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Trauer um Chirurgen Hermann Bünte

Sein berühmtester Patient war der Papst

Münster

Der münsterische Chirurg Hermann Bünte ist berühmt für die von ihm entwickelten Operationsmethoden. Berühmt machte ihn vor allem ein Patient. 1981 behandelte er den nach einem Attentat schwer verletzten Papst Johannes Paul II. Bünte ist jetzt im Alter von 91 Jahren gestorben.

Karin Völker

Der münsterische Chirurg Prof. Hermann Bünte (r.) in Münster beim Papstbesuch 1987 mit Johannes Paul II. und dem damaligen Bischof Reinhard Lettmannn. Bünte war 1981 nach dem Attentat auf den Papst an dessen Krankenbett gerufen worden. Foto: privat

Als Chirurg hat Prof. Dr. Hermann Bünte in seiner langen Laufbahn am Universitätsklinikum vielen Menschen geholfen. Berühmt machte ihn aber vor allem ein einziger Patient. Nachdem im Mai 1981 auf den damaligen Papst Johannes Paul II. ein lebensgefährliches Attentat verübt worden war, wurde Bünte vom Vatikan an dessen Krankenbett nach Rom gerufen. Damals wurde der auf die Chirurgie des Bauchraums spezialisierte Chirurg weltberühmt.

Nun ist Hermann Bünte im Alter von 91 Jahren gestorben. Bünte, gebürtig aus Nürnberg, kam 1973 als Ordinarius für das Fach Chirurgie an das Universitätsklinikum Münster, wo er bis 1996 als Chef der chirurgischen Klinik wirkte. Hermann Bünte war Spezialist für Bauch-Operationen, entwickelte zahlreiche Operationsmethoden, die bis heute in der Chirurgie Standard sind. Das sagt Prof. Dr. Martin Langer, stellvertretender Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum. Langer gehört zu den zahlreichen Schülern Büntes und war im Jahr 1995 dessen letzter Doktorand.

Ein „bescheidener Mensch“

Mit Hermann Bünte zu operieren, bleibt Langer, der als dessen Privatassistent arbeitete, immer noch als „beeindruckende Erfahrung“ im Gedächtnis – ebenso wie die Persönlichkeit des Chirurgen. „Er war ein bescheidener Mensch, ziemlich wortkarg“, erzählt Langer – an der Fakultät und in der Klinik gab es dazu die Redensart, dass etwas „kurz und büntig“ gesagt wurde.

Apropos Bescheidenheit – auch nachdem Bünte, zusammen mit einem US-amerikanischen Kollegen als einzige ausländische Mediziner zum verletzten Papst gerufen worden war, machte er darum nicht viel Aufhebens, so Langer.

Mit dem Hubschrauber nach Rom

So habe Bünte zuerst an einen Scherz geglaubt, als er an der Universität aus einer laufenden Senatssitzung hinausgerufen wurde, er müsse jetzt sofort zum Papst nach Rom. Ein Hubschrauber habe den Chirurgen dann tatsächlich direkt vom Universitätsklinikum aus abgeholt und ausgeflogen. In Rom empfahl der Experte aus Münster damals, den Papst nicht ein weiteres Mal zu operieren – Johannes Paul II., erholte sich auch ohne, dass Bünte selbst als Chirurg tätig werden musste.

Den Ruf nach Rom verdankte er seinerzeit der Tatsache, dass er unter vielen anderen Patienten auch kirchlichen Würdenträgern wirksam hatte helfen können. „Er hatte sich den Ruf erworben, auch sehr schwierige Eingriffe, an die sich sonst niemand traute, erfolgreich durchführen zu können, erinnert sich Langer.

Mit seiner Familie, Büntes Ehefrau und ein Sohn leben in Münster, trauern mehrere Dutzend seiner Schüler, viele von ihnen sind heute selbst hochrangige Chirurgen.

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