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Skulptur-Projekte 2017

Die Kunstwelt blickt wieder auf Münster

Münster

Es gibt sie nur alle zehn Jahre: Am Samstag eröffnet die internationale Ausstellung Skulptur-Projekte 2017 in Münster. Für die Ausstellung kommen weltweit anerkannte Künstler in die Stadt.

Gerhard H. Kock 

Ein Schwerlaster holt scheinbar die Skulptur „Archer“ von Henry Moore aus Münster ab. „Fragile“, zerbrechlich, steht ironischerweise auf der Kiste, dem Skulptur-Projekt von Cosima von Bonin und Tom Burr. Foto: Wilfried Gerharz

Werner Arndt freut sich wie Bolle. Der SPD-Mann ist Bürgermeister von Marl. Und seine Stadt hat der Kurator ­Kasper König als Satellitenstadt der Skulptur-Projekte 2017 auserkoren. Nun muss der Politiker seinen Bürgern erläutern, warum die schrumpfende und knapsende 85.000-Einwohner-Kommune 240.000 Euro für Kunst ausgibt.

Er sei viel in sozialen Medien unterwegs, plauderte Arndt jüngst aus dem Näh­kästchen, und versuche den Leuten zu erklären, welche Kunst-Kapazitäten bei den Skulptur-Projekten ihre Arbeiten zeigen. „Wenn ich dann sage, das sind Stars wie Ronaldo, dann zeigen die Menschen Respekt. Und wenn ich denen erzähle, dass für Künstler wie Thomas Schütte Fans aus Brasilien angereist kommen, dann staunen die.“

Skulptur-Projekte sind bereits zum fünften Mal in Münster

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe muss seinen Bürgern nicht mehr erklären, warum die Skulptur-Projekte wichtig sind. Diese internationale Ausstellung hat der Stadt seit ihrer ersten Ausgabe 1977 alle zehn Jahre wichtige Impulse für Offenheit, Freiheit und Kommunikation gegeben.

Die Skulptur-Projekte zählen neben der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel längst zu den Klassikern im weltweiten Ausstellungskanon. An den bisher vier Ausgaben haben allein neun Träger des „Praemium Imperiale“ teilgenommen, des „Nobelpreises“ der Kunst.

Für die Ausstellung kommen weltweit anerkannte Künstler in die Stadt

Arbeiten dieser weltweit berühmten Künstler gehören zur mittler­ weile umfangreichen Sammlung Münsters im öffent­lichen Raum: Chillidas Bänke „Toleranz durch Dialog“ am historischen Rathaus, Richard Serras Hommage an den Barock­baumeister Johann Conrad Schlaun am Rüschhaus, ­Ilja Kabakows poetischer Sendemast am Aasee, Rebecca Horns „Gegenläufiges Konzert“ im Zwinger, Bruce Naumans eindrucksvolle „Platzsenke“ oder Guiseppe Penones Ast-Brunnen.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Skulptur- Projekte ist der Zehn-Jahres-Rhythmus, wodurch sich der Miterfinder des Ausstellungskonzepts, Kasper König, eine intensive Auseinandersetzung mit Kunst verspricht, die nicht nach Aufmerksamkeit geifert, sondern das Verhältnis von öffentlichem Raum und Kunst befragt.

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Die Künstler konnten sich selbst überlegen, wo sie ihre Skulptur errichten

Eine weitere Besonderheit der Skulptur-Projekte ist, dass die ­Künstler eingeladen werden, nach Münster zu ­kommen, und sich für einen Ort im Stadtgebiet ein Projekt zu überlegen. Was die Projektmacher und Genehmigungsbehörden vor nie da gewesene Probleme stellt: Wann muss sich die Verwaltung schon mal mit einer ­Brücke unter Wasser beschäftigen? Die türkische Künstlerin Ayşe Erkmen lässt die Besucher in Münsters Hafen über Wasser ­laufen.

Ein ähnlich gigan­tisches Vorhaben ist der Plan von Pierre Huyghe, eine ehemalige Eissporthalle von innen gleichsam auf Links zu drehen und in ein Biotop zu verwandeln. Es gibt aber auch feine Interventionen wie die von Lara Favaretto. Die Italienerin stellt an ein Denkmal für die Gefallenen deutscher Kolonialkriege einen Monolithen, der wie eine Spardose oder ein Opferstock funktioniert. Das Geld wird der „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft“ in Büren übergeben.

Skulptur-Projekte im Jahr 2017 - natürlich auch mit dem Smartphone erlebbar

Und es gibt diesmal mehrere Projekte, die mit dem Smartphone zugänglich sind, sowie performative Arbeiten. Das sind Kunstwerke, die sich lediglich ­ereignen. So instruieren ­Xavier Le Roy und Scarlet Yu spontan zunächst unbeteiligte Menschen, während der Ausstellung vom 10. Juni bis 1. Oktober in der Öffentlichkeit pantomimisch Skulptur dar­zustellen, um dann ihrerseits Fremde aufzufordern, desgleichen zu tun, und schließlich darüber in ein Gespräch über Kunst zu kommen.

2017 beträgt das Budget 7,3 Millionen Euro plus Sachleistungen in Höhe von rund 800.000 Euro. Realisiert wurden 35 Projekte. Erwartet werden gut 600.000 Besucher. Parallel zeigen Picasso-Museum, Stadtmuseum, die Kunsthalle Münster und der Kunstverein passende Ausstellungen. Es gibt eine Kooperation mit Marl.

Öffnungszeiten und Führungen in Münster und Marl

Zum fünften Mal finden die Skulptur-Projekte in Münster statt. Seit 1977 wird die Groß­ausstellung im Rhythmus von zehn Jahren realisiert. Kuratoren der Skulptur-Projekte 2017 sind Kasper König als künstlerischer ­Leiter sowie Britta Peters und Marianne Wagner. Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland haben 35 Arbeiten für den öffentlichen Raum und ein urbanes Umfeld geschaffen.

Ausstellungsdauer: 10. Juni bis 1. Oktober.

Offizielle Eröffnung am 10. Juni, Samstag, um 17 Uhr im Westfälischen Landesmuseum in Münster  am Domplatz. Eintritt frei. 19 Uhr Eröffnungsparty, Kulturgelände am Haverkamp.

Öffnungszeiten der Skulptur-Projekte: Täglich von 10 bis 20 Uhr, freier Eintritt.

Allgemeine Informationen unter  02 51/ 590 7500, unter der mail@skulptur-projekte.de sowie über die Homepage www.skulptur-projekte.de

Der Fahrradverleih in Münster ist online buchbar unter www.skulptur-projekte-bybike.de

Informationspunkte in Münsters Innenstadt: am Hauptbahnhof, Ecke Bahnhofstraße/Windthorststraße; Landesmuseum am Domplatz, Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123.

Führungen: Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung in Münster werden kostenlose öffentliche Touren in neun Sprachen angeboten. Es gibt auch die Möglichkeit, sich einzelnen Kunst­werken intensiver zu widmen. Schulgruppen können sich zu dreistündigen Workshops anmelden. Informationen unter 02 51/2031 8200 und ser­vice@skulptur-projekte.de

Außenstelle der Skulptur-Projekte in Marl: Öffnungszeiten bis zum 1. Oktober: Di bis Fr 11 bis 17 Uhr, Sa und So 11 bis 18 Uhr. Eintritt frei. Führungen: öffentlich und kostenlos immer sonntags 11.30 Uhr und donnerstags 15.30 Uhr. Im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl am Creiler Platz 1 sind 50 Modelle aus dem Skulptur-Projekte-Archiv zu sehen. Führungen in Marl extra und auf Anfrage sind kostenpflichtig für 60 Euro buchbar unter skulpturenmuseum@marl.de oder 0 23 65/99 22 57.

Kostenloser Bus-Shuttle Münster-Marl-Münster: Jeden Sonntag ist die Abfahrt um 10 Uhr am Westfälischen Landesmuseum am Domplatz in Münster. Die Rückfahrt in Marl startet um 14 Uhr am Skulpturenmuseum Glaskasten, Creiler Platz 1.

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