1. www.wn.de
  2. >
  3. Muenster
  4. >
  5. Radfahrer haben einen schlechten Ruf

  6. >

Münster-Barometer

Radfahrer haben einen schlechten Ruf

Münster

Münster wird zunehmend mobil – auf der Leeze. Das ist ein Ergebnis des Münster-Barometers unserer Zeitung.

Karin Völker

Immer mehr Münsteraner steigen um aufs Rad als Hauptverkehrsmittel. Foto: Foto: Helmut Etzkorn

Es ist keine Überraschung, dass das Fahrrad in Münster das meistgenutzte Verkehrsmittel ist. Interessant ist aber: Die Leeze ist im Laufe der vergangenen 23 Jahre für immer mehr Menschen zum Verkehrsmittel der ersten Wahl geworden.

Das zeigt eine Analyse der repräsentativen Meinungsumfrage Münster-Barometer, die seit 1993 regelmäßig von unserer Zeitung zwei Mal jährlich in Auftrag gegeben wird.

Die Forschungsgruppe Bema am Institut für Soziologie der Universität Münster hat bei jeder der bislang 46 Umfragen dieselbe Eingangsfrage gestellt: „Welches Verkehrsmittel benutzen Sie überwiegend, wenn sie in Münster unterwegs sind?“

WN-Special

Münster-Barometer

Schon seit der ersten Befragung ist das Fahrrad vor dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich auf Platz eins. Die ersten Befragungen in den 90er-Jahren ergaben unabhängig von jahreszeitlichen Schwan­kungen einen Durchschnittswert von 47 Prozent der Münsteraner, die vorwiegend Fahrrad fuhren.

Das Auto nutzten damals bevorzugt 30 Prozent, Bus und Bahn 19 Prozent. Mittlerweile liegt der Durchschnittswert der hauptsächlich Radfahrenden bei 50 Prozent.

Sei es dem Ausbau des Radwegenetzes, dem Siegeszug der Pedelecs oder einem gestiegenen Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein geschuldet: Der Anteil der Radnutzer steigt über die Jahre kontinuierlich nach oben. Während die Zahl der überwiegenden Autofahrer in etwa konstant geblieben ist, wird die Menge derer, für die Bus und Bahn in der Stadt Hauptverkehrsmittel sind, kleiner.

Foto: Presseamt Münster/Grafik: Jürgen Christ

Auch wenn der Anteil der überwiegenden Radfahrer in der Gruppe der über 65-Jährigen gegenüber jüngeren Münsteranern deutlich sinkt, bleibt der Drahtesel auch für die Älteren das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel. 38 Prozent der über 65-Jährigen sagen aktuell, sie fahren meist Fahrrad.

32 Prozent von ihnen nehmen in der Regel das Auto. Bei den Jüngeren fahren aktuell 61 Prozent der unter 35-Jährigen bevorzugt Rad, 57 Prozent der 35 bis 50-Jährigen und 53 Prozent der 50- bis 65-Jährigen.

Fahrrad fährt in Münster übrigens nicht, wer sich das Auto nicht leisten kann: Menschen mit hohem Einkommen strampeln noch häufiger bevorzugt auf der Leeze als Münsteraner, die weniger verdienen.

Wer viel Fahrrad fährt, hat oft auch mehr als ein Rad: 33 Prozent der Münsteraner geben an, zwei Räder zu besitzen, zwölf Prozent haben gar drei und mehr Fahrräder. Nur 6,7 Prozent der Befragten hat gar kein Fahrrad, 47,9 Prozent eine Leeze.

Was nervt Radfahrer in Münster?

Auf diese Frage haben wir viele Antworten bekommen.

Aber auch Autos sind in den münsterischen Haushalten weit verbreitet: In 57,2 Prozent der Haushalte gibt es einen Pkw, über ein Viertel der Haushalte (26,9 Prozent) hat zwei Autos.

Die aktuelle Umfrage aus diesem Frühjahr zeigt auch: So ausgeprägt die Liebe der Münsteraner zum Fahrrad ist – so negativ oder auch selbstkritisch beurteilen sie das Verkehrsverhalten der Radfahrer.

Sie haben keinen guten Ruf: Rabiate Radfahrer werden von den Menschen in der Stadt sehr viel häufiger wahrgenommen als rücksichtslose Autofahrer.

54 Prozent der Münsteraner beurteilen das Verhalten der Radfahrer in Münster als eher rücksichtslos, aber nur 27 Prozent sagen dasselbe von Autofahrern.

Startseite
ANZEIGE