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Sieben Jahre Haft wegen Totschlags

Urteil zum Ehedrama lässt Fragen offen

Münster

Ein Mann bringt seine Frau um. Das bezweifelt in diesem Fall niemand. Doch der genaue Tathergang bleibt im Unklaren, das Gericht kommt daher zum Urteil Totschlag. Die Staatsanwalt hatte auf heimtückischen Mord plädiert. 

Von Björn Meyer

Sieben Jahre Haft gibt es für den 52-Jährigen, der seine Frau erdrosselt haben soll.  Foto: Pjer Biederstädt

Mit Kopf und Hals liegt der Angeklagte auf dem Tisch, vor dem er Platz genommen hat. Gekrümmt hockt der Mann so über mehr als eine Stunde fast regungslos, als die Richterin am Landgericht Münster zur Urteilsbegründung kommt. Zuvor hatte das Gericht den 52-jährigen Münsteraner zu sieben Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

Ein eher mildes Urteil, immerhin waren sich  Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig, dass der Mann seine Ehefrau 2015 in der gemeinsamen Wohnung erdrosselt habe. Die Staatsanwaltschaft aber hatte den Mann wegen heimtückischen Mordes und nicht wegen Totschlags angeklagt, dafür fehlten dem Gericht zufolge die Beweise.

Pfingstgemeinde und Prostituierte

Auch fehlten die genauen Hinweise darauf, wieso es an besagtem Sommertag 2015 überhaupt zu der Tat gekommen war. Klar ist nur: In der Ehe hatte es schon lange gekriselt. Die Frau hatte sich bereits seit mehreren Jahren der fundamentalen Pfingstgemeinde „Deus é Amor“ zugewandt.

Der Mann wiederum hatte während zweier Aufenthalte in Brasilien 2014 und 2015 sexuellen Kontakt mit Prostituierten, in deren Folge er sich laut Urteilsbegründung schwere Krankheiten erst eingebildet und schließlich depressive Probleme bekommen habe. Aussagen von Beteiligten sowie ausgewertete Handy- und Computerdaten ergäben ein eindeutiges Bild.

Tatablauf nicht eindeutig belegbar

Weniger eindeutig belegbar bewertete das Gericht hingegen den Tatablauf. Die Schwester des Täters hatte die Wohnung des Ehepaars gegen 14 Uhr aufgesucht, aber nur ihren kurz angebunden Bruder an der Wohnungstür angetroffen. Die Frau habe sich daraufhin Sorgen gemacht, weil sie laut Gericht ja gewusst habe, dass in der Ehe vieles im Argen gelegen habe.

Eineinhalb Stunden später habe sie gemeinsam mit der Tochter des Paares schließlich die Getötete und den nach einem Selbstmordversuch schwer verletzten Mann gefunden. Klar sei: Der Mann habe seine Frau von hinten erdrosselt, so das Gericht, das auch Anzeichen für Heimtücke sah, bewiesen sei diese aber nicht.

Anzeichen für Heimtücke

Acht Monate der Haftstrafe gelten, solange keine Revision eingelegt wird, aufgrund der langen Verfahrensdauer als bereits verbüßt. Das Leben des Verurteilten wird sich jedoch nie wieder normalisieren. Ihm waren aufgrund des Selbstmordversuches in einer Notoperation unter anderem mehrere Organe entnommen worden

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