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Multimedia-Ausstellung zum Kultfilm „Alle Jahre wieder“

Schamonis unbestechlicher Blick auf Münster

Münster

Ulrich Schamonis Münster-Film „Alle Jahre wieder“ kam 1967 heraus. 2020 folgte ein umfangreiches Filmbuch, das Szenen des Films in der Gegenwart nachstellte. Nun wurde mit einem Jahr Corona-Verspätung die dazugehörige Ausstellung im Stadtmuseum eröffnet.

Von Lukas Speckmann

Prof. Thorsten Hennig Thurau (l.) eröffnete die „Alle Jahre wieder“-Ausstellung im Stadtmuseum. Foto: Oliver Werner

„Alle Jahre wieder“ ist ein Gesamtkunstwerk. Wer mag, kann sich Ulrich Schamonis Münster-Film zuhause auf DVD ansehen. Oder ab dem ersten Advent (28. November) auf großer Leinwand im Schlosstheater, wo er – wie alle Jahre wieder – zum Vorweihnachtsprogramm gehört. Man kann sich das vor einem Jahr veröffentlichte monumentale Filmbuch „Alle Jahre wieder in Münster“ besorgen und staunend darin blättern. Oder die gleichnamige Ausstellung im Stadtmuseum besuchen, die Samstag (27. November) eröffnet wird.

Wer ganz viel Glück hat, kann aber auch Prof. Thorsten Hennig-Thurau durch die Ausstellung begleiten, den Mitherausgeber des Buches und Initiator der Schau: Wenn der nämlich einmal in Fahrt gerät, gibt es kein Halten mehr. Er kennt alle Einzelheiten von Film, Buch und Ausstellung. Von ihm stammte die Idee, die Originalschauplätze des Films aufzusuchen, berühmte Szenen mit Münsteranern von heute nachzustellen und die Geschichte des Films an der Gegenwart zu spiegeln. Die Fülle der Details ist überwältigend.

Rundgang zu 14 Drehorten

Die kleine Präsentation im Friedrich-Hundt-Studio hätte schon vor einem Jahr eröffnet werden sollen, zugleich mit der Veröffentlichung des Buches. Wegen Corona wurde sie um ein Jahr verschoben. Sie orientiert sich an Hennig-Thuraus Konzept: Es gibt einen multimedialen Rundgang mit Text, Requisiten, Bild, Ton und Filmausschnitten zu 14 ausgewählten Drehorten. Dabei sind gerade auf den großformatigen Szenen-Fotos Kleinigkeiten zu entdecken, die bislang sogar dem Herausgeber entgangen sind: Zum Beispiel die Sektgläser, die als Requisiten im Hintergrund verblüffend oft zu sehen sind.

Die Leute sehen anders aus

Die Ausstellung ist aber auch in Feierlaune: Sie passt genau zum Stadtmuseumsformat historischer Bilddokumente und zeigt unbestechliche Münster-Ansichten der Jahre 1966/67, demonstriert aber auch, wie sich die Stadt und ihre Menschen in den vergangenen 55 Jahren verändert haben. Denn die Statisten des Films und die Statisten des Filmbuchs sind gleichermaßen ganz normale Münsteraner. Hennig-Thuraus-Fazit: „Die Leute sehen schon anders aus . . .“ Regisseur Ulrich Schamoni habe versucht, das Münster seiner Gegenwart lebendig abzubilden: „Deshalb ist es ja auch ein Film über Münster.“

Gerade deshalb sei die Ausstellung im Stadtmuseum genau richtig, meint Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé: „Es ist ein einzigartiges Porträt der Heimatstadt des Regisseurs am Vorabend der sich anbahnenden 1968er-Bewegung.“ Im Flur hat das Team um Kurator Dr. Axel Schollmeier sogar ein kleines Kino aufgebaut: Hier sind bislang unveröffentlichte Münster-Dokumentaraufnahmen aus den 60er-Jahren zu sehen. Die beiden Kinosessel sind Original-Überbleibsel aus der „Kurbelkiste“.

Kult im Kino

„Alle Jahre wieder in Münster – Wenn Film- auf Stadtgeschichte trifft“: Ausstellung bis zum 27. Februar im Stadtmuseum. Das Buch „Alle Jahre wieder in Münster“ (Aschendorff-Verlag, 354 Seiten, 24,90 Euro) ist im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich. Im Museumsshop gibt es auch die DVD.

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