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Sunnitischer Groß-Imam besucht die Universität Münster

Scheich setzt Zeichen gegen Extremismus

Münster

Groß-Imam Ahmad Mohammad al-Tayyeb ist einer der wichtigsten Repräsentanten der Sunniten. Am Donnerstag nahm er in Münster an einer interreligiösen Konferenz teil.

Karin Völker

Groß-Scheich  Ahmad Mohammad al-Tayyeb (Mitte) bei der interreligiösen Konferenz im Schloss der Universität im Gespräch mit dem münsterischen Islamtheologen Prof. Mouhanad Khorchide (l.) und Uni-Prorektor Prof. Stefan Ludwig. Foto: Oliver Werner

Groß-Imam Ahmad Mohammad al-Tayyeb ist einer der wichtigsten Repräsentanten der Sunniten und damit der mächtigsten Glaubensrichtung des Islam. Mit seinem Besuch in Deutschland und an der ­Universität Münster wollte der 70-jährige Scheich der Kairoer Al-Azhar-Universität ein Friedens-Zeichen setzen.

Am Donnerstag wiederholte er bei einer von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze eröffneten interreligiösen Konferenz im Schloss der Universität Münster, was ihm in der desolaten Situation im Nahen und Mittleren Osten und angesichts des weltweiten islamistischen Terrors besonders wichtig ist: „Der Islam ist eine fried­liche Religion.“ Und: Der Islam missioniere nicht und respektiere andere Religionen neben sich, unterstrich er in seiner Ansprache in der Aula der Universität. „Gott hat nicht Menschen unterschiedlicher Religionen geschaffen, damit sie sich gegenseitig töten.“

Dass dennoch in seiner Heimat und in vielen anderen islamischen Ländern Gewalt herrsche, liege nicht nur an regionalen Konflikten, sondern an der weltpolitischen Großwetterlage, „der Geschichte hegemonialen Strebens“, der „Ungleichheit des reichen Nordens und des armen Südens“.

Ein Zeichen für die hohe Sensibilität der Stellung­nahmen des Scheichs: Erst kurz vor ihrem Beginn war die Konferenz für die Medien öffentlich geworden. Beim Pressegespräch waren keine Fragen an den Scheich zugelassen. Hier distanzierte sich al-Tayyeb noch einmal von jeder Form des Terrorismus im Namen des Islam.

„Religion muss Rechenschaft abgeben vor der Vernunft“, sagte der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke als Vertreter der katholischen Kirche. Interreligiöser Dialog bedeute nicht, sich gegenseitig zu überzeugen, sondern zu verstehen. Der Schweizer evangelische Pfarrer Thomas Wipf als Moderator des „European Council of Religious Leaders“ fordert eine neue Phase des interreligiösen Dialogs. Es reiche nicht zu betonen, der Islam sei eine friedliche Religion, sagte er gewandt an die Muslime. „Wir müssen uns alle selbst fragen, wo unsere Religion zur Gewaltbereitschaft beiträgt.“

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