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„Parking Day“ auf der Hammer Straße

Chillen, wo sonst Autos fahren

Münster

Himmlische Ruhe auf der Hammer Straße, reichlich Verkehr auf den Straßen drum herum: In Münsters Innenstadt herrschte am Freitagnachmittag verkehrte Welt. Ursache dafür war der „Parking Day“.

Von Klaus Baumeister

Entspannung pur war beim „Parking Day“ auf der Hammer Straße angesagt. Die Resonanz war gut, aber nicht überragend. Auf den Nachbarstraßen staute sich derweil der Verkehr.  Foto: Matthias Ahlke

Man sah sie auf dem Ludgeriplatz: Autofahrer, die den Blinker rechts gesetzt hatten und dann genervt merkten, dass sie nicht in die Hammer Straße abbiegen konnten. Man sah sie auch auf der Augustastraße: Autofahrer, die sich – von der Friedrich-Ebert-Straße kommend – quasi von hinten zur Hammer Straße durchmogeln wollten und dann vor einer Absperrbake landeten.

Der Freitagnachmittag ist für Autofahrer in Münsters Innenstadt keine schöne Zeit. Dieser Freitagnachmittag war noch etwas unschöner, denn der nördliche Teil der Hammer Straße war wegen der Aktion „Parking Day“ gesperrt. Was die Hammer Straße nicht aufnehmen konnte, verteilte sich auf die umliegenden Straßen Moltkestraße, Hafenstraße, Friedrich-Ebert-Straße, Geiststraße und Weseler Straße.

Entspannte Stimmung auf der Hammer Straße

Während in manchem Auto der Adrenalinspiegel sehr hoch gewesen sein dürfte, war auf der Hammer Straße die Stimmung sehr entspannt. Es wurde getanzt, gesungen, Tischtennis gespielt und diskutiert. Im Laufe des Vormittags waren auch die letzten am Straßenrand parkenden Autos weggefahren, die Seitenstraßen wurden abgesperrt, die zahlreichen – meist in der Umweltschutzszene verorteten – Vereine und Initiativen bauten ihre Stände auf.

„Lastenrad für urbane Interventionen“, kurz Lui, prangt auf dem Schild, das am Lastenrad befestigt wurde. Das Schild ist Programm, wie Lisa Kamphaus, wissenschaftliche Mitarbeitern der Universität Münster, berichtet. Zusammen mit der „Arbeitsgruppe kritische Stadtgeografie“ nimmt sie an der Programmgestaltung teil.

In der Box des Lastenrades sind eine Leinwand, 30 Klappstühle und eine Verstärkeranlage samt Mikrofon verstaut. Das reicht für eine ordentliche Diskussionsrunde, die auch mitten auf der Hammer Straße stattfindet.

„Der ,Parking Day´ verkörpert das, was wir unter der Verkehrswende verstehen“, sieht Kamphaus eine inhaltliche Nähe ihrer Arbeitsgruppe zu der Veranstaltung. Die Verkehrswende hin zu einer Stadt mit deutlich weniger Autoverkehr müsse wissenschaftlich begleitet werden, darin sehe sie ihre Aufgabe, so Kamphaus weiter.

Die Lui-Diskussionsrunde ist einer von über 70 Programmpunkten beim diesjährigen „Parking-Day“.

Kommentar: Nur eine Insellösung

Nicht nur Verkehrspolitik – auch gerettete Lebensmittel

Ganz in der Nähe von Kamphaus steht Verena Meyer an einem Stand, an dem es Nudeln mit Tomatensoße gibt. „Quartiers-Schnibbeln“ steht hinten auf ihrem T-Shirt. Wieder ist der Name Programm, auch wenn kein unmittelbarer Bezug zum großen Thema Verkehrspolitik besteht. Für die Nudeln und die Soßen werden nur „gerettete Lebensmittel verwendet, wie Meyer erzählt, derweil sie unentwegt den Nudelteig knetet. Ihre Aktion sei im Rahmen des Hansa-Forums entstanden und finde demnächst eine feste Bleibe in den Räumen der B-Side am Hafen.

Hansa-Forum und B-Side haben auf der Hammer Straße eigene Stände, ebenso wie Greenpeace, ADFC und „Fridays for Future“.

Beutel „gegen Queerfeindlichkeit“

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist der Stand des Geschäfts „Frau Többen“, das fair gehandelte Textilien verkauft. Sabina Többen und Fynnja Wobken bedrucken T-Shirts und Jute-Beutel mit Slogans „gegen Queerfeindlichkeit“, wie Többen berichtet. Der Erlös der Aktion werde gespendet. Direkt habe ihre Aktion nichts mit dem „Parking Day“ zu tun. Aber im weiteren Sinne schon, da sich auch „Frau Többen“ der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz verschrieben habe.

„Parking Day“ in NRW

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