Wohnmobile am Straßenrand

Parken ja, übernachten möglichst nicht, campen nie

Münster

Wohnmobile sind derzeit gefragt wie nie. Bieten sie doch eine Möglichkeit, in der Pandemie mal rauszukommen. Aber mehr als eine Übernachtung am Straßenrand ist nicht erlaubt.

Lukas Speckmann

Dürfen die hier alle stehen? Ja, wenn sie nicht zugleich bewohnt werden. Das Übernachten im Wohnmobil am Straßenrand ist nur einmal für kurze Zeit gestattet. Foto: privat

Münster hat keinen Wohnmobilhafen. Und gäbe es ihn, er wäre geschlossen. Denn auch Stellplätze mit Infrastruktur für Wohnmobile fallen unter die Corona-Schutzverordnung und dürfen derzeit nicht betrieben werden. Umso mehr fällt es auf, wenn eine stattliche Ansammlung von Wohnmobilen einfach so am Straßenrand steht – wie es vor wenigen Tagen einem Anwohner im Mauritzviertel aufgefallen ist. Dürfen die das?

Ja. Das bestätigt Ursula Gähr vom städtischen Amt für Kommunikation: „Auf Parkplätzen und an öffentlichen Straßen darf ein Wohnmobil grundsätzlich unbegrenzt lange abgestellt werden.“

Es gebe aber Grenzen: Das Parken ist dort nicht erlaubt, wo es ausdrücklich durch ein Schild verboten ist. Straßen und Grundstücks­einfahrten dürfen durch breite Wohnmobile nicht versperrt werden, und die geparkten Fahrzeuge dürfen nicht über 7,5 Tonnen wiegen.

Letzteres ist eine eher theoretische Einschränkung – die meisten Wohnmobilisten achten darauf, dass ihre Fahrzeuge ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschreiten, damit der Pkw-Führerschein der Klasse B noch gilt; und auch die alte Führerscheinklasse 3 gilt nur für Fahrzeuge mit bis zu bis 7,5 Tonnen Gewicht.

Höchstens einmal übernachten

Ein solches Wohnmobil darf zwar abgestellt, dann aber nicht als Herberge genutzt werden. „Es darf nicht ins Campen übergehen“, betont Michael Thomas vom städtischen Ordnungsamt. In Deutschland dürfe man sich einmal (in der Regel nur für die Dauer einer Nacht) am Straßenrand im Wohnmobil aufs Ohr legen. Diese Pause diene offiziell der „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“.

Wer aber die Markise ausklappt und Tische und Stühle auf dem Bürgersteig platziert, überschreitet eine Grenze: „Das geht auf keinen Fall“, sagt Michael Thomas.

Aber wer kontrolliert das? Die Polizei erhalte ab und zu Hinweise von Anwohnern, wie Polizei-Sprecherin Vanessa Arlt berichtet. Doch die Polizei ist für den ruhenden Verkehr nicht zuständig – und im Straßenverkehr seien Wohnmobile „ein Verkehrsmittel wie jedes andere auch“, also unauffällig. Zuständig ist allein das Ordnungsamt, dessen Kommunaler Ordnungsdienst den seltenen Beschwerden nachgehe, wie Michael Thomas bestätigt. Ein großes Thema sei es in Münster noch nicht: „Ich gehe davon aus, dass es im Sommer ein Problem wird.“

Die Nachfrage nach Wohnmobilen sei schon wegen der Corona-Pandemie sehr groß, die Nachfrage nach Stellplätzen ebenso. Doch in Münster gebe es – etwa am Ostbad – nur vereinzelte Stellplätze ohne weitere Infrastruktur. Ein seit fast 15 Jahren vorgeschlagener Wohnmobilhafen am Dortmund-Ems-Kanal wurde nie gebaut.

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