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Vertrauensverlust

Reul setzt Polizeipräsidenten von Münster ab

Münster

NRW-Innenminister Herbert Reul hat Münsters Polizeipräsidenten Rainer Furth von seinem Amt entbunden. Furth war erst im Februar nach Münster gewechselt.

Dirk Anger

NRW-Innenminister Herbert Reul (l.) hat das „erforderliche Vertrauen in die Amtsführung des Polizeipräsidenten“ von Münster, Rainer Furth (r.), verloren. Foto: Collage (Quelle: dpa)

Münsters Polizeipräsident Rainer Furth, erst seit Februar dieses Jahres im Amt, muss überraschend seinen Posten räumen: Auf Vorschlag von NRW-Innenminister Herbert Reul hat das Landeskabinett den 63-Jährigen am Dienstag in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Das bestätigte ein Sprecher des Ministeriums unserer Zeitung am Abend.

„Der Minister hat nicht mehr das für diese besonders verantwortungsvolle Funktion erforderliche Vertrauen in die Amtsführung des Polizeipräsidenten“, sagte ein Sprecher von Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch zu der Entscheidung.

Missbrauchskomplex soll keine Rolle gespielt haben

Die Gründe seien jedoch ausdrücklich nicht im laufenden großen Ermittlungsverfahren zum sexuellen Kindesmissbrauch von Münster zu finden, ergänzte der Sprecher. Furth hatte bei der Pressekonferenz dazu Anfang Juni mit emotionalen Worten von den grausamen Entdeckungen schlimmer Gewalttaten an Kindern berichtet und war so einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden.

Angeblich sollen unterschiedliche Arbeitsauffassungen zwischen Furth und dem Ministerium für die Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Dabei soll es dem Vernehmen nach auch um den Umgang mit einigen Mitarbeitern im Präsidium gegangen sein. Zudem könnten gesundheitliche Gründe hineingespielt haben.

Nachfolger von Hajo Kuhlisch gilt als Hardliner

Furth hatte erst im Februar 2020 die Nachfolge von Hajo Kuhlisch angetreten. Er hat sich in Münster bereits nach wenigen Monaten wegen seines entschiedenen Kampfs gegen Kriminalität und Drogen im Bahnhofsmilieu einen Namen als Hardliner gemacht.

Die Nachfolge Furths will das Ministerium „relativ kurzfristig“ regeln, teilte ein Sprecher mit. Bestenfalls kurz vor den Herbstferien könnte die Personalie geregelt sein. Furth ist vor einem halben Jahr auf den Chefsessel in Münster gekommen als Nachfolger von Hajo Kuhlisch. Zuvor war er Polizeipräsident in Krefeld. Bei seiner Einführung im Februar hatte der Innenminister Furth noch für sein entschlossenes Vorgehen gegen Straftaten gelobt.

Rainer Furth kam 1979 nach Münster, um Jura zu studieren. Nach dem ersten und zweiten juristischen Staatsexamen arbeitete er unter anderem bei der Bezirksregierung Münster, beim Kreis Warendorf, im nordrhein-westfälischen Innenministerium und war lange Zeit Leiter der Abteilung Verwaltung und Logistik im Polizeipräsidium Münster. Ab 2008 war er Polizeipräsident in Krefeld, seit Februar 2020 Leiter des Polizeipräsidiums Münster.

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