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Lage auf Intensivstationen

Pflegekräfte empört über Äußerung des UKM-Chefs

Münster

Die Lage auf vielen Intensivstationen ist angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen ernst. Hugo Van Aken, Chef der Uniklinik Münster, hat die Situation vor Ort als "entspannt" bezeichnet. Die Pflegekräfte sind empört und wütend.

Stefan Werding

Steht in der Kritik: Hugo van Aken Foto: Oliver Werner

Ein Zusammenschluss von Pflegenden aus den münsterischen Krankenhäusern kritisiert die Äußerungen von Hugo Van Aken zu den Intensivzahlen. Der Ärztliche Direktor der Uniklinik Münster hatte unter anderem in einem Interview mit unserer Zeitung die Lage auf den Intensivstationen in Münster als „entspannt“ bezeichnet. Er begründete das in der vergangenen Woche damit, dass die Uniklinik seit Dezember regelmäßig komplette Abteilungen gesperrt habe, um genug Personal für die Quarantäne-Stationen zur Verfügung zu haben.

Hannah Jander vom Verein „Muenstercares“ (Münster kümmert sich) widerspricht. Die Verschiebung von Pflegenden aus anderen Abteilungen auf Intensivstationen sei nicht so einfach, wie es sich anhöre. Schließlich hätten die oft eine andere Ausbildung und die Intensivpfleger nicht umsonst eine spezielle zweijährige Ausbildung abgeschlossen. Ein Augenarzt würde auch nicht auf einer Intensivstation aushelfen, meinte Jander. Und: „Deswegen sind die Pflegenden empört und wütend über Van Akens Bemerkungen.“

"Schlag ins Gesicht"

Die Diskrepanz zwischen Van Akens Worten und der von den Pflegenden empfundenen Realität auf den Stationen sei groß. Es sei durchaus denkbar, dass Münster besser durch die Krise komme als andere Städte. Die Inzidenzen seien vergleichsweise niedrig. Trotzdem empfänden es die Pflegenden, die direkt am Bett der Patienten stehen, als Schlag ins Gesicht, von einer „entspannten“ Lage zu sprechen.

In einem Schreiben von „Muenstercares“ an den Ärztlichen Direktor heißt es: „Wir erschraken besonders über Ihre auf uns nahezu ignorant wirkende Art, mit welcher Sie scheinbar über die prekäre Lage der Pflegekräfte hinweggehen und die Situation offensichtlich ganz anders beurteilen als wir, die wir tatsächlich am Bett der Patienten stehen.“

Sprachrohr der Pflegenden

In „Muenstercares“ haben sich nach Angaben von Hannah Jander, die selbst in der Uniklinik arbeitet, rund 20 Pflegende aus Münster zusammengeschlossen, die Sprachrohr der Berufsgruppe in Münster sein wollen.

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