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Jens R. übte mit der Pistole

Polizei stellt nach Amokfahrt in Münster Ermittlungen ein

Münster

(Aktualisiert) Drei Monate nach der Amokfahrt von Münster mit insgesamt vier Toten hat die Polizei die Ermittlungen zur Tat eingestellt. Die ballistische Untersuchung und ein Bewegungsprofil haben keine Hinweise auf einen Mittäter geliefert.

Hilmar Riemenschneider, mit dpa

Am 7. April war ein Mann mit einem Kleintransporter vor dem Restaurant "Großer Kiepenkerl" in eine Gruppe von Menschen gerast. Foto: dpa (Archiv)

Es sei für die Ermittler jetzt klar, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt habe, sagte Münsters Polizeisprecher Andreas Bode: „Das Motiv lag ausschließlich bei dem toten Amokfahrer, es gab keine Mittäter.“ Abschließend prüft jetzt die Staatsanwaltschaft Münster, ob das Ermittlungsverfahren eingestellt wird.

Bei der Amokfahrt des 48 Jahre alten Jens R. am 7. April 2018 in der Altstadt von Münster waren neben dem Fahrer eines Kleinbusses drei Menschen getötet und mehr als 20 zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Von den 26 stationär behandelten Verletzten liegen noch drei im Krankenhaus, eine Person weiterhin auf der Intensivstation.

Ballistischer Abgleich ohne Treffer

Nach der Fahrt in eine Menschenmenge hatte der deutsche Täter sich selbst erschossen. Dazu nutzte er eine Waffe aus dem ehemaligen Jugoslawien, eine Selbstladepistole der serbischen Marke Crevna Zastava. Vor der Tat hat Jens R. offenbar dreimal in seinem Campingbus mit der Waffe geübt. Darauf deuten Einschusslöcher und Projektile hin, die die Fahnder im Fahrzeug gefunden haben.

Zuvor wurde die Pistole bei keiner bekannten Straftat verwendet. „Das hat die ballistische Untersuchung der gefundenen Projektile durch das Landeskriminalamt ergeben“, sagte Bode. In der Datenbank des Bundeskriminalamtes habe ein Abgleich keinen Treffer gebracht.

Amokfahrer reiste zwei Monate durch Deutschland

Der Amokfahrer von Münster, Jens R., ist in den zwei Monaten vor seiner Tat offenbar kreuz und quer durch Norddeutschland gefahren. Nach Informationen unserer Zeitung haben die Ermittler anhand der Mobilfunkdaten ein Bewegungsprofil des 48-jährigen Täters erstellt, das seine Fahrten zwischen dem Kreis Kleve im Westen und Berlin im Osten sowie zwischen Haltern im Süden und Bremerhaven im Norden nachzeichnet.

Einen Bezug zu der Amokfahrt, bei der Jens R. am 7. April mit seinem Campingbus auf die Sonnen­terrassen zweier Restaurants in Münsters Kiepenkerl­viertel raste, ergab sich für die Ermittler offenbar nicht. Zu seinen Zielen gehörten demnach Campingplätze, Gasthöfe, Supermärkte und der Bundestag.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Jens R. in Suizidabsicht handelte. Der Vater des 48-Jährigen nimmt an, dass ein psychisches Leiden seinen Sohn zu der Amokfahrt trieb. Diese Krankheit habe ihn in zwei Welten leben lassen, sagte er. Sein Sohn habe an „Verfolgungswahn“ gelitten.

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