Mathilde-Anneke-Gesamtschule: Neue Ungereimtheiten 

Prüfer konnten nicht alle Unterlagen einsehen

Münster

Das Fiasko beim Bau der Mathilde-Anneke-Schule beschäftigte jetzt den Rechnungsprüfungsausschuss. Hier wurde in Zweifel gezogen, das dem Amt für Wirtschaftlichkeitsprüfung alle Schriftstücke rund um den Schulbau einsehen konnte.

Von Dirk Anger, Karin Völker und Klaus Baumeister

Ein Bauteil steht auf der Baustelle der Mathilde-Anneke-Schule. Hier geht es kaum voran Foto: Oliver Werner

Das Debakel um den prestigeträchtigen Holz-Bau der Mathilde-Anneke-Schule zieht immer weitere Kreise. Es geht inzwischen um mehr als die neuerliche Verzögerung und zusätzlichen Kosten bei dem aktuell größten Bauprojekt der Stadt Münster. Vielmehr steht die Frage im Raum, ob das Amt für Immobilienmanagement womöglich verhindern wollte, dass noch weitere Versäumnisse bekannt werden.

In einer nicht-öffentlichen Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses beklagte der Leiter des Amtes für Wirtschaftlichkeitsprüfung und Revision am Donnerstag, dass ihm und seinen Mitarbeitern nicht alle Unterlagen rund um die Mathilde-Anneke-Schule bei der Prüfung zur Verfügung gestellt worden seien, wie unsere Zeitung erfahren hat. Bei den Mitgliedern des Rechnungsprüfungsausschusses soll diese Nachricht in der Sitzung für Verwunderung gesorgt haben, heißt es. Einstimmig forderte der Ausschuss, dass die bislang nicht vorgelegten Unterlagen vorzulegen und zu prüfen sind. Insgesamt gibt es offenbar rund 600 beim Amt für Immobilienmanagement lagernde Akten zum Bau der Mathilde-Anneke-Schule.

Unterlagen sollen nachgeliefert werden

Nach Darstellung der Stadt von Freitag wurde den Prüfern zunächst ein umfangreiches Paket an Unterlagen zur Verfügung gestellt – „mit der Absicht, alle Vorgänge transparent zu machen“, wie es heißt. „Gleichwohl wurden im weiteren Verlauf weitere Unterlagen abgefragt, die selbstverständlich nachgeliefert werden“, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung. Aufgabe des Amtes für Wirtschaftlichkeitsprüfung und Revision ist es, das ordnungsgemäße und kostenbewusste Handeln der Verwaltung zu überprüfen. Im Fall von Bau und Planung der Mathilde-Anneke-Gesamtschule benannte der Prüfbericht, wie berichtet, schwere Fehler und Versäumnisse.

Weitere Pannen und Fehlplanungen

Unterdessen werden immer mehr Details zu den Pannen und Fehlplanungen rund um die neue Gesamtschule bekannt. So weist ein Insider darauf hin, dass bei der Gebäudehülle aus Holz das Ausschreibungsergebnis bereits um acht Millionen Euro über der Kostenschätzung gelegen haben soll. Bei der Ausschreibung hätten interessierte Firmen gewaltige Mengen an Unterlagen innerhalb kürzester Zeit studieren müssen, was dazu geführt habe, dass nur wenige Angebote abgegeben worden seien.

Darüber hinaus verweist der Insider darauf, dass die technische Gebäudeplanung eigentlich vor der Ausschreibung der Rohbauarbeiten hätte vorliegen müssen, was aber nicht der Fall gewesen sei. Ein Kenner der münsterischen Baubranche nimmt auch das Preisgericht in die Pflicht, das seinerzeit die Entscheidung zu Gunsten des jetzt in der Kritik stehenden Holzgebäudes getroffen habe. Alternativ hätte auch die Möglichkeit bestanden, leichter zu realisierende Konzepte zu küren.

Oberbürgermeister will mit Verantwortlichen sprechen

Wie die von Oberbürgermeister Markus Lewe angekündigten Konsequenzen in dem gesamten Vorgang aussehen, bleibt vorerst indes vage: „Die Voraussetzung dafür sind persönliche Gespräche mit den Verantwortlichen, rechtliche Prüfungen und eine Abstimmung mit der Politik“, teilte die Stadtverwaltung gegenüber unserer Zeitung mit.

Kommentar: So geht es nicht weiter

Oberbürgermeister Markus Lewe und Immobiliendezernent Matthias Peck sind im persönlichen Gespräch zwei angenehme Zeitgenossen, aber darum geht es hier nicht. Denn beide tragen Verantwortung für Pleiten, Pech und Pannen beim ambitionierten Bauprojekt der Mathilde-Anneke-Gesamtschule – jeder auf seine Weise: Lewe als Verwaltungschef per se immer und Peck als zuständiger Immobiliendezernent für das Fachliche.

In dessen Bereich ist in der Vergangenheit schon viel zu häufig etwas schief gelaufen, wie wiederkehrende Nachrichten von Kostensteigerungen und verfehlter Terminplanung belegen. Die Stadt hat das längst einen zweistelligen Millionen-Betrag gekostet. Jetzt müssen zusätzlich Schulkinder das Missmanagement ausbaden. Traurig!

Das ganze Ausmaß in dieser Sache ist noch nicht absehbar. Doch schon jetzt muss sich der Oberbürgermeister fragen, warum er den Immobiliendezernenten, von dessen Qualitäten die Grünen einst überzeugt waren, so lange gewähren ließ. Dass es für Peck so nicht einfach weitergehen kann, liegt auf der Hand. Von Dirk Anger

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