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Eric Pfeil veröffentlicht sein neues Album

Pionier der Popgeschichte

Münster

Im Januar dieses Jahres geht es los. Eric Pfeil nimmt sein neues Album auf. Das wäre nichts Ungewöhnliches, wenn als Tonstudio nicht die Wohnstuben fremder Menschen gedient hätten. So heißt sein drittes Album „13 Wohnzimmer“. Pfeil ist hier Pionier in der Popgeschichte.

Carsten Vogel

Eric Pfeil hat sein neues Album in 13 Wohnzimmern aufgenommen. Eines davon war auch in einer Vierer-WG in Münster. Foto: Alfred Jansen

„Ich wollte eine Platte machen, die direkter und mehr lo-fi ist als meine ersten beiden Alben”, sagt Pfeil. „Lo-fi“ steht für „Low Fidelity“, Musik, die mit einfachem Equipment aufgenommen wird. Die Songs spielt er live ein. Die Schwierigkeit besteht darin, komplett neue Lieder zu bieten: kein Klatschen, weil das Publikum etwas zu erkennen glaubt, sondern jeden Abend Überzeugungsarbeit aufs Neue. Den Auftakt macht der 48-Jährige in Münster.

Am Freitag erscheint das Resultat dieser Neudefinition von Kammer-Konzerten. Im Booklet zum Album heißt es über den ersten Tag in Münster, dass es in der WG von Heike Neudeck und Ricarda Kock Käse-Lauch-Suppe gegeben, dass eine Bemerkung über den Münster-Tatort zu kurzem Protest geführt und dass er vor der größten Spielesammlung Westfalens gesungen habe.

„In Münster, beim Anfangsauftritt, haben Alfred Jansen, Fotograf und ich so lange mit den Leuten gefeiert, dass Lorenz Naumann, Produzent sich zwischendurch schon zum Schlafen ins leere Gastgeberbett legen musste“, sagt der Songwriter aus Bergisch-Gladbach.

Welcher Song in welcher Stadt aufgenommen wurde, lässt sich allenfalls erraten. Aber darum geht es gar nicht. Sondern zum einen um den Spielspaß, den Pfeil bei jedem Stück durchhören lässt. Zum anderen aber um die Songs selbst. Er erzählt kleine Geschichten („Zuckergewehr“), macht präzise Alltagsbeobachtungen („Leute, die ’s eilig haben“), philosophiert über den Tod („Um einen Sarg zu tragen, braucht man vier Leute“), wird surreal („In deinen Augen sehen“) und besticht mit Ansagen („Das hier ist ein Lied über ein Paar, das sich dringend mal trennen sollte“).

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Aufgrund ihrer One-Man-Show-Performance sind die Songs reduziert instrumentiert. Zur akustischen Gitarre gesellen sich mal Akkordeon, mal Geige, ein Banjo. Und das Geräusch von Gläsern oder einer Getränkekiste („Hund“). Im sechsten Stück der Platte heißt es: „Ein Lied ist wie ein nackter Mann, man kann einem Lied nicht in die Tasche fassen.“ Manchmal muss Pfeil dann selbst schmunzeln. Gerade das ist es, was das Album auszeichnet: Trotz der stets schwelenden Grund-Melancholie gibt es immer ein Augenzwinkern.

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