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LWL-Museum

Pussy Riot in Münster: Mit Punk gegen Putin

Münster

Schrill, laut und frech hat das russische Künstlerinnenkollektiv Pussy Riot am Montagabend im LWL Museum für Kunst und Kultur seine Positionen deutlich gemacht: Freiheit für Russland und alle dort politisch Inhaftierten, Ende des Krieges in der Ukraine, Menschenrechte.

Von Claudia Kramer-Santel

Pussy Riot performen im LWL-Museum am Montagabend in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Mit Punk gegen Putin: Das Protestkunst-Kollektiv „Pussy Riot“ macht am Montagabend bei seiner Deutschland-Tournee in Münster Station. Vor zehn Jahren wurde die Band über Nacht berühmt, als sie mit ihrer Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale und einem provokativen Punk-Gebet am Altar gegen den russischen Staat und die orthodoxe Kirche protestierten.

Mit bunten Sturmhauben waren sie zuvor immer wieder spontan und illegal an öffentlichen Plätzen aufgetreten, äußerten Kritik an Russlands Regierung, setzten sich für Feminismus ein. Wirkte das alles damals etwas „drüber“ erscheint es heute als weitsichtige Kritik am System.

Internationaler Protest gegen Urteil

Marija Aljochina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch wurden damals festgenommen. Nach U-Haft und einem umstrittenen Gerichtsprozess folgte der Schuldspruch wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ und zwei Jahre Straflager. Um gegen die brutalen Bedingungen zu protestieren, traten die Mitglieder teils in Hungerstreik. Manchmal mussten die Frauen stundenlang in der Eiseskälte stramm stehen.

Das harte Urteil löste großen internationalen Protest aus – und machte die Band weltberühmt. Nach ihrer Freilassung trafen die Bandmitglieder unter anderem Madonna und Hillary Clinton; sie spielten sich selbst in der Serie „House of Cards“. In Deutschland wurde ihnen der Hannah-Arendt-Preis verliehen.

Spenden sammeln für die Ukraine

Im Mai machte Aktivistin Maria Aljochina – eigentlich unter Hausarrest gestellt – mit einer spektakulären Flucht aus Russland Schlagzeilen. Verkleidet als Essenslieferantin entkam sie den Überwachern und gelangte über Belarus, Litauen und Island nach Deutschland. Immer wieder war vor allem Aljochina zuvor ins Visier der russischen Strafverfolgungsbehörden geraten, etwa auch im Zusammenhang mit Demonstrationen für den eingesperrten Kremlgegner Alexej Nawalny.

Das Künsterinnenkollektiv Pussy Riot vor ihrem Konzert im LWL-Museum. Foto: Oliver Werner

Jetzt tourt sie durch Deutschland – zusammen mit Pussy-Riot-Mitstreiterinnen, die ebenfalls seit dem Einmarsch aus der Ukraine aus Russland fliehen konnten. Pussy Riot besteht ohnehin inzwischen aus etwas einem Dutzend Mitgliedern. Sie wollen Spenden sammeln für die Ukraine. Fest steht: Sie lassen sich nicht unterkriegen und sind kein bisschen leiser, auch nicht nach ihrer Verurteilung und Verfolgung durch den russischen Staat.

Graffito in Münster

Etwas müde tauchten die vier Pussy-Riot-Mitglieder vor dem Konzert auf: Ganz in schwarz erklärt Marija Wladimirowna Aljochina auf der Terrasse des LWL-Museums bei einem Kaffee ihre Botschaft: „Jeder kann Pussy Riot sein. Wichtig ist es, die Wahrheit über Putin zu verbreiten. Wir wollen Leute zum politischen Aktivismus inspirieren.“

Ärger mit der Polizei haben sie nicht nur in Russland. Drei Mitglieder von Pussy Riot sind vor ein paar Tage  in Bern verhaftet worden. Grund dafür: Ein illegales Anti-Kriegs-Graffito. „Nicht wir sollten verhaftet werden , sondern die Oligarchen“, sagen sie dazu.

Auch in Münster hätten sie ein Graffito gemacht, wurde vor dem Konzert gemunkelt. Wo? Das ist geheim.

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