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Für ihren Glauben und gegen Gewalt

Rund 300 kurdische Jesiden demonstrierten ohne Gegenprotest in Münsters Innenstadt

Münster

Die Jesiden sind am Freitag in Münster auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten lautstark gegen die brutale Verfolgung ihrer Religionsgemeinschaft im Irak.

Maria Meik

Rund 300 kurdische Jesiden demonstrierten am Freitag in Münster gegen Gewalt an ihrer Glaubensgemeinschaft im Irak. Foto: Oliver Werner

Mütter mit ihren Kleinen im Kinderwagen, junge Frauen und zahlreiche Jugendliche formierten sich auf der Windthorststraße. Sie zählen zur Religionsgemeinschaft der Jesiden, die am Freitagnachmittag in der Friedensstadt Münster aufmarschierten, um die Münsteraner gegen das brutale Vorgehen der islamisch-fundamentalistischen Gruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak wachzurütteln – damit nicht mehr Blut gegen die Minderheit der Jesiden fließt.

Nach Schätzung der Polizei waren es 300 Kurden, die lautstark und auf Plakaten für ihre Glaubensgemeinschaft in der Stadt Sengal in Südkurdistan eintraten. Ein Junge schwenkte die Fahne der Jesiden mit einem Vogel, der auf einem Turm thront. Umgeben von den Farben Grün, Rot und Gelb.

„Das sind heilige Farben“, erklärte ein Kurde aus dem Münsterland, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Wir glauben an Gott, an die Menschen. Es ist nicht erlaubt, zu töten. Wir befolgen die Gebote, lehnen Feindschaft ab und möchten, dass alle Menschen, gleich welcher Religion, in Frieden und in Freiheit leben.“

Anders als kürzlich im ostwestfälischen Herford, wo es zu Ausschreitungen zwischen Sympathisanten der Terrorgruppe IS und kurdischen Jesiden kam, verlief die Demonstration in Münster friedlich. Die Polizei sicherte sich mit Blick auf die Krawalle in Herford ab, um nach Auskunft des Polizeisprechers Roland Vorholt mögliche Konflikte im Keim zu ersticken. Daher wurden die Polizeikräfte leicht verstärkt.

„Zusammen für Frieden und Menschlichkeit“, stand auf der Banderole des Deutsch-kurdischen Freundeskreis Senden, der vorneweg zum Prinzipalmarkt zog. „Wer schweigt, stimmt zu“, „Isis mordet“, Solidarität mit den Menschen in Shingal“, „Stoppt den Genozid“ stand auf den Plakaten geschrieben. Mit dabei auch der frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen und Friedenspolitiker Winfried Nachtwei, dem es wichtig war, die Minderheit bei ihrem Protest gegen Gewalt nicht allein zu lassen.

„Der Kanton Sengal ist eine heilige Stätte und wird im Alten Testament als Himmel erwähnt“, berichtete Medina Atalan, die an der türkisch-syrischen Grenze aufwuchs und als junges Mädchen mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist. In Münster hat sie Sozialpädagogik studiert. Die Glaubensgemeinschaft der Jesiden sei älter als das Christentum. „Unser Hauptgebet schließt mit den Worten: Herr schütze alle Völker dieser Erde und uns.“

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