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Missbrauchsfall Münster

Prozess gegen den Hauptbeschuldigten Adrian V. eröffnet

Münster

Auftakt im Prozess gegen den Hauptbeschuldigten im Missbrauchskomplex Münster: Die Anklage gegen Adrian V. und vier weitere Personen wurde verlesen - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die Opfer zu schützen.

Von Dirk Anger

Adrian V. neben zwei Verteidigern. Seit Donnerstag müssen sich der 27 Jahre alte Hauptbeschuldigte und drei weitere Männer im Missbrauch-Prozess von Münster vor dem Landgericht verantworten. Foto: Rolf Vennenbernd/dp

Die juristische Aufarbeitung des Missbrauchskomplexes Münster läuft in breitem Umfang an: Der Prozess gegen den mutmaßlichen Haupttäter hat am Donnerstag vor dem Landgericht begonnen. Neben dem 27-jährigen Adrian V. aus Münster müssen sich drei Männer im Alter von 30, 35 und 42 Jahren unter anderem wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in mehreren Fällen verantworten. Die Mutter von Adrian V. steht wegen Beihilfe vor Gericht.

In dem Prozess sind insgesamt bislang sechs Personen angeklagt. Der Prozess gegen einen 53-Jährigen aus Norderstedt hat bereits begonnen.

Anklageschrift umfasst 25 Seiten

Die Verlesung von 25 Seiten aus den insgesamt zwei Anklageschriften fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Gericht folgte damit dem Antrag einer Nebenklägerin, die das zehn Jahre alte Opfer aus Münster vertritt. Sie hatte auf die schutzwürdigen Interessen des ohnehin durch die Taten „schon erheblich belasteten“ Jungen verwiesen.

Auch für die möglichen Einlassungen der bisher schweigenden Angeklagten zu den Tatvorwürfen, die ab Freitag folgen sollen, bleibt die Öffentlichkeit außen vor. Ob das für den weiteren Verlauf des Verfahrens ebenso gelten wird, ließ das Gericht zunächst offen.

Trotz mehrerer Befangenheitsanträge der Verteidigung gegen den Vorsitzenden Richter sowie eine Ergänzungsschöffin nahm das Verfahren zum Auftakt seinen Lauf. Wann über diese Anträge entschieden wird, blieb unklar.

Schwerpunkt liegt auf Taten im April 2020

Ein Schwerpunkt des zunächst bis Ende Februar angesetzten Prozesses liegt auf Geschehnissen, die sich Ende April dieses Jahres in der Gartenlaube einer Kleingartenanlage in Münster zugetragen haben. Dort soll der 27-Jährige Hauptbeschuldigte zusammen mit den anderen drei Männern unter anderem aus Hannover und Schorfheide (Brandenburg) den zehnjährigen Sohn der Lebensgefährtin von Adrian V. sowie den fünfjährigen Sohn des Angeklagten aus Staufenberg (Hessen) gemeinschaftlich schwer sexuell missbraucht haben.

Mutter wegen Beihilfe angeklagt

Dabei wurden die Vorgänge in der Laube laut Staatsanwaltschaft von einer Videokamera aufgenommen. Insgesamt 30 Stunden werteten die Ermittler demnach allein für diesen Tatkomplex aus. Die Mutter von Adrian V. hatte den angeklagten Männern die ihr gehörende Laube überlassen – nach Einschätzung der Ankläger in dem Wissen um die geplanten Taten.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.
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