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Panische Angst vor Containern

Schimmel ist das kleinere Übel

Münster

Die sechs aus Eritrea geflüchteten Männer sind momentan an der Grevener Straße in einem Haus untergebracht, an dem so ziemlich alles kaputt ist. Dennoch weigern sie sich, in neue, von der Stadt bereitgestellte Containerwohnungen umzuziehen. In Containern wurden die Männer in Libyen gefangen gehalten.

Klaus Baumeister und Jennifer von Glahn

In diesem verschimmelten Quartier an der Grevener Straße werden die Flüchtlinge aus Eritrea noch länger bleiben, weil sie nicht in einen Container umziehen möchten. In Libyen wurden sie monatelang in Containern gefangen gehalten. Foto: jvg

Ihre alte Unterkunft ist kaputt, ihre neue Unterkunft löst Angstzustände aus – in Münster spielt sich derzeit ein Drama ab, in dessen Mittelpunkt sechs Flüchtlinge aus Eritrea stehen.

Die Zustände in dem aktuellen Flüchtlingsheim sind untragbar. Es stinkt, die Wände schimmeln vor sich hin, die Toiletten sind in einem schlechten Zustand, die Türen sind kaputt. Kurz und gut: Das Haus Grevener Straße 45 ist eine Bruchbude. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil es sich um ein Gebäude handelt, das demnächst abgerissen werden soll.

Wegen der hohen Zahl an Asylbewerbern hat das städtische Sozialamt vorübergehend auf diesen Abrisskandidaten zurückgegriffen. Eigentlich sollte damit jetzt Schluss sein, so Heinz Lembeck, beim Sozialamt zuständig für Flüchtlingsunterkünfte. Sprich: An der Nieberdingstraße entstand eine neue Containerunterkunft, wohin die sechs Eritreer ziehen sollten.

Jetzt aber bleiben sie vorerst doch an der Grevener Straße, „weil sie panische Angst vor Containern haben“, so der Sprecher einer privaten Hilfsinitiative, die sich der Menschen angenommen hat und einen Pressetermin organisierte.

Bevor die Flüchtlinge nach Europa gelangten, wurden sie monatelang von libyschen Behörden festgehalten und in Containern in eingesperrt. „Die Flüchtlinge haben erlebt, wie andere in dem völlig überfüllten Container starben, sie sind traumatisiert.“

Heinz Lembeck steht jetzt vor der Alternative: Pest oder Cholera? Die modernen Container an der Nieberdingstraße würden „eine objektive Verbesserung der Wohnsituation“ darstellen. Zugleich hat der Sozialamtsmitarbeiter aber auch Verständnis dafür, wenn eine bestimmte Form der Unterbringung mit schweren Angstzuständen verbunden ist.

Zwar sei der Fall der sechs Eritreer in seiner Zuspitzung „sehr speziell“, so Lembeck. Generell sei aber festzustellen, dass die zunehmende Zahl traumatisierter sowie erkrankter Flüchtlinge die Unterbringung erschwere – von der hohen Zahl der Flüchtlinge ganz abgesehen.

Ungeachtet dessen will das Sozialamt aber dafür sorgen, dass den sechs Flüchtlingen eine neue Unterkunft außerhalb eines Containers angeboten wird. 

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