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Claes Oldenburg - „Giant Pool Balls“

Das Runde muss ins Runde

Münster. Welches Billard-Spiel wird hier gespielt? „Carambolage“ oder „Pool“?

wn

Ein gigantisches Billard-Spiel hat Claes Oldenburg am Aasee aufgebaut. Foto: Uwe Wahlbrink

Ist der Aasee ein Loch oder ein Tisch ohne Taschen? Einem Sportler mit Queue stellen sich diese Fragen sofort. Denn auf Claes Oldenburgs grünem Wiesen-Tisch liegen nur drei Bälle. Das ist aber nicht seine Schuld. Denn ursprünglich hatte der amerikanische Pop-Art-Künstler 16 „Giant Pool Balls“ für die Skulptur-Projekte 1977 geplant – verteilt über die gesamte Innenstadt. Bei ihm gehörte das Runde noch ins Runde. Weil dafür das Geld nicht reichte, blieb Münster ein Tisch ohne Taschen . . .

Sei’s drum. Falls „Riesen“ der münsterischen „Spielauf-Forderung“ mal nachkommen sollten, können sie die Uferwege als Bande nehmen. Für Pool-Billard eignen sich die grauen Zementpillen eh nicht. Drei weiße Kugeln? Vielleicht hat Oldenburg dieser spielerischen Kunst verschmitzt das Bunte genommen, weil in Münster auch sonst das Verspielte fehlt. Sein ironisch-kritischer Geist schenkte Frankfurt bereits eine flatternde Krawatte und Köln eine zerdetschte Eistüte, Münster gab er die Kugeln.

Kurz nach der Aufstellung am 6. Juni 1977 wähnten Passanten in diesen Betonkörpern „Atomeier“. Den ersten Test bestanden diese vier Wochen später. Rund 200 Personen mimten den Riesen und setzten nach einer Fete in der alten Mensa mit Gerätestangen und Bohlen einer nahe gelegenen Baustelle den Stock an. Das Ergebnis war jämmerlich. Eine Kugel kippte aus der Verankerung, das war’s. Aber dann ging’s erst richtig los: Zwei Polizisten wurden durch Faustschläge sowie Bierflaschen verletzt und Funkstreifenwagen beschädigt. Zwei Männer (33 und 35 Jahre) sowie eine Frau (22) wurden festgenommen, quasi „eingelocht“. Es kam zu einem „Protestmarsch“ zur Polizeidirektion. Wie Indianer bemalte und maskierte Protestler forderten die Freilassung. Zwei waren aber schon weg. Als die Dritte ging, löste sich das „Spiel“ auf.

Andauernde Geschichten fabrizieren, respektive beschmieren die Vandalen. Damit 1977 überhaupt Fotos von sauberen Kugeln gemacht werden konnten, mussten sie nachts von einer Wach- und Schließgesellschaft observiert werden. Schon in der ersten Nacht danach zeigte sich die Richtigkeit dieser Maßnahme. Mit fast fatalistischer Ironie schrieb bereits Ende Juni 1977 der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Albrecht Beckel zu den Schmierereien und der Ortsbezogenheit der Kunstwerke: „Auf einer Wiese, wo die Studenten lagern, gehört das fast schon dazu.“

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