt, wie ihr Vater in einem niedersächsischen Uniklinikum gestorben ist, umgeben von der Hektik eines medizinischen Großbetriebs. "Das muss auch anders gehen können", sagte sie sich damals und erlebte diesen anderen Umgang mit Tod und Sterben bei ihrem Ausbildungseinsatz im Johannes-Hospiz in Münster. Als dann die Palliativstation in der Raphaelsklinik eröffnet wurde, hat sie sich sofort beworben.

„Bei uns gibt es noch die Situationen, in denen sich Pflegende und Ärzte mit dem Stuhl an das Bett des Patienten setzen und lange Gespräche führen", sagt Friemel. Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, unter dem Druck des Klinikalltags aber oft unmöglich geworden sind, wie Friemel bedauernd feststellt: "Krankenpflege ist ein toller Beruf, aber die Rahmenbedingungen machen ganz viel kaputt."

Ann-Christin Friemel

Der Begriff Palliativstation löse oft Ängste aus, dabei gehe es nicht um das Sterben sondern darum, Schmerzen und andere Symptome der Krankheit zu lindern oder um Sorgen zu nehmen und der verbleibenden Zeit mehr Lebensqualität zu geben. "Viele Menschen wundern sich, wenn ich erzähle, dass etwa 70 Prozent unserer Patienten nach durchschnittlich drei bis vier Wochen wieder entlassen werden", sagt die Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie sieht die Station als Bindeglied zwischen dem vorangegangenen Leben der Patienten und dem, was danach kommt, zum Beispiel dem Hospiz.

Für ihre Arbeit hat sie laut der Mitteilung der Raphaelsklinik nach ihrer Ausbildung spezielle Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Palliativpflege absolviert. Trotzdem gehen die Schicksale, die sie täglich begleitet, nicht spurlos an ihr vorüber. Die sterbende 40-jährige Mutter mit ihren Kindern, der junge Mann, der seine tödliche Krankheit nicht akzeptieren und loslassen konnte - viele berufliche Erlebnisse seien selbst für die erfahrene Gesundheits- und Krankenpflegerin nicht leicht zu verarbeiten.

"Unsere Möglichkeiten setzen sehr früh an"

"Das geht ans Gemüt, das kannst du allein nicht tragen", wie sie sagt. Dort komme das Team der Palliativstation zum Tragen: "Wir unterstützen uns bei der Arbeit gegenseitig. Wir sprechen sehr viel miteinander, auch über unsere Patienten.“

Trotz der belastenden Erlebnisse kann sich Ann-Christin Friemel kaum vorstellen, in einem anderen Bereich als der Palliativpflege zu arbeiten. Einen Wunsch hat sie allerdings: dass Ärzte und Patienten frühzeitig an die Palliativversorgung denken. Friemel: „Unsere Möglichkeiten setzen sehr früh an, eigentlich schon in dem Moment, in dem klar ist, dass eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Wir können so viel machen, aber nur, wenn wir früh genug mit ins Boot geholt werden."

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