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Viele Besucher zeigen Verständnis für Maßnahmen

Richtiger Ansatz, aber keine endgültige Lösung

Münster

Zugegeben: Die Besucher des Aasees, die sich am frühen Abend die Situation anschauten, konnten noch nicht wissen, wie sich die Nacht entwickeln würden. Vielleicht zeigten viele auch deshalb Verständnis für die Maßnahmen von Stadt und Polizei. Und doch schwangen aus manchen Worten bereits böse Vorahnungen mit.

Timo Gemmeke

Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes auf Patrouille. So lange es noch hell war, blieb die Stimmung am Aasee am Freitag friedlich. Foto: Timo Gemmeke

Strengere Sicherheitsvorkehrungen sollten die Probleme mit der Party- und Poser-Szene am Aasee vergangenes Wochenende eindämmen. Bevor ein aggressiver Teil der Feiernden seinen Unmut darüber mit Flaschenwürfen und Angriffen auf Polizisten äußerte, zeigten sich viele verständnisvoll für die Maßnahmen.

Am frühen Freitagabend gleicht die Fläche an den Aaseekugeln einem Festivalgelände, nur ohne Festival. Im gesamten Bereich des Ufers an der Bismarckallee, herum um die Grünfläche, zur Brücke an der Adenauerallee steht ein Metallzaun. An den wenigen, konzentrierten Eingängen warten Mitarbeiter eines von der Stadt angestellten Sicherheitsdienstes auf Besucher, und die knallorangenen Mülltonnen daneben auf deren Glasflaschen.

(Zu) Mildes Sicherheitspersonal?

Die Kiste Bier hat wenig Chancen auf Einlass, eine Schnapsflasche versteckt im Rucksack schon eher. Das wissen nicht nur Beobachter am Zaun, die sich die fremde Szenerie etwas länger anschauen, sondern auch einige vorwiegend jüngere Feiernde, die es mit den neuen Regelungen nicht ganz so ernst nehmen.

„Sieht ja keiner“, scheinen einige zu denken – und haben in den meisten Fällen sogar recht. Viel ist rund um die Kugeln bisher eh nicht los, und vielleicht stimmt die wirklich noch entspannte Stimmung das Sicherheitspersonal milde.

Für diesen Abend auf Dosenbier umzusteigen ist für Malte, Christian und Florian kein Problem. Die drei Studierenden haben das Treiben der vergangenen Woche zwar nicht direkt, aber mehrfach auf dem Heimweg von Freunden mitbekommen.

Student Malte

Dass Polizei und Stadt nun verschärft reagieren, sei „völlig nachvollziehbar“, meint Malte. „Ich denke, das ist ein gutes Maß. Alles abzusperren, wäre wahrscheinlich schwer umsetzbar und irgendwie auch ein harter Einschnitt für andere Bürger, die nicht feiern, sondern spazieren wollen oder so.“

Ob das generelle Problem mit der Poser- und Partyszene damit umgangen werde, zweifeln die drei jungen Männer an. „Wer eskalieren will, kann auch woanders hingehen. Dafür ist Münster groß genug“.

Maßnahmen werden als richtig eingeschätzt

Ein ähnlicher Tenor herrscht bei Mahmot, Orhan, Jannis, Genco und Murat. Sie waren in den vergangenen Wochenenden vor Ort, und auch sie finden die neuen Maßnahmen „gut und richtig“. Weil sie selbst keinen Alkohol tränken, sei das Glasflaschenverbot gar kein Problem; die erhöhte Präsenz von Polizei und Ordnungsamt genauso wenig.

„Vielleicht passiert dann auch weniger Dummes hier“, sagt Orhan und meint: weniger Schlägereien, weniger Stress, weniger sexuelle Belästigung von Frauen. Doch auch die Fünf sehen im Ganzen eher eine Verlagerung als Lösung des Problems.

„Wer feiern will, guckt einmal bei Instagram und findet direkt eine Party“, erzählt Jannis. Was besser wäre? „Clubs öffnen, dann müssen nicht mehr alle draußen feiern und in so großen Gruppen aufeinander treffen. Das gibt dann eben mal Stress.“

Verständnis für ausgehungerte Jugend

Nach Stress sieht das Treiben am See auch gegen 21 Uhr noch nicht aus – vor allem nicht von hinter dem Zaun betrachtet, wo Thomas und Ingrid Pankok aus Drensteinfurt kurz Halt machen. Die beiden haben in ihren Tüten keinen Alkohol, sondern Shoppingware aus der Stadt – und passen auch sonst nicht ganz ins Muster der typischen Aasee-Partypeople.

Verständnis dafür, dass „die jungen Leute nach dem letzten Jahr mal wieder feiern wollen“, haben sie trotzdem. „Die Party ganz zu nehmen, das wär nicht fair“, meint Thomas Pankok. Es sei eben das „gewisse Maß“, bei dem eine Party gut, aber eben auch friedlich bleibt.

Mit den neuen Sicherheitsvorkehrungen sehe es ja auch genau danach aus – nach einer friedlichen Party. „Wenn jetzt noch alle auf Abstand achten, das wäre toll. Schließlich ist die Pandemie ja noch nicht vorbei. Aber hoffentlich bleibt es so friedlich, wie jetzt gerade.“ 

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